SBB stossen treue Kunden vor den Kopf

Der Staatskonzern verzerrt mit seinem Halbtax-Schnäppchenangebot den privaten Wettbewerb massiv.

Ein Kondukteur kontrolliert in einem Intercity der Schweizerischen Bundesbahnen SBB von Bern nach Biel die Billete der Fahrgaeste. Bild: Keystone/Gaetan Bally

Ein Kondukteur kontrolliert in einem Intercity der Schweizerischen Bundesbahnen SBB von Bern nach Biel die Billete der Fahrgaeste. Bild: Keystone/Gaetan Bally

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Für Interdiscount dürfte das Halbtax-Schnäppchenangebot zum PR-Coup werden und im grossen Stil Kunden in die Läden locken. Einige Tausend Abos sollen verkauft werden. Das Unternehmen darf sich über den Deal mit den SBB getrost die Hände reiben. Doch das Vorgehen der Staatsbahn muss als fragwürdig bezeichnet werden. Erst ihr Zutun ermöglicht dem Elektronikhändler die PR-Aktion.

Damit verzerrt der Staatskonzern, der die Werbeoffensive zusammen mit anderen Anbietern des öffentlichen Verkehrs gestartet hat, den privaten Wettbewerb massiv – und das ­ausgerechnet in dem für den Handel so wichtigen Weihnachtsgeschäft. Von einem staatlichen Unternehmen sollte man mehr Zurückhaltung ­erwarten dürfen. Zumal die SBB die Halbpreis­aktion problemlos auch ohne die Partner hätten durchführen können.

Ob die Kosten beim Alleingang so viel höher gewesen wären als beim nun eingeschlagenen Weg, ist fraglich. Eine solche Werbeaktion hätte das Potenzial gehabt, über Mundpropaganda rasch zum Selbstläufer zu werden. Wie viel die SBB für die Interdiscount-Aktion zahlen, wollen sie nicht sagen. Beim Elektronikhändler heisst es, man lege nicht drauf.

Viele besitzen seit Jahrzenten ein Halbtaxabo

Störend ist zudem, dass der Tiefpreis nur für Neukunden gilt. Die SBB stossen damit ihre treusten Kunden vor den Kopf. Viele, die mehr oder weniger regelmässig mit dem Zug unterwegs sind, besitzen seit Jahrzehnten ein Halbtaxabo. Anstatt sich bei ihnen mit einem Preisnachlass für die Treue zu bedanken, dürften die SBB nun so manchen verärgern. Nur jene bestehenden Kunden, die zufälligerweise das Glück haben, dass ihr Abo zwischen dem 20. November und dem 1. Dezember ausläuft, gelten als Neukunden und können das Schnäppchenangebot nutzen.

Dass Neukunden umworben und bestehende Kunden vernachlässigt werden, kennt man zwar auch aus anderen Wirtschaftszweigen. Regelmässig wird etwa in der Telekommunikationsbranche mit fürstlichen Rabatten um neue Kunden geworben. Dabei gibt es jedoch einen wesentlichen Unterschied zwischen Swisscom und Sunrise etwa und den SBB: Wenn ein Telecomkunde davon Wind bekommt, dass auf neuen Verträgen Rabatte gewährt werden, kann er das zum Verhandeln nutzen.

Unter Androhung, zur Konkurrenz zu wechseln, sind solche Gespräche meistens erfolgreich. Gegenüber dem Monopolisten SBB ist diese Strategie dagegen wohl aussichtslos. Zu welcher Konkurrenz will man denn wechseln? Auch die Drohung, man werde das Halbtaxabo nicht mehr verlängern, dürfte bei den SBB keine grosse Aufregung auslösen.

Erstellt: 20.11.2017, 23:03 Uhr

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