Für Hochqualifizierte sind nur zwei Länder attraktiver als die Schweiz

Neue Zahlen der OECD zeigen: Die Schweiz ist für gut ausgebildete Zuwanderer ein besonders attraktives Pflaster.

Attraktiv für ausländische Studierende: Blick in die Universität St. Gallen. (27. März 2018)

Attraktiv für ausländische Studierende: Blick in die Universität St. Gallen. (27. März 2018) Bild: Christian Beutler/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat in Zusammenarbeit mit der Bertelsmann-Stiftung am Mittwoch eine Studie veröffentlicht, in der die Schweiz jeweils führende Positionen einnimmt. Es wurde untersucht, wie attraktiv sich die 36 Länder für hoch qualifizierte Arbeitskräfte, Studierende sowie für Existenzgründer und Unternehmer präsentieren.

Dabei wurden für die Studie Indikatoren entwickelt, die erheben sollen, wie attraktiv die Nationen für talentierte Migranten sind. Angeschaut wurden demnach sieben Faktoren: berufliche Chancen, Einkommen und Steuern, Zukunftsaussichten, Möglichkeiten für Familienmitglieder, Kompetenzumfeld, Diversität und Lebensqualität. Ausserdem wurde betrachtet, wie einfach ausländische Fachkräfte an ein Visum oder eine Aufenthaltsgenehmigung kommen.

Bei diesem Vergleich seien erstmals Indikatoren entwickelt worden, mit denen die Stärken und Schwächen einzelner Länder aus der Sicht von Zuwanderern bewertet werden können, bemerkte die OECD.

Sehr attraktiv für Studierende

Dabei stellte sich heraus, dass hoch qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland die besten Arbeits- und Lebensbedingungen in Australien vorfinden. In dieser Kategorie belegt die Schweiz hinter Schweden, aber vor Neuseeland und Kanada Rang 3. Die USA landen auf Platz sieben. Die Nachbarländer Deutschland und Österreich folgen auf dem 12., respektive dem 17. Rang. Viel weiter unten folgen Frankreich (Platz 22) und Italien (Platz 31). Schlusslichter unter den 35 Staaten, die verglichen wurden, sind Griechenland, Mexiko und die Türkei.

Zum Vergrössern anklicken. (Quelle: OECD)

Bei den Studierenden führt die Schweiz das Ranking an, gefolgt von Norwegen, Deutschland, Finnland und den USA. Wegen der hohen Studiengebühren sind bei Studentinnen und Studenten eigentlich beliebte Länder wie Grossbritannien, Kanada, Australien oder Neuseeland in der Tabelle hinten klassiert.

Zum Vergrössern anklicken. (Quelle: OECD)

Wiederum anders präsentiert sich die Attraktivität aus der Sicht von Existenzgründern und Unternehmern. In Kanada finden sie gemäss der Studie die besten Bedingungen vor. Hinter Neuseeland befindet sich die Schweiz auf dem dritten Platz, gefolgt von Schweden und Norwegen. Das gute Abschneiden dieser Länder widerspiegle die relativ niedrigen Mindestinvestitionen und die Anforderungen an die Schaffung von Arbeitsplätzen in diesen Ländern. Länder wie Griechenland, Mexiko und die Türkei sind offenbar sehr unattraktiv und zieren das Tabellenende.

Zum Vergrössern anklicken. (Quelle: OECD)

Dass die Schweiz, wo Deutsch die meistverbreitete Sprache ist, besser abschneidet als die ebenfalls deutschsprachigen Länder Deutschland und Österreich, liegt gemäss den Forschern einerseits an der «Willkommenskultur», die dort von den Forschern besser eingeschätzt wird. Andererseits seien die Gehälter höher und die Steuern niedriger.

Während die Schweiz somit schon sehr gut abschneidet, ist beispielsweise für Deutschland auch in Zukunft ein Spitzenplatz kaum erreichbar. Der Chef der OECD-Abteilung für Internationale Migration, Jean-Christophe Dumont, erklärte, das Land könne durch politische Reformen zwar Boden gutmachen. Doch viele Menschen mit sehr guten Englisch- oder Französisch-Kenntnissen würden dennoch eher in andere Länder gehen.

Wie Spiegel.de schreibt, geht die Organisation davon aus, dass sich der weltweite Wettbewerb um besonders kluge Köpfe in den kommenden Jahren noch verschärfen wird. «Die Indikatoren zur Attraktivität für Talente zeigen, wie viel Spielraum die OECD-Länder haben, um ihr Land zum bevorzugten Ziel für talentierte Migranten zu machen», heisst es in der Untersuchung weiter.

(fal/afp/sda)

Erstellt: 29.05.2019, 15:10 Uhr

Artikel zum Thema

Integrierte Ausländer, diskriminierte Frauen

Die hiesige Arbeitsmarktpolitik muss sich an neuen Massstäben messen – dabei offenbart sich in einem Punkt eine im europäischen Vergleich bedeutende Schwäche. Mehr...

Weniger Entwicklungsgelder für sehr arme Länder

Der Rückgang bei der Entwicklungshilfe beunruhigt die OECD. Die Geberländer hielten sich nicht an ihre Zusagen von 2015. Auch die Leistungen der Schweiz fielen 2018 geringer aus. Mehr...

Automatisierung bedroht «deutlich weniger» Arbeitsplätze

Nach einer Einschätzung der OECD ist nur jeder siebte Job von der Digitalisierung betroffen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Animalische Athletik: Ein Tiertrainer im Zoo von Sanaa, Jemen, reizt eine Löwin so sehr, dass sie wortwörtlich die Wände hochgeht. (Januar 2020)
(Bild: Mohamed al-Sayaghi) Mehr...