Schweizer Vermögensverwalter im Check

Hohe Gebühren: Wo gibt es Sparpotenzial für Anleger? Der grosse Vergleich für drei Einkommensklassen.

Die geringe Transparenz auf dem Markt erschwert einen Vergleich der Asset-Management-Gebühren: Blick auf den Paradeplatz in Zürich. Foto: Keystone

Die geringe Transparenz auf dem Markt erschwert einen Vergleich der Asset-Management-Gebühren: Blick auf den Paradeplatz in Zürich. Foto: Keystone

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Andi Aufstrebend kann sich glücklich schätzen. Sein Vermögen von 50'000 Franken ist zu gering, um es von einer Privatbank verwalten zu lassen. Er wählt deshalb einen Robo-Advisor, der sein Geld aufgrund seiner Risikoneigung kostengünstig in passive Fonds anlegt. Glücklich deshalb, weil sich die Angebote solcher digitalen Vermögensverwalter einfach und transparent vergleichen lassen.

Profil 1 Andi Aufstrebend

Andi Aufstrebend (30) verdient gut und treibt seinen Vermögensaufbau gezielt mit langfristigen Aktienanlagen voran. Das Privatkonto nutzt er wenig – Zahlungen und Geldbezüge stehen im Fokus. Als Millennial setzt er auf einen Robo Advisor, und in der Altersvorsorge liegt sein Schwerpunkt auf Aktien. Daneben handelt er wiederkehrend bei einem Online-Broker.

Einkommen: 100'000 Franken
Privatkonto: 5000 Franken
Online-Trading: Depotwert 50'000 Franken
Kreditkarte: Setzt seine Standardkarte ab und zu ein
Verwaltetes Vermögen: 50'000 Franken
Säule 3a: Fonds mit möglichst hohem Aktienanteil

Deutlich schwieriger ist es für Rita Redlich und Siegfried Sicher, einen kostengünstigen Vermögensverwalter zu suchen. Ihre Vermögen -0,5 resp. 1,5 Millionen Franken möchten sie von einer herkömmlichen Bank verwalten lassen. Zahlreiche Institute machen ihre Konditionen aber nicht öffentlich, was einen Vergleich erschwert.

Profil 2 Rita Redlich

Rita Redlich (45) hat sich in ihrem Unternehmen etabliert, ihr Lohn nähert sich der Maximalstufe. Sie konnte bislang einiges auf die Seite legen, verwaltet wird das Geld von einem Vermögensverwalter. Ab und zu handelt sie selbst mit Aktien. Das Privatkonto nutzt sie immer wieder. Ihr Anlagestil ist vorsichtiger geworden – in der dritten Säule bevorzugt sie defensive Fonds.

Einkommen: 200'000 Franken
Privatkonto: 40'000 Franken
Online-Trading: Depotwert 100'000 Franken
Kreditkarte: Setzt ihre Goldkarte gelegentlich ein
Verwaltetes Vermögen: 500'000 Franken
Säule 3a: Fonds mit Aktienanteil von maximal 40 Prozent

Diese Intransparenz verunmöglicht auch im Rahmen dieses Artikels einen umfassenden Vergleich der Vermögensverwalter. Diese Folge der Serie «Finanz-Checks» zeigt eine Auswahl von Angeboten. Sie zeigen, in welchem Ausmass die Gebühren von Vermögensverwaltungsmandaten differieren können. Es empfiehlt sich ein individueller Vergleich.

Profil 3 Siegfried Sicher

Siegfried Sicher (60) nähert sich der Pensionierung und hat die höchste Lohnstufe erreicht. Sein Privatkonto nutzt er rege, vor allem für Zahlungen. Der Anlagehorizont ist kürzer geworden, er setzt auf Sicherheit – sowohl bei seinem Vermögen wie auch in der dritten Säule, wo er nur noch Zinskonten besitzt. Bei seinem Online-Broker hält er wenige Aktien und ETF.

Einkommen: 300'000 Franken
Privatkonto: 50'000 Franken
Online-Trading: Depotwert 250'000 Franken
Kreditkarte: Setzt seine Platinkarte häufig ein
Verwaltetes Vermögen: 1'500'000 Franken
Säule 3a: Ausschliesslich Zinskonten

Bei den digitalen Vermögensverwaltern bewegen sich die Gebühren der meisten Anbieter in einem engen Rahmen. Das liegt daran, dass die Pauschalgebühren, die prozentual zum verwalteten Vermögen erhoben werden, sich unwesentlich unterscheiden. Zu den kostengünstigsten Anbietern in diesem Bereich gehören Robo-Advisor-Pionier True Wealth, der Versicherer Elvia und der Investomat der Glarner Kantonalbank.

Ausgewählte Vermögensverwaltungsangebote im Vergleich

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Erhebliche Gebührenunterschiede finden sich hauptsächlich bei den Vermögensverwaltungsmandaten. Sowohl Rita Redlich als auch Siegfried Sicher könnten mehr als die Hälfte der Kosten einsparen, wenn sie vom teuersten zum günstigsten Angebot wechseln würden. Bei beiden liegt die Sparkasse Schwyz mit ihrem ETF-Mandat vorn. Auf der anderen Seite des Spektrums rangieren bei Rita Redlich UBS Managed Advance (Gebühren 8250 Franken) und bei Siegfried Sicher Raiffeisen mit dem Classic Portfolio (21'000 Franken).

«Die Kosten sind das wichtigste Entscheidungskriterium bei der Wahl der richtigen Vermögensverwaltung», sagt Moneyland-Geschäftsführer Benjamin Manz. Denn gerade hohe Gebühren würden die zukünftigen Renditen immer negativ beeinflussen. «Es verwundert deshalb nicht, dass vor allem Privatbanken ihre Konditionen oft nur auf Anfrage bekanntgeben», sagt Manz. In der Regel lägen die Gebühren der Privatbanken höher als jene von Retailbanken.

Wo weitere Kosten lauern

Ein oftmals unterschätzter Kostentreiber sind die Gebühren für die eingesetzten Produkte. Während diese bei ETF-Mandaten oder Robo-Advisors beinahe vernachlässigbar sind, können Produktkosten beim Einsatz von teuren, aktiv gemanagten Anlagefonds deutlich zu Buche schlagen. «Dies ist besonders fragwürdig, denn so zahlen die Kunden doppelt für die Verwaltung ihrer Vermögen», so Manz.

Daneben können Banken ihren vermögenden Kunden eine ganze Reihe von weiteren Abgaben belasten, etwa Depotgebühren, Kontoführungsgebühren (etwa bei Fremdwährungskonten), oder Wechselkursgebühren beim Kauf von Anlagen ausserhalb des Frankens. Solche Kosten sind im Vergleich nicht abgebildet, da deren Höhe stark von der Aktivität bei der Verwaltung des Vermögens abhängt.

Um an ein möglichst attraktives Angebot zu kommen, rät Manz, sich vor dem Gespräch mit dem Kundenberater gut zu informieren und mehrere Offerten einzuholen. Sind grössere Vermögen vorhanden, können die Gebühren bei Banken oft nach unten gehandelt werden.

Erstellt: 10.12.2018, 15:51 Uhr

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