Sein Sexismus kostet ihn 2,7 Milliarden Dollar

Starinvestor Ken Fisher hat sich abfällig über Frauen geäussert. Grossanleger kehren ihm nun den Rücken. Und Schweizer Medien verzichten auf seine Expertise.

Versteht die Aufregung über seine Äusserungen nicht wirklich: Starinvestor Ken Fisher. Foto: Brad Trent (Redux, Laif)

Versteht die Aufregung über seine Äusserungen nicht wirklich: Starinvestor Ken Fisher. Foto: Brad Trent (Redux, Laif)

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Eigentlich hätte alles unter dem Mantel des Schweigens bleiben sollen. Denn die Teilnehmer der Anfang Oktober abgehaltenen Tiburon-Konferenz in San Francisco hatten eine Verschwiegenheitserklärung unterschrieben. Doch die Bemerkungen des Starinvestors Ken Fisher sorgten im Ritz-Carlton Hotel für derartigen Aufruhr, dass sie schon bald auf den sozialen Medien kursierten – und dafür sorgten, dass Fisher künftig nicht mehr an die Konferenz eingeladen wird.

Der 68-Jährige sagte vor der versammelten kalifornischen Finanzelite, dass es sich für die meisten Menschen bei Sex und Geld um die privatesten Angelegenheiten handle. Wenn man daher neue Kunden gewinnen wolle, müsse man sehr vorsichtig sein. Es sei ähnlich intim, wie wenn man sich an der Bar an ein Mädchen heranmache und dann sage: «Hey, ich möchte mit dir darüber sprechen, was in deiner Hose ist.» Danach habe er weiter über Genitalien und LSD-Konsum referiert.

Fisher sei ausser Kontrolle geraten, schrieb ein Teilnehmer später auf Twitter. Charles Roame, Organisator der Tiburon-Konferenz, entschuldigte sich in einem Blog-Beitrag für das Verhalten eines Referenten, ohne dessen Namen zu nennen, und versprach, dass sich der Anlass künftig stärker gegenüber Frauen öffnen werde. Man habe dies schon früher leider erfolglos versucht.

Halbherzige Entschuldigung

Gegenüber Bloomberg rechtfertigte sich Fisher einige Tage nach dem Auftritt noch damit, dass er öfter solche Vergleiche gezogen habe, diese aber noch nie für Aufsehen gesorgt hätten. «Das Publikum versteht meistens schon, wie sie gemeint sind.» Später entschuldigte sich Fisher aber für seine Äusserungen. Einige der Worte, die er an einer Konferenz gebraucht habe, seien unangebracht gewesen. Diese Ausdrucksweise habe in der Branche und seiner Firma keinen Platz. Auch sein Unternehmen schob eine Entschuldigung für die Entgleisung des Firmengründers nach. Dies wohl auch, weil sich rasch abzeichnete, wie schädlich seine Äusserungen für das Geschäft sind.

Bald schon zogen nämlich erste Anleger ihre Gelder aus Fishers Fonds ab. Zuerst die Pensionskasse von Michigan. Sie lässt nun 600 Millionen Dollar von einem anderen Fonds managen. Dann folgten New Hampshire, Philadelphia, Boston und Iowa. Es folgten der Vermögensverwalter Fidelity, der 500 Millionen Dollar abzog, und die US-Grossbank Goldman Sachs. Total sollen laut CNBC bis heute rund 2,7 Milliarden Dollar aus den Fonds von Fisher abgeflossen sein.

Er gehört zu den 200 reichsten Amerikaner

Insgesamt verwaltet das Unternehmen rund 112 Milliarden Dollar, ein Grossteil davon stammt von Privatanlegern aus den USA. Fisher amtete bis vor drei Jahren als dessen Chef und übergab dann die Leitung an einen seiner Fondsmanager.

Bei Privatinvestoren hat sich Fisher in den vergangenen Jahrzehnten als Anlageprofi einen Namen gemacht. Er gründete seine Firma 1979 mit einem Startkapital von nur gerade 250 Dollar. Seither hat er zahlreiche Empfehlungen zum Börsengeschehen abgegeben und elf Anlageratgeber geschrieben, sechs davon sind in den USA Bestseller. Sein guter Geschäftssinn hat ihn auch zu einem reichen Mann gemacht. Das US-Magazin «Forbes» schätzt sein Vermögen auf 3,9 Milliarden Dollar. Er gehört damit zu den reichsten 200 US-Bürgern.

CNN Schweiz distanziert sich

Fisher ist auch in der Schweiz ein gefragter Experte und Interviewpartner. So schreibt er Meinungsbeiträge für die «Handelszeitung» und tritt beim Wirtschaftssender CNN Money Schweiz auf. Stefan Barmettler, Chefredaktor der «Handelszeitung», sagt zu Fishers Bemerkungen: «Seine Aussagen an der Tiburon-Konferenz waren sehr fragwürdig. Wir werden sicher das Gespräch mit ihm suchen.»

Einen Schlussstrich zieht CNN Money Schweiz: «Seit Herr Fisher in die Schlagzeilen geraten ist, haben wir keine Interviews mehr mit ihm geführt, und wir haben uns dazu entschieden, den regelmässigen Interviews ein Ende zu setzen», sagt eine Sprecherin.

Erstellt: 26.10.2019, 10:00 Uhr

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