Sie reden der Credit Suisse ins Gewissen

21 NGOs aus Moçambique setzen sich dafür ein, dass die CS dem Land umstrittene Kredite erlässt. Zwei Vertreterinnen sind in der Schweiz – und konnten einen kleinen Erfolg erzielen.

Reisen mit einigen Antworten der CS im Gepäck zurück nach Moçambique: Denise Namburete und Paula Monjane. Foto: Samuel Schalch

Reisen mit einigen Antworten der CS im Gepäck zurück nach Moçambique: Denise Namburete und Paula Monjane. Foto: Samuel Schalch

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Sie haben fast schon eine Tour de Suisse hinter sich. Paula Monjane und Denise Namburete vertreten das Civil Society Budget Forum (FMO). Das Netzwerk von 21 Nichtregierungsorganisationen aus Moçambique setzt sich dafür ein, dass die Credit Suisse dem Land dabei hilft, seine Schulden abzubauen.

In den vergangenen Tagen sprachen die beiden Frauen in Zürich, Bern und Basel vor jeweils rund 40 Zuhörern. Letzten Freitag nahmen sie die grosse Bühne an der CS-Generalversammlung ein. Namburete sprach im Zürcher Hallenstadion vor über 1300 Aktionären der Grossbank und redete CS-Präsident Urs Rohner und CS-Chef Tidjane ­Thiam eindringlich ins Gewissen. «Wir kamen den weiten Weg aus Moçambique und suchen nach Antworten», so Namburete.

Durch das «Wall Street Journal» wurde im südostafrikanischen Land ein Schuldenskandal aufgedeckt. Die Bank half ab 2012, zusammen mit der russischen Bank VTB, Kredite an staats­nahe Unternehmen im Umfang von mehr als 2 Milliarden Dollar zu organisieren. Die Gebühren der CS beliefen sich auf 1,6 Prozent des Gesamtvolumens – den gängigen Konditionen für solche Transaktionen. Die Gelder wurden aber in grossem Stil veruntreut, die Kredite platzten, und die Staatsschulden schossen in die Höhe. Gegen ehemalige Regierungsbeamte, Manager der Staatsbetriebe sowie drei ehemalige Mitarbeiter der CS wird in den USA ermittelt.

Die Bank habe nichts vom Verhalten der Ex-Mitarbeiter wissen können, sagte Rohner an der GV. Zu vielen Informationen habe die Bank erst durch das juristische Verfahren Zugang erhalten. Das helfe bei der Aufarbeitung und führe dazu, dass so etwas nicht mehr passieren könne. Zudem arbeitet das Institut mit den zuständigen Behörden zusammen.

Um Lösung bemüht

Nun trafen sich Monjane und Namburete mit dem CS-Chefjuristen Romeo Cerutti. Zum Verlauf des Gesprächs äussert sich die Bank nicht. Doch offenbar bemüht sich das Institut, eine Lösung zu finden. «Das Gespräch war konstruktiv», so Veronika Hendry, Präsidentin des Stimmrechtsberaters Actares. Actares hat das Treffen vermittelt und setzt sich seit Jahren dafür ein, dass die umstrittenen Geschäfte der Grossbank aufgearbeitet werden. Die Bank sei bereit, mit FMO in Kontakt zu bleiben, so Hendry. Weitere Auskünfte will sie nicht geben.

Unabhängig davon hat die Schweizer Nichtregierungsorganisation Public Eye in diesen ­Tagen Anzeige gegen die CS eingereicht, wie die «SonntagsZeitung» berichtete. Es geht dabei um die Frage, ob die Schweizer Konzernzentrale mehr über die umstrittenen Geschäfte hätte wissen können.

Die Organisationen aus Moçambique gehen zuerst auf die CS zu, weil sie in diesem Geschäft die wichtigste Bank ist. «Die russische VTB schauen wir uns auch an, doch sie ist für uns kaum greifbar», so Monjane. Bei der CS helfe die US-Untersuchung, bei der russischen VTB gebe es nichts Vergleichbares. Neben dem direkten Gespräch versuchen die Aktivistinnen international Druck aufzubauen. «Wir kontaktieren alle internationalen Organisationen, von denen wir glauben, dass sie einen Einfluss haben können», so Namburete.

«Illegal und betrügerisch»

Die Organisationen von FMO schauen den lokalen Behörden beim Umgang mit öffentlichen Geldern auf die Finger. Dabei seien sie auf schwerwiegende Verfehlungen gestossen. Die Kredite wurden nicht durch das ­Parlament abgesegnet, sie seien daher illegal, erklärte Monjane gegenüber dieser Zeitung. «Doch für uns sind sie nicht nur illegal, sondern betrügerisch», sagte Monjane.

Dabei spielt die lokale Politik eine wichtige Rolle. «Wir akzeptieren, dass es Regierungsmitglieder gab, die unserem Land geschadet haben», so ­Namburete. Es gehe aber nicht nur darum: «Es gab ein internationales Netzwerk an Unternehmen, das uns in die Krise geführt hat – die Moçambiquer sollen dafür nicht büssen müssen.» Ihr Einsatz ist für Monjane und Namburete ­gefährlich. Ihre Schweizer Verbündeten sorgen sich um ihre ­Sicherheit.

Moçambique ist nicht nur von zwei schweren Wirbelstürmen gebeutelt (siehe dazu die Box am Ende). Die Wirtschaft des Staates hat sich zwar in den letzten zwanzig Jahren sehr gut entwickelt – doch hat sich die Lage in den letzten Jahren wieder verschlechtert. «Das Land ist schon arm, und durch die Schulden wird Moçambique weiter geschädigt», sagt Monjane. Die Bürger von Moçambique sollten die Folgen dieses Betruges nicht tragen müssen. «Wir bezahlen schon heute für diese illegalen Kredite», erklärt sie. Denn laut der UNO ist der Anteil am Haushalt, der für den Schuldendienst aufgewendet wird, wieder deutlich gestiegen.

Für Spitäler und Schulen fehlt das Geld. «Wichtige Medikamente fehlen, oder Lehrer haben keinen Lohn», sagt Monjane. Zudem ­seien bereits zukünftige Staatseinnahmen für den Schuldendienst versprochen. Derzeit ar­beiten die US-Energiekonzerne Anadarko und Exxon Mobil an Flüssigerdgas-Projekten. Das Land würde so auf einen Schlag zu einem wichtigen Exporteur von Erdgas. Doch bliebe davon wenig hängen.

Immerhin: Monjane und Namburete reisen nun mit einigen Antworten der CS im Gepäck zurück nach Moçambique.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 29.04.2019, 20:57 Uhr

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