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SNB sieht Spielraum für weitere Zinssenkungen

Die Schweizer Nationalbank hält den Franken nach wie vor für signifikant überbewertet. Gemäss Andréa Maechler ist die Bank mit ihrem Latein noch nicht am Ende – trotz Negativzinsen.

«Wir haben noch Zinssenkungsspielraum»: Andréa Maechler vor den Medien in Bern. (16. Juni 2016)
«Wir haben noch Zinssenkungsspielraum»: Andréa Maechler vor den Medien in Bern. (16. Juni 2016)
Lukas Lehmann, Keystone

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) ist mit ihrem Negativzins von 0,75 Prozent noch nicht am Ende ihrer Möglichkeiten angelangt. «Wir gehen davon aus, dass wir, falls nötig, noch einen gewissen weiteren Zinssenkungsspielraum haben», sagte SNB-Direktoriumsmitglied Andréa Maechler am Donnerstagabend in Genf.

Das Potenzial für Zinssenkungen im negativen Bereich sei durch die effektive Zinsuntergrenze begrenzt, sagte Maechler in einer Rede am Geldmarkt-Apero. Diese Untergrenze werde unter anderem durch die Kosten der Bargeldhaltung bestimmt. «Wo diese Zinsuntergrenze liegt, ist nicht exakt bestimmbar.»

Kapitalmärkte und Bankensystem

Die Übertragung des negativen Zinses auf die Geld- und Kapitalmärkte verlaufe bei einer Zinsänderung im negativen Bereich praktisch gleich wie im positiven Bereich.

Dagegen sei im Bankensystem die Übertragung des Negativzinses uneinheitlich. Da die Einlagenzinsen der Banken mehrheitlich bei null verharrten, seien auch die Kreditzinsen, insbesondere jene am Hypothekarmarkt, weniger stark gesunken als die Zinssätze am Geld- und Kapitalmarkt.

«Diese unvollständige Transmission auf die Kreditzinsen ist aus Sicht der Nationalbank im aktuellen Umfeld nicht unerwünscht», sagte Maechler.

Kaufprogramme wirken

Bezüglich der Auswirkungen des Negativzinses auf die Investoren stelle die SNB fest, dass vor allem inländische Anlagen gesucht würden. Die von der Wirtschaft erzielten Leistungsbilanzüberschüsse würden nämlich meist in Franken umgetauscht und nicht, wie früher, im Ausland investiert.

«Dies trägt massgeblich zur Frankenstärke bei. Hier wäre die Bereitschaft der grossen Investoren, gewisse zusätzliche Risiken auf sich zu nehmen, geldpolitisch durchaus erwünscht», sagte Maechler. Die SNB hält den Franken nach wie vor für signifikant überbewertet.

Zinsen auf Staatsanleihen reduziert

Die geldpolitische Lockerung der grossen Zentralbanken durch ihre billionenschweren Kaufprogramme von Wertpapieren an den Finanzmärkten zeigten Wirkung. Die Programme der US-Notenbank Fed, der Europäischen Zentralbank (EZB), der Bank of England und der japanischen Notenbank dürften über die verschiedenen Währungsräume hinweg die Zinsen zehnjähriger Staatsanleihen im Mittel um gut einen halben Prozentpunkt reduziert haben, sagte Maechler.

SDA/mch

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