So stark leidet der Schweizer Finanzplatz

Weniger Banken, Jobs und Wertschöpfung: Die Branche hat in den letzten zehn Jahren an Bedeutung verloren.

Der Finanzplatz musste seit 2008 Federn lassen: Ein Mann läuft über den Paradeplatz in Zürich.

Der Finanzplatz musste seit 2008 Federn lassen: Ein Mann läuft über den Paradeplatz in Zürich. Bild: Keystone

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In der Schweiz spielt der Finanzsektor eine überaus wichtige Rolle: Zwischen 1990 und 2009 war er für knapp ein Drittel des gesamtwirtschaftlichen Wachstums verantwortlich, trug also wesentlich zum Wohlstand des Landes bei. Umso bedrohlicher war die Lage Ende 2008, als die internationale Finanzkrise auch die hiesigen Banken erschütterte. Anleger verloren viel Geld. Der Bund und die Nationalbank mussten die UBS mit einem Milliarden-Rettungspaket vor der Insolvenz bewahren.

Von diesem Schock hat sich der Schweizer Finanzplatz bis heute nicht erholt. Seit 2007 ist fast ein Viertel der Banken verschwunden, entweder wegen eines Konkurses oder als Ergebnis von Zusammenschlüssen beziehungsweise Übernahmen. Auch die Zahl der Versicherer ging in diesem Zeitraum um mehr als 21 Prozent zurück, wie der neue Bericht «Finanzstandort Schweiz» des Staatssekretariats für internationale Finanzfragen zeigt.

Das Verschwinden vieler Institute führte zu einer Konzentration des Marktes. Obwohl heute 253 Banken in der Schweiz existieren, entfällt fast die Hälfte der Gesamt-Bilanzsumme auf die vier Grossbanken UBS, Credit Suisse, Postfinance und ZKB. Zusammen mit den übrigen Kantonalbanken und der Raiffeisenbank sind es sogar 73 Prozent der Gesamtsumme. Laut dem Bericht kann diese Konzentration den Wettbewerb einschränken.

Zudem hat sie Auswirkungen auf die Beschäftigung – vor allem bei den Banken. Diese mussten seit 2008 fast 20'000 Vollzeitstellen streichen. Weniger hart traf es die Versicherer. Mit Finanz- und Versicherungsdienstleistungen verbundene Tätigkeiten wie zum Beispiel der Effekten- und Warenhandel konnten sogar wachsen.

Zusammengerechnet gingen aber über 7000 Jobs verloren. Machte der Finanzplatz im Jahr 2008 noch 5,9 Prozent der Schweizer Gesamtbeschäftigung aus, sind es heute nur noch 5,2 Prozent.

Als direkte Folge davon reduzierte sich den letzten zehn Jahren der Beitrag des Finanzstandorts zur Wertschöpfung der Schweizer Wirtschaft um fast 4 Milliarden Franken. Würde man die Banken separat betrachten, wären es sogar über 8,4 Milliarden. Nur weil die Versicherer zulegten, sieht die Bilanz nicht so schlecht aus.

Gleichzeitig hat sich das Bruttoinlandprodukt (BIP) der Schweiz erhöht, von gut 600 auf fast 690 Milliarden Franken. Die Folge: Die Finanzbranche leistet heute einen kleineren Anteil an das BIP als noch vor zehn Jahren. 2008 waren es 11,1 Prozent, 2018 noch 9,1 Prozent.

Damit steht die Schweiz im Vergleich mit anderen Ländern aber immer noch gut da. In den USA etwa beträgt der BIP-Anteil 7,5 Prozent, in Grossbritannien 6,9 Prozent und in Deutschland sogar nur 3,7 Prozent.

Obwohl sich die Wichtigkeit des Finanzsektors für die Schweizer Wirtschaft in den letzten Jahren verringert hat, leistet die Branche weiterhin einen beträchtlichen Beitrag an die Einnahmen der öffentlichen Hand. 2018 zahlten die Beschäftigten im Finanzsektor und die Institute zusammen über 6,5 Milliarden Steuern. Das sind 7,5 Prozent des direkten Steueraufkommens in der Schweiz.

Ausserdem rechnet die Branche selbst mit einem baldigen Schub für den Finanzplatz. Die Credit Suisse prognostizierte Mitte letzten Jahres, dass die Summe des hierzulande verwalteten Vermögens von heute 6 Billionen auf 6,8 Billionen im Jahr 2021 wachsen dürfte. Voraussetzung dafür sind allerdings rasche Abkommen mit der EU und Grossbritannien sowie Anpassungen an internationale Regulationsstandards.

Erstellt: 02.04.2019, 16:06 Uhr

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