So teuer wird ein harter Brexit für die britische Wirtschaft

Boris Johnson behauptet gern, Grossbritannien spare viel Geld bei einem EU-Ausstieg ohne Abkommen. Für die Unternehmen sieht es laut einem Regierungspapier schlecht aus.

Eine Werbetafel der britischen Regierung informiert in London über den baldigen Brexit. Unternehmen würde ein Ausstieg ohne Deal teuer zu stehen kommen. Foto: Toby Melville (Reuters)

Eine Werbetafel der britischen Regierung informiert in London über den baldigen Brexit. Unternehmen würde ein Ausstieg ohne Deal teuer zu stehen kommen. Foto: Toby Melville (Reuters)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Vor einer Woche war Boris Johnson voller Euphorie. Beim Tory-Parteitag in Manchester behauptete der britische Premierminister, dass sein Land eine Milliarde Pfund pro Monat sparen könnte, wenn es die Europäische Union (EU) am 31. Oktober verlasse. Wie er auf die Zahl kommt, erklärte Johnson nicht. Fest steht nur: Er will das Vereinigte Königreich an Halloween aus der EU führen – und zwar mit oder ohne Deal. Johnsons Botschaft ist ziemlich klar: Grossbritannien steht so oder so eine glorreiche Zukunft bevor.

Eine Lieferung wird Unternehmen im Durchschnitt zusätzlich 28 Pfund kosten.

Für die Wirtschaft sieht es laut einem Regierungspapier nicht ganz so grandios aus: Im Fall eines No-Deal-Brexit kämen auf die Unternehmen jährliche Kosten von 15 Milliarden Pfund zu. Die Firmen müssten allerlei Zollpapiere ausfüllen und viel Zeit für administrative Dinge aufwenden, warnt die für Zoll und Steuern zuständige Regierungsbehörde. Unternehmen in Grossbritannien und der EU stehe «ein erheblicher neuer und anhaltender Verwaltungsaufwand» bevor, heisst es in dem Papier.

Den Berechnungen zufolge müssen grosse Unternehmen sich darauf einstellen, dass sie eine Lieferung im Durchschnitt zusätzlich 28 Pfund kosten wird. Um die dafür nötigen Zollformalitäten zu erledigen, benötige ein Mitarbeiter durchschnittlich eine Stunde und 45 Minuten. Ein Zeitaufwand, der bislang nicht nötig ist. Würde man diese Arbeit auslagern, kämen auf das Unternehmen Kosten von 56 Pfund pro Lieferung zu. Wie hoch die tatsächliche Mehrbelastung ausfällt, hänge davon ab, wie oft eine Firma Güter, Waren oder Dienstleistungen ein- und ausführt.

Staatsverschuldung dank Brexit

Es ist das erste Mal, dass die britische Zollbehörde eine solch detaillierte Kostenschätzung veröffentlicht. Die Regierung sei jedenfalls bereit, Unternehmen im Fall eines No-Deal-Brexit finanziell zu unterstützen, heisst es in London. Doch mehr als diese vage Zusage gibt es bislang nicht. Einer Untersuchung des Institute for Fiscal Studies (IFS) zufolge werden die öffentlichen Ausgaben im Fall eines No-Deal-Brexit wohl massiv ansteigen.

Denn um die negativen Auswirkungen zu begrenzen, dürfte Johnson nicht umhinkommen, die Staatsverschuldung in die Höhe zu treiben. Die Regierung wird wohl auch Steuerentlastungen für Unternehmen ankündigen. Laut der Studie, über die zuerst der britische Guardian berichtete, könnte die britische Staatsschuld bei einem No-Deal-Szenario wieder so hoch ansteigen wie zuletzt in den 1960er Jahren.

Erstellt: 08.10.2019, 18:04 Uhr

Artikel zum Thema

London hält Brexit-Deal für «offenbar unmöglich»

EU-Ratspräsident Donald Tusk hat Boris Johnson mit Vorwürfen eingedeckt. Die britische Regierung soll nicht mehr an einen Erfolg der Verhandlungen glauben. Mehr...

Schweiz will Briten in eigenes Wirtschaft-Bündnis holen

Zwischen Bern und London fanden Gespräche über einen Beitritt Grossbritanniens in die Efta statt. Mehr...

Aus Angst vor dem Brexit horten die Briten Gold aus der Schweiz

Die Exporte nach Grossbritannien haben stark zugenommen. Sie sind so hoch wie seit sieben Jahren nicht mehr. Mehr...

Paid Post

Wollen Sie einen echten Cyborg treffen?

Ihnen gehen Technik und Innovation unter die Haut? Gewinnen Sie 2x2 VIP-Tickets für die Volvo Art Session.

Kommentare

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Herbstlich gefärbte Weinberge: Winzer arbeiten in Weinstadt, im deutschen Baden-Württemberg. (17. Oktober 2019)
(Bild: Christoph Schmidt/DPA) Mehr...