So überholt China alle

In «Der Masterplan» beschreibt der Korrespondent Stephan Scheuer, wo die Billigfabrik heute schon vorne liegt.

Suchmaschinenbetreiber findet Autohersteller: Robin Li geht mit Baidu eine Partnerschaft mit Volvo ein, um die Entwicklung autonomer Fahrzeuge zu beschleunigen.

Suchmaschinenbetreiber findet Autohersteller: Robin Li geht mit Baidu eine Partnerschaft mit Volvo ein, um die Entwicklung autonomer Fahrzeuge zu beschleunigen. Bild: Mark Schiefelbein/Keystone

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Der Handelskrieg zwischen Washington und Peking ist in vollem Gange. Es geht um die Stellung als Weltmacht Nummer eins. Um zu begreifen, wie die Billigfabrik China, die kopierte, was sie nur kopieren konnte, gerade eben das Original zu überholen droht, lohnt sich die Lektüre von Stephan Scheuers Buch «Der Masterplan».

Der studierte Sinologe und Journalist arbeitete fünf Jahre lang als China-Korrespondent deutscher Medien. Er zeigt, wo China heute schon vorne liegt. Etwa bei der Digitalisierung. Wenn es darum geht, einen Arzttermin zu fixieren, die Pfirsiche beim Bauern zu bezahlen oder den Kurztrip ins Ausland zu organisieren: All das wickelt der chinesische Konsument heute über sein Handy ab. In Europa ist man von solch einem universellen mobilen Zahlungssystem noch sehr weit entfernt.

Nicht nur bei der Smartphone-Nutzung ist China anderen Staaten voraus. «Nahezu täglich gründen Unternehmer neue Firmen, ständig auf der Suche nach der revolutionären Idee», schreibt Scheuer. Im bevölkerungsreichsten Land der Welt herrsche ein ständiger Konkurrenzkampf, die Menschen kämpften um den schnellsten Aufstieg. «Er zwingt Firmengründer dazu, entschlossener und mit mehr Mut ihre Ideen voranzutreiben», so der Autor. Firmen, die dieses Rennen gewinnen, könnten auf einen riesigen Binnenmarkt zugreifen.

Abgeschottet gegen die internationale Konkurrenz

Baidu, Alibaba und Tencent sind die treibenden Kräfte der technologischen Innovation in der Volksrepublik. Dazu kommen neue Start-ups wie der Hardwarehersteller Xiaomi, die Elektroautomarke Byton oder der Drohnenproduzent DJI.

Und dann ist da die kommunistische Regierung, die ihre Wirtschaftspläne auf Jahrzehnte hinaus anlegt, das Land zur Wirtschaftsmacht Nummer eins machen will und dazu ihren Firmen die beste aller Starthilfen bietet: Der chinesische Markt wird gegen die internationale Konkurrenz von Google und Co. abgeschottet. Im Gegenzug sichert sich die Regierung die von den Hightechfirmen gesammelten Daten, um ihre 1,4 Milliarden Bürger zwecks Machterhalts effizienter zu steuern und möglichst lückenlos zu überwachen.

Und wie soll der Westen darauf antworten? US-Präsident Donald Trump hat den Fehdehandschuh aufgenommen. Und Europa? Scheuer widmet dieser Frage sein Schlusswort. Sein ernüchterndes Fazit lautet: Dem Alten Kontinent «fehlen die Antworten».

Erstellt: 19.11.2018, 10:18 Uhr

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Buch

Stephan Scheuer: Der Masterplan – Chinas Weg zur Hightech-Weltherrschaft. Herder, Freiburg im Breisgau 2018. 224 S., 35.90 Fr.

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