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Soaps und indische Hipster füllen Schweizer Hotels

Die Zahl der Logiernächte liegt fast wieder so hoch wie vor der Finanzkrise – Indern und Koreanern sei Dank.

Nutzt den Hashtag #InLoveWithSwitzerland: Markenbotschafter Ranveer Singh. Foto: PD
Nutzt den Hashtag #InLoveWithSwitzerland: Markenbotschafter Ranveer Singh. Foto: PD

Suizidversuche, unschuldig im Gefängnis, ein Ehemann mit Amnesie – Dr. Ishi­­ta Iyer muss in ihrem Leben so einige Hürden meistern. Und Millionen Inder schauen dabei zu. Die smarte Zahnärztin und ihr Mann Raman sind die zwei Hauptfiguren der Serie «Ye Hai Mohabbatein» – Hindi für «Das ist Liebe». Auch rund fünf Jahre nach der Erstausstrahlung ist die Seifenoper eine der erfolgreichsten Produktionen im indischen Fernsehen. Und davon profitiert vielleicht bald auch die Schweiz.

Vor zwei Wochen reiste der neue Direktor von Schweiz Tourismus nach Indien und führte dort auch Gespräche mit den Produzenten der populären TV-Serie. Diese seien vielversprechend verlaufen, sagt Martin Nydegger, seit Anfang Jahr im Amt. «Wir hoffen, dass schon bald mehrere Folgen der Serie in der Schweiz gedreht werden.»

Stars weibeln auf Social Media

Indien ist schon jetzt ein wichtiger Markt für den Tourismus in der Schweiz. Rund 740'000 Nächte verbrachten Inder 2017 hier und sind damit die achtgrösste Besuchergruppe. Die Film- und TV-Branche ist dafür mitverantwortlich. Die dramatischsten Liebesszenen der Bollywoodgeschichte spielten vor einem Alpenpanorama. Auch wenn Dreharbeiten in anderen Ländern wie Österreich oder Italien inzwischen günstiger sind – die Schweiz ist für die meisten Inder noch immer das Paradies.

Damit das auch in Zukunft so bleibt, passt Schweiz Tourismus die Marketingmassnahmen an. Das Werben um TV- statt um Kinopräsenz ist eine davon. Jedes Produkt habe einen Lebenszyklus. «Wir haben fast 20 Jahre Bollywood­industrie durchlaufen», so Nydegger. Aber auch in Indien gebe es einen Wandel von klassischen Kinofilmen zu TV-Serien, wie er auch in vielen anderen Ländern zu beobachten ist. Zusätzlich soll Social Media helfen, junge Inder für die Schweiz zu begeistern. Als Werbebotschafter agiert Ranveer Singh. Mit 32 Jahren ist er noch ziemlich jung für die Film- und TV-Industrie, viele der indischen Superstars sind um die 50. Zudem kleidet sich Singh wie ein typischer Hipster und kaum im Traditionsdress. «Singh steht für die neue Generation», so Nydegger. «Er bricht Konventionen und spricht so viele junge Inder an.»

Auf seinen Social-Media-Kanälen zeigt sich der Star fleissig auf dem Vierwaldstättersee und in den Alpen und nutzt immer brav den Hashtag #InLoveWithSwitzerland. Offenbar mit Erfolg: Von 2016 bis 2017 nahm die Zahl der Logiernächte von Indern in der Schweiz um 23,4 Prozent zu. Die Ankünfte stiegen um 23 Prozent. Wichtig ist das auch, weil Inder in der Schweiz viel Geld liegen lassen – sie geben pro Tag 230 Franken aus. Einheimische Gäste liegen bei 160 Franken, der Durchschnitt aller Gäste beträgt 169 Franken pro Tag.

In Korea setzte Schweiz Tourismus auf eine ähnliche Strategie. Stars werden zu «Swiss Friends» und stellen ihren Landsleuten die Eidgenossenschaft vor. Letztes Jahr agierte die K-Pop-Band Super Junior als Markenbotschafter. In diesem Jahr wird es der TV-Star Noh Hong-chul sein. Überenthusiastisch springt er in Youtube-Werbevideos durch den Schnee und kann nicht aufhören zu jauchzen. «In Korea funktioniert es so, dass die Fans den Stars alles nachmachen – also tatsächlich nachreisen, was der Star vorreist», sagt Schweiz-Vermarkter Nydegger.

Strategie ging auf

Und auch in diesem Markt ging die Strategie auf. Mit 34,7 Prozent verzeichneten die Logiernächte der Koreaner sogar ein noch deutlich stärkeres Plus als die der indischen Gäste. Neben dem Marketing ist es auch die Wirtschaft in Südkorea, die zum Wachstum beiträgt. Das Bruttoinlandprodukt pro Kopf hat sich in dem Land seit 1990 verdreifacht. Es liegt inzwischen vor Italien, Spanien oder Neuseeland.

Damit trugen beide Länder wesentlich zum «Turnaround» des Schweizer Tourismus bei, wie Nydegger das Jahr 2017 zusammenfasst. Doch auch aus Europa und den USA kamen wieder mehr Gäste – weil die sogenannten drei Ws für einmal wieder alle stimmten: das Wetter, die Währung und das ­Wirtschaftsumfeld. Die Hotellerie verzeichnete 37,4 Millionen Logiernächte, 5,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Nach acht Jahren nähert man sich wieder den Werten von vor der Finanzkrise an. Doch ausruhen könne man sich nicht, so Nydegger. «Der Tourismus ist eine fragile Branche. Damit es gut kommt, müssen alle Faktoren stimmen, aber es reicht einer, damit es wieder schlechter läuft.» 2017 sei ein Ausnahmejahr gewesen. Vor ihm und seinem Team liegt also eine aufregende Zeit – wenngleich nicht ganz so aufregend wie das, was die indische Zahnärztin Ishita Iyer in «Das ist Liebe» in der Schweiz erleben dürfte.

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