Mit einem Inlandflug-Verbot den Klimawandel bekämpfen

Der Mobilitätsforscher Andreas Knie prescht mit radikalen Forderungen vor.

Fliegen ist die klimaschädlichste Art, sich fortzubewegen: Flugzeuge der Swiss warten im Flughafen in Kloten. (29. November 2017)

Fliegen ist die klimaschädlichste Art, sich fortzubewegen: Flugzeuge der Swiss warten im Flughafen in Kloten. (29. November 2017) Bild: Christian Merz/Keystone

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Für Donald Trump ist der Klimawandel lediglich eine Erfindung aus China; sie soll die US-Industrie konkurrenzunfähig machen, twitterte der US-Präsident schon vor einiger Zeit. Als Folge dessen haben die USA das Pariser Abkommen zum globalen Klimaschutz vor rund einem Jahr verlassen.

Eine diametral entgegengesetzte Position vertritt der deutsche Mobilitätsforscher Andreas Knie. Der Experte vom Wissenschaftszentrum Berlin ist wegen der fortschreitenden Erderwärmung besorgt und fordert deshalb ein Verbot von Flügen innerhalb Deutschlands. 2016 waren rund elf Prozent der insgesamt 3,1 Millionen registrierten Flüge innerdeutsche, wie die Deutsche Flugsicherung registrierte.

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Zudem empfiehlt Knie, wegen der fatalen Wirkung von Flugzeugabgasen auf das Klima die Zahl der Flüge pro Person zu deckeln. Auch die tiefen Preise sind ihm ein Dorn im Auge, weshalb der 57-jährige Sozialwissenschaftler eine Erhöhung der Flugpreise verlangt. «Der Preis muss die ökologischen Kosten enthalten. Das ist das Mindeste», sagte er im Interview mit der Zeitung «Die Zeit».


Der Mobilitätsforscher Andreas Knie verlangt ein Verbot von Inlandflügen. Bild: Wikimedia/Chrischerf

Auch Flughäfen und Airlines sind gefordert

Unabhängig von Umweltfragen erwartet Knie, dass auf vielen Flughäfen Verspätungen drastisch zunehmen werden. «Während viele Regionalflughäfen brachliegen, geraten die grossen Flughäfen an die Kapazitätsgrenze», sagte der Wissenschaftler der «Zeit». Helfen würde dabei, «wenn die Flughäfen mehr Bodenpersonal hätten und die Airlines ihre Leute gut bezahlen würden».

In Deutschland sind aktuell 39 Flughäfen zugelassen. Allein in Frankfurt am Main, dem grössten Flughafen Deutschlands, wurden 2017 rund 475’000 Flugbewegungen und 64,5 Millionen Passagiere gezählt. Das sind fast so viele Bewegungen wie an allen schweizerischen Flughäfen zusammen. Laut dem Bundesamt für Statistik (BFS) registrierten die Schweizer Flughäfen im letzten Jahr im Linien- und Charterverkehr 500’000 Start- und Landebewegungen sowie rund 55 Millionen Passagiere.

Schweiz: Weniger Flugbewegungen, mehr Passagiere

Die Anzahl Flugbewegungen ist seit dem Jahr 2000 um 13 Prozent zurückgegangen, die Passagierzahlen haben dagegen um 60 Prozent zugenommen. Der Grund für diese gegenläufigen Entwicklungen sind gemäss dem BFS grössere Flugzeuge und höhere Sitzplatzauslastungen.

In der Schweiz geht es somit um andere Dimensionen als im Nachbarland. Und dennoch: In einer Studie aus dem Jahr 2012 wurde gezeigt, dass die Schweizer ungefähr doppelt so viel fliegen wie die Leute in den benachbarten Ländern Deutschland, Österreich, Frankreich und Italien. Nur die Norweger zieht es noch öfter in die Höhe.

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Kommt die Kerosinsteuer auf Flugtickets?

Inlandflüge bringen in der Schweiz kaum einen Geschwindigkeitsvorteil. Und fast nirgends in Europa liegen so viele Metropolen so nahe. Doch die Bedrohung durch den Klimawandel bereitet auch dem ETH-Wissenschaftler Florian Egli Sorge. Ihn stört es, dass bei einem in der Schweiz gelösten Ticket für einen internationalen Flug weder Kerosin- noch Mehrwertsteuer bezahlt werden, wie er in einem Interview mit «swissinfo.ch» monierte. Er fordert die Besteuerung der Fliegerei in der Schweiz.

Er könne nicht verstehen, weshalb Fluggesellschaften keine Mineralölsteuer bezahlten. «Beim Autobenzin beträgt diese über die Hälfte des Preises. Beim Heizöl gibt es eine CO2-Abgabe. Da könnte die Schweiz durchaus in eigener Regie etwas ändern. Angesichts steigender Emissionen ist es absolut schockierend, dass das Fliegen nicht besteuert wird», so Egli.

Brief an Leuthard

Dass die Schweiz Flugticketabgaben und eine Kerosinsteuer erheben und klimafreundliche Transportmittel wie Nachtzüge fördern soll, hatte Anfang April auch eine breite Umweltallianz in einem offenen Brief verlangt.

Adressiert war der Brief an Verkehrsministerin Doris Leuthard, verfasst wurde er von der Koalition Luftverkehr, Umwelt und Gesundheit (Klug) und vom Verein Umverkehr. Mitunterzeichnet wurde das Schreiben von zahlreichen Umwelt- und Verkehrsorganisationen sowie der SP, der Juso und der Grünen Partei. (nag)

Erstellt: 09.08.2018, 19:17 Uhr

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