St. Moritz trennt sich abrupt vom Tourismuschef

Eklat im Nobelkurort: Zwischen dem CEO Gerhard Walter und dem Verwaltungsrat kam es zum Bruch. Führungsdefizite sollen schuld sein.

Sorge um den guten Ruf: St. Moritz im Oberengadin.

Sorge um den guten Ruf: St. Moritz im Oberengadin. Bild: Martin Rütschi/Keystone

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Noch Mitte Juli sprach Gerhard Walter von seinen Langfristzielen: «Ich möchte St. Moritz wieder seine internationale Strahlkraft als extravaganten Hotspot geben», sagte er der SonntagsZeitung.

Das wird nun ein anderer oder eine andere an seiner Stelle tun. Der Chef der Engadin St. Moritz Tourismus AG hat an einer Sitzung mit dem Verwaltungsrat am Donnerstag den sofortigen Rücktritt eingereicht. Als Erklärung für die abrupte Trennung nannte der Verwaltungsrat «unterschiedliche Auffassungen über die künftige Unternehmensführung».

Die Art der Trennung wirft Fragen auf. Das Arbeitsverhältnis wird per sofort aufgelöst. Das heisst, Walter ist auch während der lediglich dreimonatigen Kündigungsfrist nicht mehr bezahlt; er geht fristlos. Der unübliche Vorgang deutet darauf hin, dass es zwischen dem Verwaltungsrat und Walter gröbere Unstimmigkeiten gab.

Unglücklich ist auch der Zeitpunkt. Die Sommersaison ist noch in Gang, und erst vor zwei Wochen hatte die Tourismusorganisation eine Neuorganisation der Geschäftsleitung bekannt gegeben. Geschäftsleiter Gerhard Walter tönte in der Meldung noch frohgemut. Dazwischen muss es zu einem Eklat gekommen sein. «Ja, etwas ist passiert, aber wir haben Stillschweigen vereinbart», sagt Verwaltungsratspräsident Marcus Gschwend.

Laut übereinstimmenden Aussagen kündigte Walter am Ende selbst – zu offensichtlich unvorteilhaften Bedingungen. «Wenn man mehr als nur einmal unterschiedlicher Meinung über Projekte und Themen ist, zeigt das, dass das gemeinsame Verständnis und Vertrauen nicht mehr gegeben ist», sagt er. Es sei unter anderem auch um Budgetfragen gegangen. Der Österreicher trat seinen Job erst im Mai 2017 an. Im Nachbarland hatte er zwei der prominentesten Tourismusorte geführt und sich damit für die Schweiz empfohlen: Lech Zürs und Kitzbühel.

«Seine Schwächen sind jetzt vermehrt zum Tragen gekommen»

In St. Moritz, das in den Jahren zuvor unter einem Schwund der Hotelübernachtungen gelitten hatte, musste er zusammen mit dem Verwaltungsrat eine neue Strategie aufgleisen. Man beschloss, die Glamour-Marke St. Moritz und die umliegenden Engadiner Orte wie Pontresina oder Silvaplana fortan wieder getrennt zu vermarkten. Die Trendwende bei den Logiernächten ist zwar gelungen. Doch die Umsetzung der Strategie steht erst an – und da ist Walter offenbar nicht mehr der Richtige.

«Herr Walter hat, wie jeder Mensch, seine Stärken und Schwächen», sagt Präsident Marcus Gschwend. «Letztere sind vermehrt zum Tragen gekommen.» Walter hat offenbar das Tagesgeschäft zu wenig geführt und in seiner eigenen, zuweilen abgehoben wirkenden Welt gelebt. Er hatte Mühe, die Dinge zu Boden zu bringen. Ob ihm dadurch die Zügel entglitten sind? Laut einer Quelle hat ein Headhunter noch vor der Trennung mögliche Nachfolger kontaktiert. Gschwend dementiert aber entschieden, einen Suchauftrag gegeben zu haben.

Im Promi-Ort sorgt man sich jedenfalls um den guten Ruf. Erst gerade gab es Schlagzeilen wegen einer Autoraserei auf dem gefrorenen St. Moritzersee. Nun geht der Tourismuschef. «St. Moritz ist leider vor allem mit sich selber beschäftigt», ärgert sich Gemeindepräsident Christian Jott Jenny. «Das ist schlecht. Unsere Geschäftspartner und Gäste erwarten anderes.»

(v.l.n.r.) Gerhard Walter musste gehen, Marcus Gschwend bestätigt einen Eklat, Christian Jott Jenny möchte wieder Ruhe im Dorf.

Erstellt: 15.09.2019, 12:45 Uhr

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