Stadler punktet bei den Aktionären

Stadler Rail meldet Millionenaufträge. Neu sind die Bestellungen aber nicht.

Der Flirt ist der Exportschlager von Stadler: In 18 Ländern wird er künftig im Einsatz stehen. Foto: Keystone

Der Flirt ist der Exportschlager von Stadler: In 18 Ländern wird er künftig im Einsatz stehen. Foto: Keystone

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Ein weiterer Grossauftrag für Stadler Rail: Nun soll der Börsenneuling Züge im Wert von 80 Millionen Franken nach Kanada liefern. Vor Ostern vermeldete der Produzent von Schienenfahrzeugen eine noch grössere Bestellung aus Finnland: 60 Loks für 200 Millionen Franken. Die Aussicht auf volle Auftragsbücher erhöhte den Wert der Aktien. Doch beide Order sind eigentlich schon länger bekannt.

Wenn Firmen an die Börse gehen, ist es wichtig, das Interesse von potenziellen Investoren zu wecken. Das passiert vielfach mit einer Wachstumsstory – so auch bei Stadler. Exakt am Tag, an dem die Firma ihren Börsengang verkündete, wurde ein Rekordauftrag vermeldet.

Neuer Höchststand

Seit dem 12. April werden die Stadler-Papiere gehandelt – sie starteten fulminant. Für Verwaltungsratspräsident Peter Spuhler hiess es Zahltag: Er hat einen Milliarden-Gewinn eingestrichen. Die Aktien zeigten sich nach einem anfänglichen Kurssprung stabil. Sie lagen nie unter dem Wert von 41.20 – vier Franken über dem Ausgabepreis. Gestern legten die Papiere zu und erreichten einen neuen Höchststand von über 43.70 Franken.

Dabei half sicherlich die gestrige Meldung von Stadler zum Kanada-Auftrag. Doch bereits im vergangenen Mai informierte die Stadt Ottawa, dass sie Flirt-Kompositionen bei Stadler bestellt hat. Letzten Donnerstag schrieb Stadler in einer Mitteilung, dass 60 Loks für ein finnisches Bahnunternehmen gebaut werden. Die Börse reagierte positiv auf die Meldung, der Aktienwert stieg um 1,8 Prozent. Auch diese Bestellung kommunizierten die Auftraggeber aus dem Norden schon länger. Die finnische Staatsbahn meldete im März, man habe sich für Stadler entschieden.

Stadler-Sprecherin Marina Winder sagt dazu: «Wir versuchen immer erst dann zu kommunizieren, wenn die Verträge wirklich unterschrieben worden sind.» Das sei bei den beiden Aufträgen – in Kanada und in Finnland – der Fall gewesen. Nach der Auftragsvergabe könne manchmal noch einige Zeit verstreichen, bis die fixfertigen Verträge unterzeichnet seien.

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Die sieben für Kanada vorgesehenen Züge vom Typ Flirt werden im ostschweizerischen Bussnang gebaut. Dort habe die Firma viel Erfahrung im Bau von Fahrzeugen für Länder mit sehr hohen Anforderungen an die Wintertauglichkeit, wie Stadler in einer Mitteilung schreibt.

Der Flirt ist der Stadler-Export-Schlager: In 18 Ländern werden sie künftig im Einsatz stehen.Meldungen von Aufträgen sind derzeit wohl der wichtigste Treiber für die Stadler-Aktie, denn Analystenberichte zum Unternehmen gibt es für die Anleger noch keine. Wann die Einschätzungen der Bankanalysten veröffentlicht werden, ist derzeit noch unklar. Banken wie UBS, CS, aber auch die Zürcher Kantonalbank waren am Börsengang beteiligt. Entsprechend müssen sie warten, bis sie sich äussern.

Rückschläge sind möglich

Beobachter wie die liechtensteinische VP Bank sind weiterhin zurückhaltend, was die Stadler-Aktien angeht. Man habe Bedenken wegen der hohen Bewertungen, heisst es bei der Bank. Stadler sei aber ein solides Unternehmen mit hoher Visibilität und starkem Management.

Die «SonntagsZeitung» riet in ihrer Börsenkolumne zur Vorsicht. Die Empfehlung an Investoren: Abwarten, bis ein Kurseinbruch erfolgt. Der Geschäftserfolg hänge stark von Grossaufträgen ab, was zwischenzeitliche Rückschläge wahrscheinlich mache, schreibt die Zeitung weiter.

Es ist zudem nicht zu erwarten, dass Stadler weiter im jetzigen Tempo neue Aufträge vermeldet.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 23.04.2019, 21:46 Uhr

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