Hypothekenmarkt: SNB-Präsident warnt vor Postfinance-Eintritt

Die Nationalbank sorgt sich um Risiken für die Finanzstabilität. Und sie hält sie an ihrem geldpolitischen Kurs fest.

«Ein Eintritt einer grossen Bank in diesen Markt muss vorsichtig erfolgen»: SNB-Präsident Thomas Jordan. (Archivbild) Bild: Ennio Leanza/Keystone

«Ein Eintritt einer grossen Bank in diesen Markt muss vorsichtig erfolgen»: SNB-Präsident Thomas Jordan. (Archivbild) Bild: Ennio Leanza/Keystone

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Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat für den Fall eines Eintritts von Postfinance in den Schweizer Hypothekenmarkt zur Vorsicht gemahnt. Die Versorgung mit Hypothekarkrediten sei ausreichend, sagte SNB-Präsident Thomas Jordan am Donnerstag in einem Interview mit dem Schweizer Fernsehen. Gleichzeitig seien die Immobilienpreise hoch. «Das heisst, ein Eintritt einer sehr grossen Bank in diesen Markt muss sehr vorsichtig erfolgen, damit die Risiken für die Finanzstabilität nicht unnötig erhöht werden», erklärte Jordan.

Der Bundesrat hatte Anfang September vorgeschlagen, dem mit rückläufigen Ergebnissen kämpfenden Staatsinstitut den Eintritt in den Kredit- und Hypothekarmarkt zu erlauben. Viele Politiker haben Vorbehalte angemeldet. Doch auch wenn das Parlament zustimmt, dürfte es mindestens zwei Jahre dauern, bis der grösste Zahlungsverkehrsanbieter des Landes sein Geschäftsfeld ausweiten kann.

Starker Franken: Zins bleibt bei -0,75 Prozent

Wie die SNB ebenfalls am Freitag bekannt gab, verlangt sie von Banken unverändert 0,75 Prozent Negativzinsen für Sichteinlagen über einem bestimmten Freibetrag. Das heisst: Schweizer Sparer müssen sich auch weiterhin auf tiefe Zinsen einstellen.

Das Zielband für den Dreimonats-Libor belassen die Währungshüter zwischen -1,25 und -0,25 Prozent, wie die SNB am Donnerstag mitteilte. Zudem will die Nationalbank weiterhin bei Bedarf im Devisenmarkt eingreifen.

Die SNB korrigiert darüber hinaus ihre Inflationsprognose leicht nach unten. Für das laufende Jahr erwartet sie unverändert eine Teuerung von 0,9 Prozent. Für 2019 erwartet sie eine Inflation 0,8 Prozent, im letzten Quartal ging sie noch von 0,9 Prozent aus. Und die Teuerungsprognose für 2020 wurde auf 1,2 von 1,6 Prozent gesenkt.

Ausserdem hebt die SNB ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr an, auf « 2,5 bis 3,0 Prozent» von «rund 2 Prozent». Sie befindet sich damit in guter Gesellschaft: Zuvor hatten schon diverse Prognostiker wegen des starken Wachstums der Schweizer Wirtschaft im ersten Halbjahr ihre Vorhersagen angehoben.

Franken noch immer hoch bewertet

Als Grund für die Beibehaltung des geldpolitischen Kurses nennt die SNB im Communiqué vom Donnerstag den hoch bewerteten Schweizer Franken. Dieser habe seit der letzten Lagebeurteilung im Juni spürbar aufgewertet, und die Lage am Devisenmarkt sei insgesamt fragil. Die aktuelle Geldpolitik sei daher unverändert notwendig.

Wie üblich äussert sich die SNB auch zum Hypothekar- und Immobilienmarkt. Dort blieben die Ungleichgewichte bestehen. Besonders im Segment der Wohnrenditeliegenschaften ortet die Nationalbank aufgrund der starken Preiszunahme in den vergangenen Jahren die Gefahr einer Preiskorrektur.

Kaum Bewegung des Wechselkurses nach Zinsentscheid

Experten hatten erwartet, dass die SNB an ihrem geldpolitischen Kurs festhält. Der Grund dafür ist bei der Europäischen Zentralbank (EZB) zu suchen. Diese strafft ihre Geldpolitik trotz anziehender Konjunktur nur in Trippelschritten. Erste Zinserhöhungen erwarten die meisten Experten von der EZB nach dem Sommer 2019.

Da der Franken jedoch als sicherer Hafen gilt, sind Franken-Anlagen für Investoren attraktiv. Die SNB muss daher sicherstellen, dass Euro-Anlagen mehr Zins abwerfen, will sie eine Aufwertung des Frankens gegenüber dem Euro vermeiden. Deswegen wird sie die Zinsen wohl nicht vor der EZB erhöhen.

Nach dem Zinsentscheid vom Donnerstag wertete der Wechselkurs des Frankens zu Euro und Dollar nur geringfügig ab.

(oli/sda)

Erstellt: 20.09.2018, 10:37 Uhr

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