Startschuss für den grössten Börsengang der Welt

Grünes Licht für den IPO des Ölförderers Saudi Aramco: Die nationale Aufsichtsbehörde hat den Antrag des Staatskonzerns für eine Notierung am Aktienmarkt genehmigt.

Sie vertreten das Herzstück der saudischen Wirtschaft: Aramcos CEO Armin Nasser (l.) und Chairman Yaris al-Rumayyan anlässlich einer Medienkonferenz in Dharan.

Sie vertreten das Herzstück der saudischen Wirtschaft: Aramcos CEO Armin Nasser (l.) und Chairman Yaris al-Rumayyan anlässlich einer Medienkonferenz in Dharan. Bild: Keystone

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Saudiarabien peilt mit dem weltweit führenden Ölkonzern Aramco den grössten Börsengang aller Zeiten an. Nach mehrfacher Verzögerung erhielt der Staatskonzern am Sonntag die Genehmigung für den seit etwa drei Jahren angestrebten Gang aufs Parkett.

Mit der Zustimmung durch die Finanzmarktbehörde CMA des Königreichs kann ein Teil der Aramco-Aktien künftig an der saudiarabischen Wertpapierbörse Tadawul gehandelt werden. Ein konkreter Zeitplan für den Börsengang wurde noch nicht genannt, und auch das Emissionsvolumen ist bisher offen. Experten vermuten, dass der Handel mit den Papieren im Dezember lanciert werden soll.

Mit den erhofften Milliarden-Einnahmen will Saudiarabien den Umbau seiner Wirtschaft forcieren und unabhängiger vom Öl- und Gasgeschäft werden. Erwartet wird einer der grössten Börsengänge aller Zeiten.

Saudi Aramco ist die weltgrösste Erdölfördergesellschaft und gilt als einer der profitabelsten Konzerne überhaupt. Die Pläne für einen Gang an die Börse wurden in den vergangenen Jahren mehrfach gestoppt beziehungsweise verschoben.

Hoffnung auf mehr als zwei Billionen

Die Schätzungen über den Umfang des Börsengangs gehen weit auseinander – aber Aramco könnte eines der wertvollsten Börsenunternehmen der Welt werden. Kronprinz Muhammad bin Salman, der faktische Herrscher des Königreichs, hatte auf eine Bewertung des Unternehmens von mehr als zwei Billion Dollar gehofft. Analysten gehen dagegen von höchstens 1,5 Billion Dollar aus.

Das wäre aber immer noch deutlich mehr als der Wert von US-Hightech-Riesen. Microsoft etwa hatte vor Monaten mit einem Börsenwert über der magischen Marke von einer Billion Dollar Apple und Amazon als wertvollste Aktiengesellschaften überholt. Der Börsenkurs von Apple hatte im vergangenen Jahr ebenfalls die magische Grenze vorübergehend überschritten, danach war dies kurzzeitig auch dem weltgrössten Onlinehändler Amazon gelungen.

Auf Rekordkurs

Schon ein Verkauf von einem Prozent der Aktien bei niedriger Bewertung könnte Aramco 15 Milliarden Dollar einbringen, ein Verkauf von zwei Prozent bei einer höheren Bewertung dagegen bereits 40 Milliarden. Damit würde Aramco den Rekord für den grössten Börsengang brechen, den seit 2014 die chinesische Handelsplattform Alibaba mit Einnahmen von 25 Milliarden Dollar hält.


Herr über Ölmilliarden Yassir bin Othman al-Rumayyan, der Vertraute des saudischen Kronprinzen, soll den staatlichen Ölkonzern an die Börse bringen.


Ein Zeitplan für die weiteren Schritte des Börsengangs wurde am Sonntag nicht genannt. Zuletzt hatte der von Saudiarabien finanzierte Nachrichtenkanal al-Arabiya unter Berufung auf Insider berichtet, dass der erste Handelstag an der Tadawul-Börse der 11. Dezember sein solle. Dem Sender zufolge soll der Börsenprospekt am 10. November veröffentlicht werden.

Der Börsengang des Ölgiganten ist zentraler Teil von Bin Salmans grossangelegtem Umbau der saudischen Wirtschaft. Der «Vision 2030» genannte Plan verfolgt das Ziel, das islamisch-erzkonservative Land unabhängiger vom Öl zu machen. Ursprünglich sollte der Börsengang schon 2017 erfolgen, war aber immer wieder verschoben worden. Die Einnahmen sollen in neue Wirtschaftszweige investiert werden.

111,1 Milliarden Dollar Gewinn

Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Aramco einen Gewinn von 111,1 Milliarden Dollar. Die grossen Ölkonzerne – Chevron und ExxonMobil aus den USA, BP aus Grossbritannien, das britisch-niederländische Unternehmen Royal Dutch Shell und Total aus Frankreich kamen 2018 zusammen auf einen Gewinn von rund 80 Milliarden Dollar.

Selbst Apple, das jahrelang als das profitabelste Unternehmen der Welt galt, verdiente mit knapp 60 Milliarden Dollar deutlich weniger. Im ersten Halbjahr 2019 lag der Aramco-Nettogewinn bei 46,9 Milliarden Dollar, was etwa zwölf Prozent weniger war innerhalb eines Jahres – unter anderem wegen gesunkener Ölpreise. Dennoch gilt Saudi Aramco weiterhin als das profitabelste Unternehmen der Welt.

Drohnenangriffe

Die Ölindustrie Saudiarabiens war im September von mehreren Drohnenangriffen schwer getroffen worden. Unter anderem war dabei die grösste Ölraffinerie des Landes in Abkaik getroffen und die Produktionsmenge auf etwa die Hälfte des üblichen Volumens gesenkt worden.

Nach Opec-Angaben brach die Produktion von rund 9,8 Millionen Barrel (159 Liter) um etwa 5,7 Millionen Barrel pro Tag ein. Die Ölpreise stiegen daraufhin so sprunghaft wie seit Jahrzehnten nicht.

Das Ölangebot erreichte nach Angaben aus Riad bald aber wieder das Niveau von vor den Angriffen, die Pläne für den Börsengang waren Aramco zufolge nicht beeinträchtigt. Zu den Angriffen hatten sich die schiitischen Huthi-Rebellen aus dem benachbarten Jemen bekannt. US-Aussenminister Mike Pompeo machte den Iran direkt für die Attacken verantwortlich. (nag/sda)

Erstellt: 03.11.2019, 20:33 Uhr

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