Swatch lässt «Swiss made» in Thailand drucken

Bangkok statt Biel: Ein Teil der Zifferblätter von Swatch-Group-Uhren werden im Ausland angefertigt – «Swiss made»-Schriftzug inklusive.

Swatzch-Konzernchef Nick Hayek. (Archiv)

Swatzch-Konzernchef Nick Hayek. (Archiv) Bild: Anthony Anex/Keystone

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Für «Swiss made» greifen Kunden gern etwas tiefer in die Tasche: bei Schokolade, bei Kosmetika, beim Käse. Besonders hoch ist die Swissness-Prämie im Uhrensektor. Worüber man in der Branche aber lieber nicht offen spricht: Nicht alle Bestandteile einer «Swiss made»-Uhr stammen zwingend aus der Schweiz.

Wie 20 Minuten am Dienstag berichtet, werden derzeit Zifferblätter für gewisse Uhren des Konzerns in Bangkok hergestellt. Die Information stammt laut Zeitung aus Mitarbeiterkreisen der Bieler Swatch Group.

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Eine Marke des mittleren Preissegments

Auf Anfrage heisst es bei der Swatch Group: «Weil die Kapazitäten nicht genügen, arbeiten vereinzelte Marken des mittleren Segments mit externen Lieferanten, dies allerdings in sehr beschränktem Umfang.» Einer dieser Lieferanten produziere für eine Marke der Gruppe in Thailand. Welche Marke betroffen ist, behält Swatch für sich. Die Firma betont, es handle sich um einen «marginalen Teil der Zifferblätter» dieser Marke. Zum Swatch-Imperium zählen über 15 Uhren- und Schmuck-Brands. Zum mittleren Preissegment gehören etwa Tissot, Hamilton und Certina.

Die Swatch Group besitzt in der Schweiz drei Zifferblattfabriken: in La Chaux-de-Fonds, in Grenchen und in Les Geneveys-sur-Coffrane im Neuenburger Jura. Der Uhrenkonzern hat seine Produktionskapazitäten in den letzten Jahren massiv erhöht. «Unser Ziel ist es, in 12 bis 24 Monaten unsere Kapazitäten weiter auszubauen, damit wir jederzeit sämtliche Zifferblätter intern in der Schweiz produzieren können», sagt ein Sprecher. Dann brauche das Unternehmen keinen externen Zulieferer mehr.

60 Prozent der Herstellungskosten

Ist es nicht etwas delikat, wenn gerade das «Swiss made»-Logo nicht aus der Schweiz stammt? «Swiss made» beziehe sich natürlich auf die gesamte Uhr, heisst es bei der Swatch Group. Somit bewege man sich klar im Rahmen der gültigen Swissness-Regeln. Demnach müssen für eine Uhr mindestens 60 Prozent der Herstellungskosten in der Schweiz anfallen.

Laut Marken- und Swissness-Experte Stefan Vogler ist es verbreitet, dass bei «Swiss made»-Produkten verschiedener Branchen technologisch einfache Schritte im Ausland erfolgen. Für den Uhrensektor sieht er deswegen wenig Probleme: «Die meisten Kunden sind sich dessen gar nicht bewusst.» Ein Image-Problem ist laut Vogler nicht zu erwarten: «Wichtig ist, dass die Einhaltung der 60-Prozent-Regel durch die Behörden kontrolliert wird. »

Uhren – 100 Prozent Swissness-Prämie

«Swiss made» hat im Ausland einen guten Ruf. Laut der «Swissness Worldwide»-Studie der Universität St. Gallen von 2016 bevorzugten drei Viertel von fast 8000 Befragten bei gleichem Preis lieber Schweizer Markenartikel als Angebote unbekannter Herkunft. Zudem erhöht Swissness die Zahlungsbereitschaft. Über alle Produktegruppen betrug die Preisprämie 40 Prozent. Bei Luxusuhren hielten die Umfrageteilnehmer sogar eine Swissness-Prämie von bis zu 100 Prozent für angemessen.

Übernommen von 20 Minuten.

Erstellt: 19.02.2019, 08:31 Uhr

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