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Die Probleme für die Swiss ID fangen gerade erst an

Mit der neuen E-Identität sollen sich Bürger bei Geschäften im Netz ausweisen können. Die Betreiberfirma ist gestartet, doch der Weg ist weit.

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Es gibt eins für die Bank, eins für die Krankenkasse, eins fürs Mailfach etc. Die Digitalisierung soll das Leben eigentlich leichter machen. Aber der Wust an Logins und Passwörtern ist ein Ärgernis. Das soll sich ändern.

Im vergangenen November wurde unter grossem Medienrummel die neue Swiss ID vorgestellt. Die Idee: Ein einfaches und sicheres Login-Verfahren soll den Zugang zu einem ganzen Bündel an Diensten von Unternehmen und staatlichen Stellen möglich machen. Herausgeber der Swiss ID ist die Swiss Sign Group. Sie gehört einem Konsortium aus Post, SBB, Swisscom, UBS, Credit Suisse, Raiffeisen, dem Börsenbetreiber Six, der Zürcher Kantonalbank und der Mobiliar. Gemeinsam investieren sie einen zweistelligen Millionenbetrag in das Projekt.

Das Henne-Ei-Problem muss gelöst werden

Die Ambitionen sind gross, die Herausforderungen sind es aber auch. «Ohne Nutzer der Swiss ID greifen Anbieter wie Onlineshops nicht auf die Swiss ID zurück», erklärt Thomas Flatt, Verwaltungsratspräsident der Swiss Sign Group. «Umgekehrt registrieren sich Kunden nicht bei Swiss ID, wenn sie diese im Geschäftsverkehr nicht nutzen können.» Um die neue E-ID attraktiver zu machen, soll sie möglichst bald zu einer echten elektronischen Identität aufgewertet werden, damit Nutzer mit ihrer Hilfe Verträge abschliessen können.

Derzeit basiert die Swiss ID noch auf einem Login-Passwort-Verfahren. Laut Flatt haben sich bereits 460'000 Nutzer hierfür registriert. «Bis Ende des Jahres sollen es zwischen 650'000 und 1 Million sein», sagt er.

Die Nutzer können sich derzeit bei sechs Diensten mit der neuen Online-Identität anmelden. Der wichtigste davon ist zweifellos die Post. Sie stellt derzeit alle ihre Logins auf die neue Swiss ID um, sodass Dienste wie Sendungsnachverfolgung, Nachsendeanträge und so weiter darüber zugänglich sind.

Auch die SBB will umstellen

Ab November will auch die St. Galler Kantonalbank Nutzern via Swiss ID Zugang zum Hypothekenportal der Bank gewähren. «Dort können Kunden von Anfang bis Ende eine Hypothek beantragen», sagt Falk Kohlmann, Leiter Digital Banking der St. Galler Kantonalbank. «Wir wollen so Erfahrungen sammeln, ob und in welcher Form Kunden eine Dritt-ID verwenden möchten, um digitale Bankdienstleistungen zu nutzen.» Laut Swiss-Sign-Präsident Flatt sind weitere namhafte Unternehmen und staatliche Stellen in der Pipeline. «Ende des Jahres wollen wir 15 bis 20 Partner unter Vertrag haben», hofft er. So wollen auch die SBB das Login für den Swiss Pass auf die neue E-ID umstellen. «Die Projektarbeiten laufen», sagt ein Sprecher. Die Umstellung werde in einigen Monaten angepeilt.

Den Durchbruch dürfte die neue Online-Identität erleben, wenn Nutzer mit ihr online Verträge abschliessen oder Behördengänge erledigen können. Dazu ist es nötig, dass Nutzer im Netz absolut zweifelsfrei identifiziert werden. «Voraussichtlich ab Herbst sollen sich Kunden bei der Post mit ihrem Ausweis identifizieren können. Damit wird die Swiss ID zu einer geprüften E-Identität», erklärt Flatt.

Banken eröffnet sich neues Geschäftsfeld

Bevor die Swiss ID quasi als elektronischer Personalausweis im Geschäftsverkehr akzeptiert wird, muss erst das entsprechende Gesetz dazu beschlossen werden. Im Juni hat der Bundesrat dazu die Botschaft für das «Gesetz über die elektronischen Identifizierungsdienste» verabschiedet. Es definiert die Rollen zwischen dem Staat und der Privatwirtschaft. Der Bund selbst gibt keine E-Identität heraus, sondern zertifiziert Anbieter, die zweifelsfrei über die Identität einer Person Auskunft geben können.

Swiss Sign plant mehrere Alternativen, wie sich Nutzer eindeutig identifizieren: So sollen sich Nutzer bei der Post ausweisen, um ihre Swiss ID auf das höhere Niveau zu bringen. Geplant ist als Alternative eine Identitätsprüfung per Videochat.

Bevor die Swiss ID als elektronischer Personalausweis im Geschäftsverkehr akzeptiert wird, muss erst das entsprechende Gesetz dazu beschlossen werden.

Als weitere Variante will Swiss Sign bei der Kundenidentifizierung mit Banken zusammenarbeiten. Schliesslich haben Banken den gesamten Identifikationsprozess mit ihren Kunden bereits durchexerziert.

Das Prinzip: Ein Kunde entscheidet sich dafür, dass seine Hausbank die Identität beim ­Verwenden der E-ID bestätigen soll. Der Nutzer meldet sich dann zum Beispiel mit seiner Swiss ID bei einer Versicherung an, um eine Lebensversicherung abzuschliessen. Die Versicherung fragt bei Swiss Sign nach, ob der angemeldete Nutzer auch ­wirklich der ist, den er vorgibt zu sein.

Swiss Sign als Vermittler fragt beim vom Kunden gewählten ­ID-Provider – in diesem Beispiel die Hausbank – an, um die Identität zu prüfen. Die Bank bestätigt die Identität, der Nutzer kann die Versicherung kaufen. Wichtig: Der Prozess soll so gestaltet werden, dass die Bank nicht erfährt, was und wo der Kunde kauft. Umgekehrt soll die Ver­sicherung nicht erfahren, bei welcher Bank der Kunde sein Konto hat.

Mehr Unterstützung von staatlichen Stellen erwünscht

Banken könnten in der Rolle des Identitätsanbieters zusätzliches Geld verdienen. Ferner erlaubt ihnen die zertifizierte Online-Identität, schneller und einfacher online neue Konten zu eröffnen. «Das würde aber auch dazu führen, dass Kunden leichter ihre Bank wechseln können», gibt Falk Kohlmann von der St. Galler Kantonalbank zu bedenken. Gleichwohl überlege auch sein Institut, als Anbieter von geprüften Identitäten mit Swiss Sign zu kooperieren.

Damit die neue E-Identität ein Erfolg wird, wünscht sich Swiss-Sign-Präsident Flatt mehr Rückenwind von den staatlichen Stellen. Denn niemand kennt die Bürger besser als zum Beispiel die kantonalen Verwaltungen. «Staatliche Stellen sollten bei ­jedem Kundenkontakt, etwa beim Ausstellen eines neuen Ausweises, gleichzeitig das ­Upgrade der Swiss ID auf eine gesicherte E-ID anbieten», fordert er. Denn gerade für den Staat wäre eine sichere E-ID im Behördenverkehr interessant.

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