Swiss verabschiedet Elefäntchen

Die Swiss schickt ihre Avro RJ in Rente. Für das letzte Exemplar gabs eine Ehrenzeremonie. Nachfolger sind die C-Series von Bombardier.

Good bye Avro RJ100: Nach über 15 Einsatzjahren bei der Swiss wird der Flugzeugtyp ausgemustert. (Video: Tamedia/SDA)

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Swiss schickt Arbeitspferd Jumbolino in Rente Die Swiss schickt ihre Jumbolinos in Rente: Mit einer Ehrenzeremonie wurde bei strahlendem Hochsommerwetter das letzte Exemplar des Kurzstreckenfliegers am Dienstagmittag am Flughafen Zürich verabschiedet. Das Arbeitspferd geht - das Paradepferd kommt mit dem Nachfolgemodell.

Nach der Landung des Sonderflugs aus Genf stand die Flughafenfeuerwehr mit einer Wasserfontäne Spalier. Bei der Ankunft am Dock hielten Swiss-Mitarbeiter ein Transparent in die Höhe: «Thank you and goodbye Avro». Auf der Terrasse des Flughafens hatten sich Schaulustige eingefunden.

An Bord des Extraflugs befanden sich Journalisten und Swiss-Mitarbeiter. Swiss-Chef Thomas Klühr begrüsste jeden einzelnen beim Ausstieg an der Flugzeugtür.

Bereits beim Abflug aus Genf war der Jumbolino mit einer Wasserfontäne als letztem Gruss verabschiedet worden. Auf dem Weg nach Zürich flog die Maschine bei strahlendem Sonnenschein an den Wahrzeichen der Alpen vorbei: An Mont Blanc, Matterhorn, Eiger, Mönch und Jungfrau.

Mit der Zeremonie in Zürich wurde die Maschine nach über 15 Jahren im Dienste der Swiss offiziell aus dem Flugbetrieb der Schweizer Airline gestellt. Den letzten Flug mit zahlenden Passagieren hatte der Avro RJ, der unter dem Spitznamen Jumbolino bekannt ist, am Vorabend von London nach Zürich absolviert.

Ära geht zu Ende

Mit der Ausflottung der Avro-Flugzeuge geht eine Ära der Schweizer Luftfahrtgeschichte zu Ende. Als sich die Swiss 2002 wie ein Phoenix aus der Asche der untergegangenen Swissair erhob, übernahm sie 21 Jumbolinos der einstigen Swissair-Tochter Crossair. Der erste Flug der Swiss am Ostersonntag 2002 wurde mit einer Avro durchgeführt.

Die Avros bildeten das Rückgrad der Europaflotte. Insgesamt seien die Maschinen über 700'000 Stunden im Einsatz gestanden. Damit habe die Swiss über eine halbe Million Flüge durchgeführt. Wie viele Passagiere mit den Maschinen seit 2002 geflogen seien, konnte die Swiss nicht beziffern. Es dürften mehrere Dutzend Millionen gewesen sein.

«Das ist ein sehr emotionaler Moment für die Swiss, aber auch für viele Kunden», sagte Klühr in seiner Abschiedsrede am Flughafen Zürich. «Das Flugzeug hat ganz viele, viele Fans.»

Liebevoll Elefäntchen genannt

Dank ihrer Eigenschaften für kurze Starts und Landungen wurden die Maschinen gerne für schwierig anzufliegende Stadtflughäfen wie London City oder Florenz eingesetzt. Wegen ihres vergleichsweise breiten Rumpfs und ihres gedrungenen Aussehens bekam die Avro zu Crossair-Zeiten den Namen Jumbolino, weil sie aussieht wie ein kleiner Jumbo 747 des US-Herstellers Boeing.

Dieses Grossraumflugzeug hatte den Namen nach dem afrikanischen Elefanten »Jumbo« erhalten, der als »König der Elefanten« Ende des 19. Jahrhunderts weltberühmt wurde und seither als Symbol für Grösse steht. Der Name bedeutet auf Suahili so viel wie ?Hallo? (Jambo).

Bei den Jumbolinos der Crossair war ein kleiner fliegender blauer Comic-Elefant direkt unter dem Cockpitfenster aufgemalt. Die Avros waren also die Elefäntchen.

Wie ein Oldtimer

Die Swiss hatte vor allem die grösseren Avros RJ100 mit 97 Sitzen im Einsatz. Bei den Besatzungen und den Passagieren waren die Flugzeuge beliebt. Wehmut war das meistgebrauchte Wort der Besatzung auf dem letzten Flug. Sie sei nostalgisch, sagte Flugbegleiterin Cornelia Häner. Sie habe die Flüge mit dem Jumbolino immer sehr genossen.

Das Design der Maschine stamme aus den 1970er Jahren, sagte Avro-Cheffluglehrer Ernst Rahm. Hier spüre man das Fliegen noch, sagte Häner: »Es ist wie in einen Oldtimer einzusteigen.« Beim Start des Sonderflugs in Genf ratterte es, knisterte es, rüttelte es.

Der Nachteil der Maschinen des Herstellers British Aerospace (BAe) waren allerdings die teurere Wartung, der höhere Treibstoffverbrauch sowie die geringere Geschwindigkeit im Vergleich zu moderneren Flugzeugen. Zudem machten mit zunehmendem Alter Schwierigkeiten mit der Kabinenluft Schlagzeilen. Viel länger im Einsatz

Im Zuge der jüngsten Flottenerneuerung wurden die Jumbolinos ab 2016 fortlaufend durch die neuen Mittelstreckenjets C-Series des kanadischen Herstellers Bombardier ersetzt. Einige Jumbolinos der Swiss wurden an eine Wartungsfirma verkauft, die sie als Ersatzteillager verwendet. Andere gingen zurück an eine Leasinggesellschaft oder wurden sonst weiterverkauft.

Die letzte Swiss-Avro mit der Immatrikulation HB-IYZ wird an die kanadische Firma Tronos Aviation veräussert. Diese hat bereits eine ganze Jumbolino-Flotte für andere Fluggesellschaften im Einsatz. Die letzte Swiss-Avro ist 19 Jahre alt.

Airline-Chef Klühr brachte es auf den Punkt: »Das Flugzeug hat wirklich seine Verdienste für die Swiss. Wir haben das Flugzeug ja viel länger geflogen als ursprünglich gedacht. Und es hat uns nicht im Stich gelassen. Natürlich haben wir viel Arbeit reinstecken müssen.« Gemäss den ersten Plänen hätte die Maschine bereits vor über einem Jahrzehnt ersetzt werden sollen, was aber wegen der Turbulenzen der Swiss abgeblasen worden war.

Arbeitspferd geht – Paradepferd kommt

»Unser Arbeitspferd verlässt die Flotte - und das Paradepferd tritt in die Flotte ein mit der C-Series«, sagte Klühr: «Es gibt Wehmut auf der einen Seite, aber es gibt auf der anderen Seite auch sehr viel Freude auf das neue Flugzeug.»

Diese brandneuen Flugzeuge verbrauchen 17 bis 27 Prozent weniger Treibstoff als die Avros abhängig von Strecke und Gewicht. Gleichzeitig sind sie leiser als die Avros und die Reichweite ist grösser. Die Kabine ist heller, die Gepäckablagen geräumiger, die Fenster grösser. Beim Start wackelt und knistert nichts.

Überdies hat die C-Series je nach Ausführung 28 oder 48 Sitze mehr als die Jumbolinos. Damit kann die Swiss mehr Geld verdienen und mehr Umsteigepassagiere zu ihren neuen Langstreckenfliegern Boeing 777 transportieren, die ebenfalls deutlich grösser sind als die bisherigen Langstreckenjets Airbus A340. Bis Ende nächsten Jahres werden zu den bestehenden 10 weitere 20 C-Series zur Swiss-Flotte stossen. (oli/sda)

Erstellt: 15.08.2017, 12:33 Uhr

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