Tiefe Zinsen: Was Sparer jetzt tun können

Das Sparkonto rentiert kaum, Gold ist zu unsicher, Immobilien zu teuer. Der Experte verrät drei lukrative Alternativen.

Bereits heute nagt eine Kombination aus tiefen Zinsen, Inflation und erhöhten Gebühren bei den Banken an den Spareinlagen von Kleinsparern.

Bereits heute nagt eine Kombination aus tiefen Zinsen, Inflation und erhöhten Gebühren bei den Banken an den Spareinlagen von Kleinsparern. Bild: Gaetan Bally /Keystone

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Auf Jahre hinaus könnte der Negativzins eine Realität in Europa und auch in der Schweiz sein. Martialisch wird von der Bazooka gesprochen, die der Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, gestern abgefeuert hat, um weiteres billiges Geld in den Markt zu schiessen. Die Politik des günstigen Geldes schürt Ängste: Was passiert mit dem Geld auf dem Sparkonto und wie kommt man am besten um die negativen Auswirkungen herum?

Das Positive: Bisher sind nur wenige Sparer direkt von Negativzinsen betroffen. Banken wie UBS oder Postfinance erheben nur auf sehr hohe Vermögen Negativzinsen. Karl Flubacher vom VZ Vermögenszentrum sieht derzeit nicht, dass die Negativzinsen im grossen Stil auch an Kleinsparer weitergegeben werden. «Wenn das passiert, könnte es zu einem Bankrun kommen, bei dem alle ihr Geld in Bargeld abheben. Und das will keine Bank.»

Doch: «Bleiben nun die Negativzinsen für die Banken über Jahre hinweg, kommen die Institute entsprechend mehr und mehr unter Druck», sagt Flubacher. Der Druck, die Negativzinsen weiterzugeben, wachse. Dann könnten die Grenzwerte, ab welchem Vermögen man Negativzinsen zahlt, runterkommen. Sollten die Banken diese Limiten senken, empfiehlt Flubacher etwas ganz Simples: «Das Geld ganz einfach auf viele Banken aufteilen, damit man nicht mehr über dem Grenzwert liegt.» Das Geld allerdings zu Hause unter der Matratze oder in einem Safe zu horten, mache keinen Sinn. Auch ohne Negativzinsen gebe es laut Flubacher bereits heute schon Auswirkungen auf die Sparer: Der tiefe Zins auf den Konten, gepaart mit meist erhöhten Gebühren und der Inflation frisst das Kapital langsam auf. Bereits heute lohne sich deshalb der Blick auf Alternativen. Doch diese seien rar, sagt Flubacher.

Der Experte rät zu diesen drei Strategien:

Sich in eine Pensionskassen einkaufen: Das sei sehr lukrativ. Vor allem weil man die Einzahlung zu 100 Prozent von den Steuern abziehen kann. Heisst: Wer heute 10'000 Franken auf diese Weise einsetzt, spart erst einmal 2000 bis 4000 Franken an Steuern. Nimmt man es dann bei der Pension wieder raus, zahlt man dafür einen tieferen Satz und erzielt somit schnell einmal 20 Prozent an Rendite, sagt Flubacher.

Die Säule 3a aufstocken: «Auch wer nicht den Maximalbetrag von 6826 Franken einzahlen kann, sollte darüber nachdenken, zumindest einen Teil einzuzahlen», sagt Flubacher. Dabei sollen Sparer aber eine Lösung suchen, die einerseits mit wenig Gebühren auskommt, und andererseits mit Wertschriften ausgestattet ist. So sei die Rendite meistens höher, als wenn das Geld auf einem Konto mit niedrigem Zins liege. Ein Vergleich bei rund 60 Banken zeige: Der durchschnittliche 3a-Zins beträgt gerade noch 0,2 Prozent – viele Banken zahlen sogar weniger.

Der Gang an die Börsen: Da lohne es sich zu diversifizieren und etwa in Indexanlagen wie Exchange Traded Funds (ETF) zu investieren. Diese sind an den Gang von ganzen Indizes, wie etwa des SMI, gekoppelt. Gerade wer einen etwas längeren Anlagehorizont habe, könne damit kurzfristige Schwankungen an den Börsen ausgleichen. Anderen Alternativen zum Sparbüchlein stellt Flubacher kein gutes Zeugnis aus. So sei eine Investition in Gold zwar möglich, aber der Preis sehr volatil. Darum empfiehlt der Experte diese nur als Ergänzung zu anderen Anlagestrategien. Immobilien seien nur für Vermögende und Gutverdienende eine Lösung. Zu hoch seien die Preise und die Ansprüche der Banken an das Einkommen beim Abschluss einer Hypothek. Ganz grundsätzlich empfiehlt der Experte, dass man sparen sollte. Konsum um des Konsum willen mache vielleicht Spass. Aber: «Die Altersvorsorge ist unter Druck, deshalb lohnt es sich, auf seine Pensionierung hin zu sparen.» Trotzdem sollte man noch Geld auf dem Konto behalten. «Es kann immer etwas passieren, wo man schnell ein paar Tausend Franken braucht», so Flubacher.

Erstellt: 13.09.2019, 15:26 Uhr

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