Trumps Absage für Davos ist eine gute Nachricht

Das WEF als Hort für Begegnung und Debatte? Beim besten Willen, aber ohne den US-Präsidenten geht das viel besser.

Er war im letzten Jahr ein begehrter Gast: Donald Trump am WEF 2018.

Er war im letzten Jahr ein begehrter Gast: Donald Trump am WEF 2018. Bild: Keystone

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Nun reist er übernächste Woche also doch nicht nach Davos ans Weltwirtschaftsforum. Donald Trump hat – wie üblich – per Twitter abgesagt. Mag sein, dass damit dem Treffen der Weltelite in den Schweizer Bergen etwas Glamour verloren geht. Enttäuscht dürften auch all jene sein, die glauben, dass die Nähe zu grosser Macht auch ihnen selbst mehr Bedeutung verleiht.

Doch betrachten wir es ganz nüchtern: Für die Schweiz, Davos und am allermeisten für das Weltwirtschaftsforum ist Trumps Absage am Ende eine gute Nachricht. Dabei spielt noch die kleinste Rolle, dass sein nun ausbleibender Besuch möglicherweise ein etwas geringeres Verkehrschaos in Davos erwarten lässt, oder vielleicht etwas abgemilderte Kontrollen durch den Sicherheitsapparat, oder dass die logistischen Herausforderungen abnehmen.

Denken wir nur an das letzte Mal, an diese Huldigung für diesen Mann, der die Prinzipien einer modernen Demokratie verhöhnt. Dazu gehört die Missachtung der Gewaltentrennung und der staatlichen Institutionen. Und dazu gehört die Beleidigung all seiner Kritiker – ob politische Gegner oder einstige Weggefährten – und der freien Presse.

Beim WEF selbst argumentiert man, man sei froh, alle wichtigen Entscheider der Welt mit dabei zu haben, um sie so in die Debatte über Lösungen einzubinden. Schön wärs gewesen. Die unkritischen Worte von WEF-Gründer Klaus Schwab vor Trumps Abschiedsrede in Davos liessen nichts davon erkennen. Nicht das WEF hat Trump eingebunden, sondern umgekehrt hat Trump das WEF für seine krude Weltsicht in Beschlag genommen, nach der jeder bloss für sich zu schauen habe, damit es allen besser geht.

Trump verhöhnt Grundidee des WEF

Damit hat er alles verhöhnt, wofür dieses Treffen seit seiner Gründung stehen will – die Zusammenarbeit der Welteliten zur Lösung globaler Probleme. Probleme, die eben gerade nicht auf der Ebene von einzelnen Machthabern, Unternehmen oder Ländern gelöst werden können. Die Eliten in Davos haben ihn ungeachtet dessen gefeiert wie einen Rockstar. Mit ein Grund dafür war sicher auch, dass seine Politik den versammelten Mächtigen zusätzlichen Reichtum versprach – vor allem durch die von ihm eingeleiteten Steuersenkungen.

Mit ausreichend Naivität hätte man vor einem Jahr noch behaupten können, dass der damals erst seit einem Jahr amtierende Präsident nur falsch verstanden wird (wie es etwa Klaus Schwab formulierte). Dass seine Politik die amerikanische – und vielleicht sogar die Weltwirtschaft – letztendlich doch weiterbringt. Einige meinten damals, sein Protektionismus sei nicht wirklich ernst gemeint und letztlich nur Mittel zum Zweck einer besseren Globalisierung. Dass er ausgerechnet während der Veranstaltung die ersten Zölle verschärft hat (auf Waschmaschinen und Solaranlagen), musste dabei allerdings ausgeblendet werden.

Mittlerweile bleibt für diese Art von Selbsttäuschung kein Raum mehr übrig. Wie ernst es Trump mit dem Handelskrieg meint, wissen wir heute. Auch der temporäre Schub, den die Steuersenkungen der US-Wirtschaft verschafft haben, läuft bereits wieder aus, zurück bleiben vor allem deutlich höhere Schulden. Und heute bleibt auch kein Zweifel mehr, was seine Bewunderung für die Autokraten dieser Welt angeht – allen voran für Wladimir Putin aus Russland.

Und weil heute keine Selbsttäuschung zu Donald Trump mehr möglich ist, wäre das Signal schlimmer gewesen als im Vorjahr, wenn sich ihm die Eliten erneut fast buchstäblich vor die Füsse geworfen hätten. Das gilt ganz besonders für die Schweizer, wo wir doch auf unsere fein austarierten demokratischen Institutionen zu Recht so stolz sind. Institutionen, für deren Wert der US-Präsident im eigenen Land (das einst Vorbild für die Schweizer Verfassung war) wenig Respekt zeigt.

Trumps Teilnahme hätte all jenen WEF-Kritikern Glaubwürdigkeit verschafft, die im Treffen in Davos ohnehin nichts anderes als eine Machtdemonstration der globalen Eliten sehen. Klar, das WEF hat schon bisher die eigenen Ansprüche nie perfekt erfüllt. Aber das Bemühen um den Dialog und eine offene Debatte ist echt und deutlich spürbar. Und das war und ist Rechtfertigung genug für das Treffen in den Bergen. Gerade weil die Länder, Unternehmen und Politiker immer und überall zuweilen mit harten Bandagen ihre unterschiedlichen Interessen durchzusetzen trachten.

Gerade deshalb verdient das Engagement des WEF Respekt, einen gemeinsamen Nenner für gemeinsame Herausforderungen zu suchen, wie klein er auch sein mag. Mit seinem ganzen Auftreten und mit seiner Politik hat Donald Trump bereits gezeigt, dass er davon nichts hält. Deshalb hätte vor allem das WEF selbst viel Glaubwürdigkeit verloren, wenn man diesem Verächter all der eigenen Ideale erneut nicht nur die grosse, sondern die ganze Bühne überlassen hätte.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 11.01.2019, 16:40 Uhr

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