UBS erzielt weniger Gewinn

Die Grossbank hat im dritten Quartal deutlich weniger verdient als im Vorjahr. Sie übertrifft die Erwartungen aber trotzdem.

«Wir haben ein solides Ergebnis erzielt»: UBS-Chef Sergio Ermotti macht sich Gedanken über Massnahmen zu Wachstum und Effizienz. Bild: Denis Balibouse/Reuters

«Wir haben ein solides Ergebnis erzielt»: UBS-Chef Sergio Ermotti macht sich Gedanken über Massnahmen zu Wachstum und Effizienz. Bild: Denis Balibouse/Reuters

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Die UBS hat im dritten Quartal 2019 zwar deutlich weniger verdient als im Vorjahr, die Erwartungen des Marktes aber dennoch übertroffen. Die Grossbank spricht von einem «soliden Ergebnis in einem schwierigen Umfeld». Für die nähere Zukunft gibt sie sich angesichts der anhaltenden Unsicherheiten weiterhin zurückhaltend.

Konkret erzielte die grösste Schweizer Bank in der Periode von Juli bis September einen Vorsteuergewinn von 1,35 Milliarden US-Dollar nach 1,70 Milliarden im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Unter dem Strich verblieb mit 1,05 Milliarden ebenfalls etwas weniger als in der Vergleichsperiode (1,25 Mrd), wie die UBS am Dienstag mitteilte. Die Erwartungen des Marktes wurden damit aber um 5 bis 10 Prozent übertroffen.

Das Umfeld für Banken ist global kein einfaches. Die Stichworte sind hier etwa die unsägliche Brexit-Geschichte, Handelsstreit zwischen den USA und China, Unruhen in Hongkong, Impeachment-Verfahren gegen US-Präsident Trump. Und nicht zuletzt haben sich die wirtschaftlichen Aussichten massiv verschlechtert. Der Währungsfonds (IMF) nahm zuletzt seine Prognose für die Weltkonjunktur stark zurück – China schwächelt, Deutschland steht kurz vor der Rezession, und auch das globale Rezessionsrisiko ist deutlich gestiegen.

Stellenabbau in der Investment Bank

In diesem Umfeld sank der Geschäftsertrag um rund 5 Prozent auf 7,09 Milliarden und lag damit auch etwas unter den erwarteten 7,17 Milliarden. Da die Aufwendungen mit 5,74 Milliarden Dollar kaum zurückgingen, ergab sich wieder ein Anstieg beim Verhältnis aus Kosten und Erträgen (Cost/Income-Ratio) von rund 81 Prozent (VJ 77%), dies bei einem mittelfristigen Zielwert von 70 Prozent.

Die Bank muss denn auch weiter auf die Kostenbremse treten. Wegen der Zurückhaltung bei Kunden hatte die Bank bereits Anfang Jahr Kosteneinsparungen taktischer Art (Verschiebung von Projekten oder Neueinstellungen etc.) von rund 300 Millionen US-Dollar in Angriff genommen. Diese seien nun implementiert, hiess es von der Bank.

Neu dazu kommen aber auch strategische Abbaumassnahmen. So gab es eine grössere Reorganisation bei der Investment Bank, bei der es auch zu einem grösseren Stellenabbau gekommen ist oder noch kommt. Im vierten Quartal werde dies zu Restrukturierungsaufwendungen von rund 100 Millionen US-Dollar führen, so die Bank in der Mitteilung vom Dienstag. Damit sollen rund 90 Millionen an Kosten eingespart werden. Näher ausgeführt wurde dies jedoch nicht. Mit ihrem Ergebnis in der Investment Bank von (adjustiert) gut 200 Millionen US-Dollar blieb die UBS denn auch unter den Schätzungen des Markes. Wieder neue Gelder angezogen

Besser als der AWP-Konsens schnitt sie dagegen in der globalen Vermögensverwaltung ab mit 919 Millionen US-Dollar, auch wenn dort das Umfeld angesichts der vielen Krisenherde und der anhaltenden Tiefzinspolitik der meisten Notenbanken weltweit ebenfalls äusserst schwierig ist. Die Nettomarge ist denn auch mit 15 Basispunkten weiterhin sehr tief.

Immerhin hat die UBS als grösster Vermögensverwalter der Welt wieder einen Zufluss an Nettoneugeldern verzeichnet. Nach einem überraschenden Abfluss von 2 Milliarden im zweiten Quartal 2019 konnte die Kerndivision Global Wealth Management (GWM) im dritten Quartal nun wieder Neugelder von 15,7 Milliarden Dollar vermelden. Ein grosser Teil davon (10,9 Mrd) kaum aus dem asiatischen Raum, aber auch in der Schweiz (1,9 Mrd) und im EMEA-Raum (3,2 Mrd) war die Bank recht erfolgreich. Einzig in Amerika fiel der Neugeldzufluss (0,0) schwach aus.

Die insgesamt verwalteten Vermögen der gesamten Bank legten aufgrund der Marktentwicklung noch stärker zu. Sie beliefen sich per Ende Quartal auf 3'422 Milliarden nach 3'381 Milliarden Dollar per Mitte 2019.

Für die weitere Entwicklung gibt sich das Management gewohnt vorsichtig. Mit Blick auf das Gesamtjahr hiess es ähnlich wie bereits vor drei Monaten: Die ohnehin tiefen, teils hartnäckig negativen Zinsen sowie die Erwartung weitere geldpolitischer Lockerungen würden den Nettozinsertrag im Vergleich zum letzten Jahr beeinträchtigen. Dank der guten Diversifizierung in Bezug auf Regionen und Geschäftstätigkeit sollten sich die Auswirkungen jedoch in Grenzen halten.

Aktienrückkauf auf Kurs

Ein Anstieg der verwalteten Vermögen sollte zudem dem wiederkehrenden Ertrag zugutekommen. Die Stimulierungsmassnahmen und die Lockerung der Geldpolitik durch die Notenbanken könnten zudem dazu beitragen, die Verlangsamung des globalen Wirtschaftswachstums mittelfristig zu mildern.

In Bezug auf Strategie strebt die UBS gemäss den Angaben ein «ausgewogenes Verhältnis von Wachstumsinvestitionen einerseits und Effizienzmassnahmen andererseits» an. Ausserdem will sie die Ziele für die Kapitalrückführung erreichen und für die Aktionäre «nachhaltigen, langfristigen Wert» schaffen. Mit dem laufenden Aktienrückkaufprogramm über 2 Milliarden Franken sieht sich die Bank auf Kurs. Bis Ende Jahr sollen – wie bereits früher angekündigt – Aktien im Gegenwert von 1 Milliarde zurückgekauft sein.

Die heute vorgelegten Zahlen werden vorbörslich gut aufgenommen, die UBS-Aktie gewinnt um 08.30 Uhr auf der Plattform von Julius Bär 2,5 Prozent und ist damit grösster Gewinner im SMI ( 0,65%). Vor allem das Ergebnis in der Vermögensverwaltung wird gut aufgenommen.

Gut 500 Millionen Dollar für Frankreich-Fall zurückgestellt

Anlässlich der Quartalszahlen gab es seitens der UBS nichts Neues zum Frankreich-Fall, bei dem es um Geldwäsche und Beihilfe zu Steuerhinterziehung geht und bei dem die Bank Anfang Jahr zu einer Milliardenbusse verdonnert wurde. Die Rückstellungen liegen nach wie vor deutlich unter der ausgesprochenen Bussenhöhe.

Der zurückgestellte Betrag wird unverändert mit 516 Millionen US-Dollar beziffert, wie aus dem am Dienstag veröffentlichten Geschäftsbericht zum dritten Quartal hervorgeht. Ohnehin ist die UBS weiterhin der Ansicht, dass sie freigesprochen werden sollte.

Die Bandbreite der möglichen Ergebnisse sei allerdings gross und trage zu einem grossen Mass an Schätzungsunsicherheit bei. Es könnte daher durchaus sein, dass die tatsächlichen Bussen und zivilrechtlichen Forderungen den Betrag der Rückstellung überschreiten könnten, heisst es im Quartalsbericht.

Rekurs gegen 3,5 Milliarden Euro Busse

Wie bekannt, wurde die Grossbank im Februar von einem Pariser Gericht zu einer Rekordbusse von 3,5 Milliarden Euro verurteilt, zudem muss sie dem französischen Staat Schadenersatz in der Höhe von 800 Millionen Euro bezahlen. Gegen das Urteil hat sie Berufung eingelegt.

Am 4. November soll gemäss einem Bericht der «Handelszeitung» von vorletzter Woche am Pariser Berufungsgericht eine erste Anhörung stattfinden. Dabei sollen die Termine für die Prüfung der Beschwerdeunterlagen der UBS festgelegt werden, voraussichtlich für das erste Halbjahr 2020. Bis zu einem letztinstanzlichen Urteil dürfte es vermutlich noch mehrere Jahre dauern.

In Sachen Rechtsstreitigkeiten wartet die UBS zudem in den USA noch auf ein Urteil im Fall der so genannten Ramsch-Hypotheken (RMBS-Papiere) aus der Zeit der Finanzkrise. Die Bank hatte sich hier ebenfalls entschlossen, keinen Vergleich abzuschliessen, sondern vor Gericht zu ziehen. Denn sie argumentiert, dass sie kein bedeutender Herausgeber der betroffenen US-Wohnungshypotheken gewesen sei. Den für diesen Fall zurückgelegten Betrag hält die UBS für «angemessen», beziffert diesen jedoch nicht.

Weiterhin milliardenhohe Rückstellungen

Insgesamt hat sich bei den Rückstellungen für Rechtsfälle im dritten Quartal 2019 praktisch nichts verändert. Per Ende September waren für solche Rechtsfälle sowie regulatorische und ähnliche Angelegenheiten 2,50 Milliarden US-Dollar zurückgestellt.

Neu gebildete Rückstellungen in der Höhe von 72 Millionen standen dabei aufgelösten Rückstellungen in Höhe von 4 Millionen gegenüber; 44 Millionen wurden in den drei Monaten zudem für den vorgesehenen Zweck verwendet. Währungsumrechnungen und ähnliches machten ein Minus von 29 Millionen aus.

(oli/sda)

Erstellt: 22.10.2019, 07:23 Uhr

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