UBS vergibt 200 Milliarden mehr Kredite an Superreiche

Die Grossbank will aus ihrem Geschäft mit den Milliardären mehr herausholen.

Kreditoffensive: Die UBS will die Reichsten der Reichen dafür gewinnen, ihr Geld arbeiten zu lassen Foto: Keystone

Kreditoffensive: Die UBS will die Reichsten der Reichen dafür gewinnen, ihr Geld arbeiten zu lassen Foto: Keystone

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Die UBS ist die Bank der Reichen, der sehr Reichen sogar. Darum gründete sie vor zehn Jahren die Abteilung der «Ultra High Net Worth Individuals», der Superreichen. Um dazuzugehören, braucht man ein Vermögen von mindestens 50 Millionen Franken. Der reichste Kunde der Abteilung besitzt Dutzende Milliarden Franken. Mehr als tausend Mitarbeiter sorgen sich tagein, tagaus um die Reichsten der Reichen.

Das Problem: Längst nicht alle wollen beraten werden. Ein schöner Teil hat einfach sein Geld bei der grössten Schweizer Bank deponiert, weil sie trotz aller Skandale den Ruf hat, sicher und diskret zu sein. Doch wegen dieser vielen passiven Kunden ist die UBS immer weniger profitabel.

Josef Stadler, Chef Ultra High Net Worth Individuals

Chef des Geschäfts mit den Superreichen ist seit 2009 Josef Stadler. Sein Geschäft ist eines der wenigen, das bei der UBS kräftig gewachsen ist. 9 bis 10 Prozent Wachstum pro Jahr holte Stadler aus seinen Kunden heraus, während die Bank sonst kaum wuchs. So richtig profitabel ist allerdings nur ein kleiner Teil der Superreichen, nämlich die, die an der Börse spekulieren, Kredit aufnehmen und sich beraten lassen – etwa wenn es darum geht, ein Unternehmen zu kaufen.

Für diese Kunden erfand die UBS 2010 das Global Family Office. Das Geschäft ist eine Goldgrube mit 17 Prozent Wachstum. Entsprechend flau ist das Wachstum im übrigen Bereich, auch bei den Superreichen.

Das Global Family Office soll ausgebaut werden

Darum ging Stadler im Mai zu UBS-Chef Sergio Ermotti und schlug ihm vor, seine Abteilung aufzuspalten. Ermotti war begeistert, und als Iqbal Khan, der bei der Credit Suisse genau dasselbe gemacht hatte, zur UBS stiess, war der Plan rasch beschlossene Sache. Nur noch die Ultrareichen mit Potenzial will die UBS von der Zentrale aus betreuen, die übrigen werden in die regionalen Zentren abgeschoben.

Das Global Family Office hingegen soll deutlich ausgebaut werden. 500 Kunden mit total 650 Milliarden Vermögen hat es heute, Ziel ist es, die Anzahl Kunden über die nächsten paar Jahre mehr als zu verdoppeln. Und vor allem sollen sie dazu animiert werden, mehr mit ihrem Geld zu machen, als es einfach im Depot liegen zu lassen.

Aktuell liegt die Kreditquote in der Vermögensverwaltung bei 7 Prozent. Bei den Konkurrenten sind es im Schnitt 18 Prozent, bei der Credit Suisse sogar noch etwas mehr. Da ist die Verlockung gross: Laut UBS-Quellen soll die Quote auf rund 15 Prozent gebracht werden, auch wenn es kein offizielles Ziel gibt. Nur schon eine 1 Prozent höhere Quote bedeutet 25 Milliarden mehr an Darlehen. Das angestrebte Ziel bedeutet also, dass die UBS rund 200 Milliarden Franken mehr Kredite an die Superreichen vergeben will.

Höheres Risiko

In Zeiten, in denen die Banken Negativzinsen zahlen müssen, wenn sie ihr Geld bei der Nationalbank anlegen oder im Interbankenmarkt weitergeben, aber die Kreditzinsen für die Kunden immer noch positiv sind, ist das Kreditgeschäft sehr lukrativ. Der Zinsunterschied beträgt mehr als 1 Prozent. So lässt sich der Gewinn um 2 Milliarden Franken steigern, wenn die UBS ihre Kreditdurchdringung auf 15 Prozent bringt.

Allerdings zum Preis eines höheren Risikos. Als Sicherheit für Kredite wurden bisher auch im Global Family Office hoch liquide, börsengehandelte Aktientitel wie Nestlé, Roche, Novartis oder Apple verlangt. Künftig sollen auch nicht börsenkotierte Firmen als Sicherheit für Kredite ins Auge gefasst werden, wie es aus der Bank heisst.

Ob das Konzept bei den Kunden gut ankommt, wird sich zeigen. Unruhe haben die Pläne bei den Angestellten ausgelöst. Denn von den 1068 Kunden­beratern, die in Stadlers Bereich arbeiten, werden künftig nur 10 bis 20 Prozent im lukrativen Global Family Office dabei sein. Der Rest wird mit den Kunden zu den regionalen Einheiten abgeschoben. Bei der UBS heisst es zwar, es werde nicht zu Entlassungen kommen, man wolle das mit natürlicher Fluktuation lösen. Mit der Kündigung zu rechnen hätten weniger als zehn Manager, heisst es aus der Bank.

Doch fürs Prestige der Angestellten und ihren Bonus ist der Umbau kaum förderlich. Viele befürchten, dass im wenig profitablen Teil der Vermögensverwaltung bald eine Entlassungswelle folgt. Die Bank will dazu keine Stellung nehmen.



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Erstellt: 26.12.2019, 07:10 Uhr

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