UBS-Superdivision: Die grossen Gewinne bleiben aus

Die Grossbank hat zwei Kernbereiche zusammengelegt. Weshalb sich die Synergien bisher nicht auf den Aktienkurs auswirken.

Der Schritt werde «erhöhte Effizienz und bessere Dienstleistungen für die Kunden» ermöglichen: Sergio Ermotti kündigt die Zusammenlegung des Privatkundengeschäfts an.

Der Schritt werde «erhöhte Effizienz und bessere Dienstleistungen für die Kunden» ermöglichen: Sergio Ermotti kündigt die Zusammenlegung des Privatkundengeschäfts an. Bild: Ennio Leanza/Keystone

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Keine Vermögensverwaltungsbank ist so gross, so global und so breit aufgestellt wie die UBS. Doch die Schweizer Grossbank vermag in ihrer Paradedisziplin Wealth Management die Investoren weder beim Wachstum noch bei den Kosten wirklich zu überzeugen.

In den vergangenen drei Jahren pendelte der adjustierte Umsatz von Global Wealth Management, dem Kerngeschäft der UBS, zwischen 15 und 16 Milliarden Franken. Die bereinigten Betriebskosten klebten trotz beträchtlicher Restrukturierungsaufwendungen hartnäckig zwischen 11,4 und 11,9 Milliarden Franken, und das jährliche Neugeldwachstum lag bei bescheidenen 2,1 oder 2,2 Prozent. Dynamik sieht anders aus, auch wenn im ersten Halbjahr 2018 dank höherem Zinsertrag und besseren transaktionsunabhängigen Einnahmen ein Gewinnsprung gelang.

Anfang 2018 hat die UBS aus zwei Kernbereichen einen gemacht. Das brokerageorientierte Geschäft in den USA wurde mit der «klassischen» schweizerischen und internationalen Vermögensverwaltung zusammengelegt und in Global Wealth Management (GWM) umbenannt. An der Spitze stehen der Deutsche Martin Blessing (ehemals Commerzbank-CEO) und der US-Amerikaner Tom Naratil (ehemals UBS-Finanzchef) als Co-CEO. Konzernchef Sergio Ermotti versprach bei der Ankündigung, der Schritt werde «erhöhte Effizienz und bessere Dienstleistungen für die Kunden» ermöglichen.

Keine Synergien, kein Sinn

Allerdings blieb die in solchen Situationen übliche Ankündigung eines Synergieprogramms (zwei, fünf oder zehn Prozent der kombinierten Kosten) aus. Wieso? In älteren Geschäftsberichten steht, wie die UBS Jahre vor dem formellen Zusammenschluss der Divisionen die Kräfte zu bündeln und Kosten zu senken suchte. Tief hängende Früchte sind schon geerntet worden.

Sodann erweist sich eine nach Zusammenschlüssen gängige Massnahme als ungeeignet. Das US-Wealth-Management unterscheidet sich fundamental vom übrigen, beispielsweise in der Mechanik der Mitarbeiterentschädigung. Deswegen kann die UBS es nicht auf dieselbe, unlängst in der Schweiz, Europa und Asien eingeführte Informatikplattform bringen.

Generell argumentiert die Bank, ihre geografische und geschäftliche Breite würde strukturell höhere Kosten verursachen, was allerdings durch das überlegene Ertragspotenzial des UBS-Modells mehr als ausgeglichen werde.

Aktie seit zehn Quartalen unter 20 Franken

Die Investoren sind offenbar nicht überzeugt. Die UBS-Aktien oszillieren seit zehn Quartalen unter 20 Franken. Im Jahresverlauf haben sie 18 Prozent eingebüsst, obwohl sie von fast allen Analysten zum Kauf empfohlen werden. Offensichtlich besteht ein Glaubwürdigkeitsproblem. Auf Basis der Prognosen handeln die Valoren auf einem Kurs-Gewinn-Verhältnis 2020 von 8,3. Sie wären somit ein Schnäppchen.

Gegenwärtig leiden die Titel, weil sich das Umfeld für alle Vermögensverwalter eingetrübt hat. Julius Bär haben (ausgehend von einem viel höheren Bewertungsniveau) seit Jahresbeginn über 20 Prozent verloren. Der US-chinesische Handelskonflikt beeinträchtigt die wirtschaftlichen Aussichten und beunruhigt insbesondere asiatische Kunden, die sich nun anlegerisch zurückhalten.

Die UBS verzeichnete im dritten Quartal einen Rückgang der transaktionsabhängigen Einnahmen um 10 bis 11 Prozent, sagte Ermotti letzte Woche auf einer Konferenz. Das macht bloss 70 Millionen Franken von über vier Milliarden Franken Einnahmen von Global Wealth Management aus. Über 80 Prozent der Einnahmen sind wiederkehrend und hängen vom Vermögen und von den Pauschalgebühren ab. Gleichzeitig profitiert die UBS üblicherweise von geopolitischen Spannungen, indem Anlagegelder vom Ausland in den sicheren Hafen Schweiz flüchten.

Investieren und relevant sein

Vor dem volatilen Hintergrund ist es fraglich, ob die von Ermotti für den Investorentag angekündigten Erklärungen – ohne neue Ziele und ohne Kostenprogramm – den Markt werden überzeugen können. Der Druck, ein Zeichen – irgendeines – zu setzen, ist enorm. Aber Ermotti wehrt sich gegen Forderungen nach einer radikalen Restrukturierung. Die Suche nach Effizienz ist Teil des Tagesgeschäfts, argumentiert die UBS und setzt auf die Politik der vielen kleinen Schritte.

Das heisst nicht, dass die UBS insgesamt nicht klotzt. Die jährlichen Ausgaben für Technologie sollen bei zehn Prozent des Umsatzes, also bei drei Milliarden Franken, liegen. Ermotti wird darlegen müssen, was die technologische Führung, die UBS für sich beansprucht, konkret umfasst, gerade auch im Wealth Management.

Die Information, dass bankweit bereits 700 Roboter eingesetzt werden, deutet auf ein hohes Mass an Prozessautomation hin. Aber wirklich bewerten lässt sich die Aussage bislang nicht. UBS sieht sich als technologischen Leader, und Ermotti sagte letzte Woche: «Wer relevant bleiben will, für den ist es absolut nicht realistisch zu erwarten, dass die Ausgaben für Technologie sinken werden.» Die Technologie wird bei der Umsetzung der Wachstumspläne der UBS eine entscheidende Rolle spielen. Beispielsweise sollen die Kundenberater ihre Kunden künftig schneller und zielgenauer betreuen können.

Jagd auf US-Kunden

Geografisch gesehen liegen die Hoffnungen langfristig auf Asien, wo die Vermögen am schnellsten wachsen. Unmittelbar rücken aber die US-Kunden in den Fokus. Die Neugeldentwicklung in Amerika war in den letzten Quartalen enttäuschend, auch wenn die Vermögensabgänge teilweise gewollt waren, da die UBS sich von weniger produktiven Mitarbeitern trennte.

Ins Visier nimmt die UBS nun die US-Ultrareichen. Allerdings dürfte die Konkurrenz der etablierten US-Institute sehr hart sein. Weitere Möglichkeiten sieht die UBS in einem spezifischen Angebot für US-Bürger, die ausserhalb ihrer Heimat leben. Dies, nachdem man sich vor zehn Jahren gezwungenermassen aus diesem Geschäft verabschiedet hat.

Erstellt: 16.10.2018, 16:34 Uhr

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