Und plötzlich taucht in der Ukraine-Affäre ein Schweizer auf

Die US-Staatsanwaltschaft ist auf einen verdächtigen Geldtransfer an Trump-Freunde gestossen. Dahinter steckt ein Schweizer Anwalt mit illustren Kontakten.

Die Ukraine-Ermittlungen führten amerikanische Ermittler zu dem in Dubai lebenden Schweizer Anwalt Ralph Oswald Isenegger. Foto: PD

Die Ukraine-Ermittlungen führten amerikanische Ermittler zu dem in Dubai lebenden Schweizer Anwalt Ralph Oswald Isenegger. Foto: PD

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In der Ukraine-Affäre rund um US-Präsident Donald Trump taucht der Name eines Schweizers auf. Der Genfer Anwalt Ralph Oswald Isenegger soll einem Vertrauten von Trumps Anwalt Rudy Giuliani eine Million Dollar überwiesen haben. Das Geld könnte, so der Verdacht, eine verdeckte Spende für die Republikanische Partei gewesen sein.

Der Geldtransfer und der Name Isenegger wurden am Dienstag von der US-Staatsanwaltschaft in einem Strafverfahren gegen den gebürtigen Ukrainer Lev Parnas öffentlich gemacht. Parnas soll gemeinsam mit seinem Freund Igor Fruman Trumps Anwalt Giuliani geholfen haben, in der Ukraine belastendes Material gegen den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden zu sammeln.

In den USA sind Parnas und Fruman deshalb wegen versuchter Einflussnahme auf Wahlen durch fremde Mächte angeklagt. Donald Trump behauptet, die beiden Männer nicht zu kennen. Der TV-Sender CNN fand allerdings Fotos, auf denen alle gemeinsam posieren: Trump, Giuliani, Parnas, Fruman.

Verhaftung in New York

Im Oktober wurden Parnas und Fruman am Flughafen in New York verhaftet, als sie ein Flugzeug nach Wien besteigen wollten. In der österreichischen Hauptstadt wollten die beiden vermutlich Dimitri Firtasch treffen, einen der reichsten Ukrainer, der sein Vermögen unter anderem mit der Zuger Gashandelsfirma Rosukrenergo gemacht hatte. Derzeit sitzt Firtasch in Österreich fest, weil die USA einen Antrag auf Auslieferung gestellt haben. Dagegen wehrt sich der Oligarch mit allen Mitteln. Einer von Firtaschs vielen Anwälten ist der Schweizer Ralph Oswald Isenegger.

Im Prozess in New York ging es am Dienstag um die Frage, ob Parnas gegen Kaution aus dem Gefängnis entlassen und unter Hausarrest gestellt werden könne. Dabei präsentierte die Staatsanwaltschaft als neuen Beweis eine Überweisung Iseneggers von einem russischen Konto an die Frau des Angeklagten, Svetlana Parnas. Der Zweck ist noch unklar, Staatsanwältin Rebekah Donaleski beschrieb den Geldtransfer laut CNN als «äusserst suspekt».

Wegen mutmasslicher Verstösse gegen das Wahlkampffinanzierungsrecht verhaftet: Die beiden Geschäftsleute Lev Parnas (links) und Igor Fruman. Foto: Keystone

Ein republikanischer Abgeordneter hatte bereits vor der Verhandlung zugeben müssen, mit Frau Parnas telefoniert zu haben. US-Medien spekulieren deshalb über eine versteckte Wahlkampfspende. Parnas’ Anwalt bestätigte im Prozess die Überweisung, fügte aber hinzu, dass Isenegger nun die Million zurückverlange.

500'000 Franken Steuerschuld

Für den 52-jährigen Isenegger interessiert sich nicht nur die US-Justiz. Im vergangenen Jahr machte die Eidgenössische Steuerverwaltung seinen Namen im Bundesblatt öffentlich, weil sie von dem Anwalt eine Steuernachzahlung über eine halbe Million Franken fordert. Zudem muss er gemäss der damaligen Publikation 52'000 Franken Strafe zahlen.

Allerdings dürfte Isenegger weder für die amerikanischen noch für die Schweizer Behörden greifbar sein. Gemäss derWebsite seiner «Isenegger International Advisory Group» lebt der Firmenbesitzer seit 2014 in Dubai. Auf der Website sind weder Telefonnummer noch E-Mail-Adresse angegeben. Auf die Anfrage dieser Zeitung via Kontaktformular kam keine Antwort.

In Schweizer Medien tauchte Isenegger erstmals Ende der 90er-Jahre auf, als Anwalt des russischen Geschäftsmanns Sergej Michailow. Der Mann mit Spitzname «Michas» galt damals als Kopf der berüchtigten Moskauer Mafiagruppe Solnzewskaja. 1996 wurde er in Genf verhaftet und sass zwei Jahre in Untersuchungshaft. Den Verdacht der Geldwäsche konnte die Staatsanwaltschaft allerdings nicht beweisen, sodass Michailow 1998 als freier Mann nach Russland zurückkehren konnte und von der Schweiz 800'000 Franken Haftentschädigung bekam.

Anwalt in Untersuchungshaft

Isenegger wurde allerdings während des Verfahrens gegen Michailow in Genf selbst verhaftet. Ihm wurde vorgeworfen, er habe Dokumente zu Michas ins Gefängnis geschmuggelt, die dazu dienen sollten, Ermittlungen zu behindern und die Justiz zu diskreditieren. Isenegger bestritt die Vorwürfe. Er wurde nach drei Monaten aus der Haft entlassen. Der «Blick» berichtete damals, mehrere Journalisten seien durch Michailows Mitarbeiter massiv eingeschüchtert worden. Der wichtigste Zeuge für das Verfahren gegen Michas wurde in Amsterdam erschossen.

Später zog es Isenegger zum Fussball – als Spielervermittler. Bei Xamax in Neuenburg arbeitete der Anwalt 2011 erst für den damaligen tschetschenischen Besitzer Bulat Tschagajew und zeigte ihn dann an, weil er angeblich 400'000 Franken Provision für eine Spielervermittlung nicht erhalten hatte. Xamax ging 2012 in Konkurs.

Der Genfer Anwalt blieb in Osteuropa aktiv, und auch dem Fussball blieb er treu. 2018 trat er laut rumänischen Medienberichten für eine Investorengruppe auf, welche den Traditionsverein Dinamo Bukarest kaufen wollte. Der Deal kam nicht zustande.

Erstellt: 18.12.2019, 21:48 Uhr

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