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Viele Ärzte gehen unbedarft mit Patientendaten um

Ärzte und Anwälte leiten oftmals mehr Informationen von säumigen Kunden an Inkassofirmen weiter, als sie eigentlich müssten.

Das Leck bei Eos wirft laut Marktbeobachtern viele heikle Fragen auf. Denn der Umgang mit persönlichen Angaben in vielen Arztpraxen sei oftmals sorglos. Zudem sei Mitarbeitern von Inkassofirmen oft nicht klar, wie sie die Daten behandeln müssten. Patrik Kneubühl vom Verband Schweizerischer Inkassotreuhandinstitute sagt, dass es vorkommen könne, dass Angehörige von freien Berufen, wie beispielsweise Anwälte oder Ärzte, unbedarft mit dem Datenschutz umgehen würden: «Sie wissen zwar, dass es Datenschutzgesetze gibt, machen sich aber in ihrem beruflichen Alltag kaum Gedanken darüber.» Die Ärzte und Anwälte schickten daher oftmals umfangreiche Unterlagen an das Inkassobüro. Einige Angaben seien für das Inkassounternehmen auch notwendig, damit dieses ­seiner Arbeit nachkommen könne. Es müssten nur Belege für die geleistete Arbeit übergeben werden, nicht aber ­Informationen über die Krankheitsgeschichte des Schuldners. Oft fehle die Sensibilität für die erforderlichen Informationen, so Kneubühl.

Er verweist darauf, dass vom Eos-Datenleck betroffene Patienten sich an die Beschwerdestelle des Verbandes oder die Taskforce von Eos wenden können. Intrum Justitia, der grösste Inkassoanbieter der Schweiz, erhalte im Gegensatz zu Eos keine umfassenden Dossiers von Ärzten, so ein Firmensprecher. Dies sei auch nicht notwendig. «Wir benötigen für unsere Arbeit keine Kranken­akten», sagt der Sprecher. Stellt ein Arzt einem Inkassobüro aber dennoch Daten zu, die dieses nicht benötigt, darf es diese nicht einfach in seinem System belassen, wie der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte Adrian Lobsiger betont: «Es muss die Daten vernichten und die Quelle darauf aufmerksam machen, dass diese die Daten zu Unrecht übermittelt hat.»

«Unsaubere Arbeit»

Vom Fall Eos hat Lobsiger seit dem 22. Dezember Kenntnis, als ihn das Unternehmen über die laufenden Abklärungen informierte. Den Umgang von Ärzten mit Patientendaten hat er aber schon länger auf dem Radar: «Wir erhielten im Sommer verschiedentlich Hinweise auf unsaubere Arbeit in gewissen Arztpraxen.» Seither hat Lobsiger zwei Anbieter von Inkassolösungen, die Ärztekasse und Swisscom Health, dazu bewogen, Musterverträge im Internet zu veröffentlichen. Auf die darin enthaltenen Bedingungen für die Datenbearbeitung sollten die Ärzte nun verweisen, wenn sie bei ihren Patienten die Einwilligung für die Datenweitergabe einholten. Um die Ärzte für den Datenschutz zu sensibilisieren, setzt Lobsiger auf die Verbindung der Schweizer Ärzte (FMH).

Die FMH sieht aber kein weitverbreitetes Problem der Ärzte mit dem Datenschutz. Sie habe keine Kenntnis darüber, dass es für Ärzte üblich sei, dem Inkasso­anbieter ganze Patientenakten zu überlassen, schreibt sie auf Anfrage. Die FMH empfiehlt den Ärzten, nur wenige Informationen zu übergeben. Dazu gehören der Name und die Adresse des Schuldners sowie das Rechnungsdatum und der Rechnungsbetrag.

Jorgos Brouzos, Martin Wilhelm

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