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Von der Luxus-Loft ins Armenhaus

Er war Tech-Pionier und Multimillionär. Heute lebt Josh Harris in Armut und angeblich unter Beobachtung des FBI. Nur ein Wellensittich leistet ihm Gesellschaft.

Seine einzige Gesellschaft ist ein Wellensittich: Der frühere Multimillionär Josh Harris.
Seine einzige Gesellschaft ist ein Wellensittich: Der frühere Multimillionär Josh Harris.
Screenshot Financial Times

Der 56-jährige Josh Harris lebt in einer heruntergekommenen Wohnung in Las Vegas nahe dem Rotlicht-Milieu. Nur ein Wellensittich namens Pretty Bird leistet ihm Gesellschaft. Um die Miete von 650 Dollar pro Monat bezahlen zu können, spielt er regelmässig Online-Poker.

Alles nicht so ungewöhnlich, wäre Harris nicht ehemaliger Multimillionär. Als er in den 1990er-Jahren ein Tech-Mogul war, stapelten sich über 50 Millionen Dollar auf seinem Konto, wie er dem Wirtschaftsblatt «Financial Times» erzählt. Jetzt schläft der ehemalige Firmengründer in einem Schlafsack auf einer Matratze auf dem Boden. Dort liegen auch zwei Bücher. Er könnte mehr bekommen, sagt er, doch er kann sich keine Lesebrille leisten.

Er gibt an, vom FBI überwacht zu werden. Er lebe deshalb seit zehn Jahren allein und ohne Freundin. Auch den Kontakt zu seinen drei Schwestern und drei Brüdern habe er abgebrochen. Sein Faible für Kunst habe ihn in diese Situation gebracht.

Kunstinstallation am World Trade Center

Harris wuchs als jüngstes von sieben Kindern in Kalifornien auf. Nach dem College in San Diego erhielt er einen Job bei einem Forschungsunternehmen und machte sich danach selbständig. Seine Firma Jupiter Communication verkaufte er 1994, behielt aber 15 Prozent daran. Er gründete daraufhin die Firma Pseudo Programs, die Videos mit Texten versah. Als das alte Unternehmen 1999 an die Börse ging, wurde Harris schlagartig zum Multimillionär.

Er gab viel Geld für Kunst aus und war in der Szene immer fester verankert. Sein grösstes Projekt war ein monatelanges Experiment, in dem etwa 100 Freiwillige in Kapseln in einem sechsstöckigen Lagerhaus am Broadway lebten. Die Anlage war für die Öffentlichkeit zugänglich und bis in die hinterste Ecke mit Webcams versehen.

Im Jahr 2000 filmte er eine Künstlergruppe aus Wien aus einem Helikopter heraus, wie sie im 91. Stockwerk des World Trade Centers an der Fassade hing. Die Truppe hatte ein Fenster entfernt, einen vorgefertigten Balkon angebracht und schliesslich nackt darauf posiert.

Wussten Künstler von den 9/11-Attacken?

Doch das war nicht ihr letzter Gig: Die Gruppe plante eine Show mit dem Titel «The B-Thing» – ausgerechnet am 11. September 2001. Die Künstler hätten möglicherweise im Voraus von den Terroranschlägen gewusst, spekuliert Harris in der «Financial Times». Mindestens ein Gruppenmitglied sei arabischer Abstammung gewesen, weiss er. Sie hätten sich ausserdem geweigert, die Video-, Audio- und Fotoaufnahmen der Veranstaltung auszuhändigen. Seit diesem Vorfall wird Harris nach eigenen Angaben vom FBI überwacht.

Sein Lebensstil hat sich über die Jahre drastisch verändert: Das Geld wurde immer knapper, ein Grossteil des Vermögens hat der ehemalige Multimillionär im März 2000 verspekuliert. Den Rest gab er für Kunstprojekte aus. Und so musste er aus der luxuriösen Loftwohnung in New York raus und in eine heruntergekommene Wohnung in einer verruchten Gegend in Las Vegas. Ob Harris wirklich verfolgt wird oder die FBI-Überwachung bloss in seinem Kopf stattfindet, ist nicht bekannt.

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