Was ein höheres Rentenalter für den Arbeitsmarkt bedeutet

Firmen werden motiviert, das Potenzial der älteren Arbeitnehmenden besser auszuschöpfen. Doch bei der Umsetzung zeigen sich Schwierigkeiten.

Ältere Arbeitnehmer besser integrieren: Das Ziel besteht, die Umsetzung happert. Foto: iStock

Ältere Arbeitnehmer besser integrieren: Das Ziel besteht, die Umsetzung happert. Foto: iStock

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Rentenalter 67. Diese Perspektive rückt mit dem Ja des Nationalrates zum Interventionsmechanismus bei der AHV einen Schritt näher. Einmal unabhängig davon, ob das Stimmvolk eine solche Anhebung annähme, stellt sich die Frage, wie der Arbeitsmarkt darauf reagieren würde.

Die Bedeutung von älteren Arbeitnehmenden als Mittel gegen den drohenden Fachkräftemangel ist bereits entdeckt worden. Beim Arbeitgeberverband ist ihre bessere Integration in den Arbeitsmarkt deshalb in der Priorität nach oben gerückt. Seit einigen Monaten bewirtschaftet der Verband dieses Thema sehr aktiv. «Aus demografischen Gründen werden in den nächsten zehn Jahren rund eine halbe Million Personen auf dem Arbeitsmarkt fehlen. Wer heute in der Wirtschaft das Potenzial der älteren Arbeitnehmenden erkennt, ist der Sieger von morgen», sagt Sprecher Fredy Greuter.

Die Arbeitgeber seien aufgrund des Fachkräftemangels und der sich abzeichnenden Begrenzung der Zuwanderung auf die älteren Arbeitnehmenden angewiesen. Der Trend zeige sich bereits in der Statistik, wo die Erwerbsbeteiligung der 55- bis 64-Jährigen überdurchschnittlich stark zugenommen habe. Und bei den über 65-Jährigen erziele ein Drittel weiterhin ein Erwerbseinkommen, «mit stark steigender Tendenz», wie Greuter sagt.

Länger im Arbeitsprozess zu verbleiben, verlangt den Arbeitenehmenden aber auch mehr ab. Greuter fordert sie auf, «ihre fachlichen und persönlichen Qualifikationen eigenverantwortlich weiterzuentwickeln und damit ihre Arbeitsmarktfähigkeit zu erhalten».

«Da tickt eine Zeitbombe»

So einfach, wie das klingt, ist es aber offensichtlich nicht ganz. Heidi Joos vom Verein «50plus outIn work» kommt mit älteren Arbeitnehmenden in Kontakt, die diese «Arbeitsmarktfähigkeit» verloren haben und keine Stelle mehr finden: «Bei uns rufen wöchentlich mindestens 20 Betroffene an, die ihr Schicksal erzählen wollen. Oft stehen sie kurz vor der Aussteuerung und dem Gang zum Sozialamt», erzählt sie.

Die Angst bei der Bevölkerung über 50 vor dem Jobverlust sei gross, das habe auch das Resultat der Abstimmung über die Masseneinwanderungsinitiative gezeigt. Deshalb ist Joos überzeugt: «Das Problem der Altersarbeitslosigkeit werde kleingeredet.»

Joos arbeitet ehrenamtlich als Geschäftsführerin für den Verein und kennt das Schicksal, mit über 50 arbeitslos zu werden, aus eigener Erfahrung. Sie fordert die Politik auf zu handeln: «Da tickt eine Zeitbombe», sagt Joos, da sich die Probleme mit der älter werdenden Bevölkerung verschärfen würden. «Nur appellieren, wie das der Bundesrat macht, reicht nicht, es braucht mehr Druck auf die Unternehmen, ältere Arbeitnehmende zu beschäftigen und verbindliche Vorschriften», sagt Joos.

Dass ältere Bewerber wegen ihres Alters nicht berücksichtigt würden, liege auf der Hand, sagt Joos. Doch heute würden ältere Kandidaten mit Standardfloskeln aus dem Bewerbungsprozess verabschiedet, sagt Joos. Die genauen Gründe erfahren sie nicht.

Für Joos ist klar: «Bevor man über ein höheres Rentenalter debattiert, muss dafür gesorgt werden, dass die über 45-Jährigen eine bessere Chance auf dem Arbeitsmarkt haben.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 29.09.2016, 18:25 Uhr

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