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Weniger Obstschnäppchen wegen April-Frost

Der Frost verknappt das Angebot an Kirschen und Zwetschgen aus der Schweiz. Die Preise dürften zwar nicht stark steigen – Aktionen für Schnäppchenjäger fallen aber wohl weg.

Kirschenernte: Der Frost schmälert die Erträge. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)
Kirschenernte: Der Frost schmälert die Erträge. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Schon jetzt kann man in der Schweiz Kirschen kaufen. Bei Coop und Migros stammen sie derzeit allerdings noch aus Spanien, das Pfund kostet mehr als acht Franken. In der Hochsaison wird der Preis tendenziell tiefer. Das ist im Juni und Juli der Fall, wenn auch die hiesigen Kirschen in den Verkauf gelangen. Normalerweise. Denn weil im April nach einer ersten Wärmeperiode das Thermometer nochmals unter null gefallen ist, wird es dieses Jahr weniger Schweizer Kirschen zu kaufen geben als in anderen Jahren. Der Schweizer Obstverband schätzt die Ernteausfälle aufgrund der Frostnächte bei den Kirschen auf rund drei Viertel einer Durchschnittsernte. Im Baselbiet, woher rund ein Drittel der Schweizer Tafelkirschen stammt, gehen die Produzenten sogar davon aus, heuer gar keine marktfähigen Tafelkirschen ernten zu können.

60 bis 70 Prozent weniger

Der Frost zog auch die Zwetschgen- und Aprikosenkulturen stark in Mitleidenschaft. Bei den Zwetschgen rechnet der Schweizer Obstverband mit einem Minderertrag von 60 bis 70 Prozent, bei den Aprikosen dürfte die Ernte nur halb so hoch wie in normalen Jahren ausfallen. Einzig die Beerenproduzenten sind einigermassen glimpflich davongekommen, Obstverband-Geschäftsführer Georg Bregy sprich von einem Minus von rund 10 Prozent.

In den Supermärkten wird von diesen schlechten Ernten kaum etwas zu spüren sein. Dass in den Läden wegen der frostbedingt kleinen Ernten zeitweise gar keine Kirschen, Aprikosen oder Zwetschgen angeboten würden, werde nicht der Fall sein, heisst es etwa von der Migros, auch wenn man die genauen Auswirkungen der Frostnächte auf das Früchteangebot noch nicht abschätzen könne. «Wir streben eine durchgehend gute Verfügbarkeit an und pflegen dafür langfristige Lieferantenbeziehungen», sagt aber eine Sprecherin der Migros. Gebe es nicht ausreichend Schweizer Früchte, komme mehr Importware in die Läden. Wobei die Kundschaft klar Ware aus Schweizer Obstkulturen bevorzugen würde.

Ähnlich tönt es bei Coop: Gebe es von einer Frucht kein oder nur ein kleines Angebot aus Schweizer Produktion, würden die Kunden auf andere Schweizer Früchte ausweichen oder aber sich für importierte Ware entscheiden, heisst es von der Pressestelle. Bisher seien indes keine Auswirkungen der frostigen Temperaturen auf das Früchteangebot spürbar. Welcher Einfluss der weitere Wetterverlauf auf die Ernten haben werde, müsse sich zuerst noch zeigen. Welchen Einfluss der Frost auf die Preise der Früchte haben könnte – dazu wollen sich weder Migros noch Coop äussern.

Georg Bregy vom Obstverband geht aber davon aus, dass sich das knappere Angebot kaum auf die Preise auswirkt.Da insbesondere die Grossverteiler mit ihren Lieferanten langfristige Beziehungen pflegten, gebe es bei den Preisen eine gewisse Stabilität. Zu spüren bekommen dürften den April-Frost aber Schnäppchenjäger: Preisaktionen, die es in Jahren grosser Ernten durchaus auch für Schweizer Früchte gibt, dürften dieses Jahr ausbleiben.

Dass in den Läden immer ausreichend Kirschen, Zwetschgen und Aprikosen verfügbar sein werden, davon ist aber auch Bregy überzeugt. Obwohl der Frost auch in anderen Regionen zugeschlagen hat – etwa im Süden Deutschlands oder in der Steiermark und in Südtirol –, zweifelt er nicht daran, dass immer ausreichend Importware verfügbar sein werde, um den Schweizer Markt zu versorgen.

Verarbeiter mit Engpässen

Mehr zu kämpfen haben werden mit dem Frost die Schweizer Lebensmittelverarbeiter. Das Interesse der Lebensmittelindustrie an inländischen Früchten hat in letzter Zeit zugenommen. Grund ist, dass regionale Produkte immer beliebter werden. Bei Produkten, die inländische Früchte enthalten, dürften Hersteller ihre Nachfrage kaum gedeckt bekommen, erklärt Bregy. Insbesondere sieht er einen Engpass bei Industriekirschen. «Wenn keine Vorräte vorhanden sind, werden die Lebensmittelverarbeiter sich anderswo eindecken müssen.»

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