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Und plötzlich zickt die Bankkarte

Eine Sicherheitsfunktion verhindert vielfach, dass im Ausland mit der Bankkarte Geld abgehoben werden kann. Was dahintersteckt.

Zeichnung: Felix Schaad
Zeichnung: Felix Schaad

Die Karte steckt im Schlitz, der PIN-Code ist eingegeben, die Bezugsfunktion ausgewählt, der gewünschte Betrag eingetippt. Danach tut sich lange nichts, bis der Bancomat auf einmal die Botschaft auf den Bildschirm projiziert: «Ihre Bank hat die Transaktion nicht autorisiert.» So oder so ähnlich passiert es immer wieder Schweizer Touristen, die dann ratlos und ohne Bargeld auf ausländischen Einkaufsstrassen stehen. Ihre Maestro-Karte verwehrt ihnen im Ausland überraschend den Dienst.

Was diese Reisenden oft nicht wissen: Der Grund für die merkwürdige Botschaft ist nicht, dass der Automat defekt ist. Auch haben sie ihre Limite nicht ausgeschöpft. Das Ganze ist so geplant. Viele Banken versehen die Karten ihrer Kunden mit einer Bezugssperre, die im Ausland aktiv wird. Bei einigen Instituten ist nur Westeuropa ausgenommen, bei anderen ganz Europa, bei einigen wiederum bleibt die ganze Welt frei. «Geoblocking» nennt man im Branchenjargon diesen Mechanismus.

Winzige Wanzen

Diese geografische Sperre wurde vor rund fünf Jahren eingeführt, als organisierte Banden massenweise Kartendaten von Schweizern stahlen. «Skimming» nennt man das. Die Gauner manipulieren dabei Bancomaten, Billettautomaten, Zahlterminals in Geschäften oder auch mit Kartenlesern ausgerüstete Türen zu Automatenzonen. Sie bringen spezielle Apparaturen an den Maschinen an, welche die Daten vom Magnetstreifen kopieren und die PIN-Nummer ausspähen. Mit den gestohlenen Informationen stellen die Kriminellen gefälschte Karten her und plündern mit diesen das Konto. So wurde über Fälle berichtet, in denen Daten am SBB-Automaten in Lausanne geklaut wurden und danach das Konto des Betroffenen von Nepal aus geplündert wurde. Inzwischen sind die dazu verwendeten Geräte winzig. Sie werden direkt in den Kartenleseschlitz der Automaten eingeführt und sind kaum mehr zu entdecken.

«Es handelt sich bei Skimming um ein spezialisiertes Geschäft, das technisches Know-how benötigt», sagt Cathy Maret, Sprecherin der Bundespolizei Fedpol. Es seien Kriminaltouristen aus der ganzen Welt, die in der Schweiz so Beute zu machen versuchen. Das Fiese an der Vorgehensweise: Die Bankkunden merken es meist nicht. Das Delikt fällt erst auf, wenn der Saldo auf Null steht oder auf der Monatsabrechnung merkwürdige Bezüge auftauchen. Geoblocking erschwert den Skimming-Banden das Handwerk. Denn wenn die Karten gesperrt sind, können sie mit den aus den gestohlenen Daten hergestellten Kopien in ihrer Heimat kein Geld abheben.

Infografik: Wie die Banken mit Bankkarten im Ausland umgehen

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«Die Erfahrungen sind sehr positiv. Wir können einen deutlichen Rückgang der Betrugsfälle feststellen», sagt eine Sprecherin der Credit Suisse. Die Berner Kantonalbank hält fest: «Wir verzeichneten einen Rückgang der Missbräuche.» Die Migros-Bank spricht von einer Eindämmung «auf ein paar wenige Einzelfälle» pro Jahr. Am genausten weiss es Maestro-Kartenherausgeberin SIX. In den letzten fünf Jahren ist die Zahl der Skimming-Fälle drastisch zurückgegangen, nämlich «um 80 Prozent», sagt ein Sprecher des Finanzdienstleistungsunternehmens.

Hinzu kommt, dass Bankkarten in grossen Teilen Europas von der betrugsanfälligen Uralttechnik Magnetstreifen auf den deutlich manipulationsresistenteren Chip umgestellt wurden. Geldbezüge sind darum mit gefälschten Bankkarten zumindest in weiten Teilen Europas nicht mehr möglich. «Es gibt immer wieder Attacken. Sie haben aber massiv abgenommen», heisst es denn auch bei der Bundespolizei. Heute zähle man noch einige wenige Dutzend Skimming-Angriffe pro Jahr.

Geoblocking bleibt wichtig

Ein Restrisiko bleibt aber, solange der Magnetstreifen noch auf der Karte bleibt, weil ihn Länder wie die USA, China, Indien oder Australien noch verlangen. Darum bleibt auch Geoblocking wichtig. Auch dieser Schutz ist indes nicht vollständig. Es bleibt Tätern eine Hintertür. Wird eine Karte in einem von der Bank noch freigeschalteten Land geskimmt – etwa wenn der Kunde in Los Angeles Urlaub macht – und werden die gestohlenen Daten gleich in den USA genutzt, sind weiterhin Schäden möglich.

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