Wenn es eng wird, dürfte Trump einlenken

China und die USA sind wirtschaftlich zu eng verflochten. Der Streit mit Huawei wird kaum in einen neuen Kalten Krieg münden.

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Der Lieferstopp von Google und anderen US-Techfirmen an Huawei eskaliert den Handelskrieg zwischen den USA und China auf eine höhere Stufe. Nun geht es nicht allein um die wirtschaftliche Zukunft des erfolgreichsten chinesischen Technologieunternehmens, sondern um die Beziehung zwischen den zwei grössten Wirtschaftsmächten.

Kann sich US-Präsident Donald Trump einen endlosen Konflikt leisten, wie er seit dem Kalten Krieg nicht mehr zu sehen war, wenn doch die Wirtschaften beider Länder enger denn je miteinander verflochten sind? Das Gegenstück zu Huawei auf amerikanischer Seite ist Apple. Ohne Foxconn und andere Tieflohnfirmen in China hätte Apple das iPhone kaum zum grössten Erfolg der jüngeren Technologiegeschichte machen können.

Zweifelsfrei profitierte auch China von den Apple-Aufträgen, doch der Preis war hoch, wie die miserablen Arbeitsbedingungen bei Foxconn zeigten. Das Beispiel illustriert aber auch, wie stark beide Länder in den letzten 20 Jahren dank solcher Unternehmen zusammengewachsen sind.

Märkte rechnen mit einer Lösung des Konflikts

Deshalb dürfte der Angriff auf Huawei kaum den Anfang eines neuen Kalten Kriegs an der technologischen Front bedeuten. China ist nicht die Sowjetunion der Nachkriegszeit, mit der die USA nur geringe wirtschaftliche Beziehungen unterhielten. China ist weit mächtiger, als es die Sowjetunion je war. Die Führung in Peking weiss das, und sie weiss auch, dass sich Trump keinen endlosen Handels­konflikt erlauben und Huawei nicht in den Ruin treiben kann. Der wahltaktische Schaden im einen und der Rückschlag für die US-Zulieferindus­trie im anderen Fall wären zu hoch.

Wenn es eng wird, hat Trump bisher noch immer eingelenkt, sei es mit Kanada und Mexiko beim Nafta-Nachfolgevertrag, mit den Autozöllen gegen die EU oder letztes Jahr beiden Sanktionen gegen den chinesischen Telecomausrüster ZTE. Es scheint, als ob die Finanzmärkte auch diesmal mit einer solchen Auflösung rechnen. Huawei könnte das Pfand sein, das beiden Seiten erlaubt, das Gesicht zu wahren.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 20.05.2019, 21:39 Uhr

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