Trio erhält Nobelpreis für den Kampf gegen die Armut

Der renommierteste Preis der Wirtschaftswissenschaften geht erstmals seit 2009 an eine Frau – und an zwei Amerikaner.

Der Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften geht an das Ehepaar Duflo/Banerjee sowie an Michael Kremer. Alle Preisträger sind US-Amerikaner und lehren an US-Universitäten, Esther Duflo ist zudem Französin. Quelle: Nobel Prize

Der Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften geht an das Ehepaar Duflo/Banerjee sowie an Michael Kremer. Alle Preisträger sind US-Amerikaner und lehren an US-Universitäten, Esther Duflo ist zudem Französin. Quelle: Nobel Prize

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Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften geht in diesem Jahr an die drei Ökonomen Abhijit Banerjee, Esther Duflo und Michael Kremer. Das Trio erhält die renommierte Auszeichnung für den experimentellen Ansatz zur Linderung der globalen Armut, wie die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Montag in Stockholm bekannt gab. Alle drei Preisträger lehren an US-Universitäten.

Die Erkenntnisse der drei Ökonomen hätten «unsere Fähigkeit, Armut zu bekämpfen, in der Praxis dramatisch verbessert», hiess es in der Begründung der Jury. So hätten die Forscher etwa gezeigt, wie sich die Schulbildung und die Gesundheit von Kindern mit kleinen, präzisen Schritten verbessern liesse. Mehr als fünf Millionen Kinder in indischen Schulen haben beispielsweise von ihren Programmen zur Lernunterstützung profitiert.

Die 1972 geborene Duflo ist erst die zweite Frau und zugleich die jüngste Person, die je den Wirtschaftsnobelpreis gewonnen hat. Unter den bisherigen Preisträgern tauchte nur eine Frau auf: Elinor Ostrom erhielt die Auszeichnung 2009, alle anderen Gewinner sind männlich.

Die 46-jährige Duflo, die die französische und die US-amerikanische Staatsbürgerschaft hat, ist mit dem gebürtigen Inder Banerjee (58) verheiratet, der ebenfalls ausgezeichnet wurde. Beide arbeiten am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT). Das frischgebackene Nobelpreisträger-Ehepaar hat ein gemeinsames Kind. Die beiden erhielten 2014 bereits gemeinsam den Albert-O.-Hirschman-Preis des Social Science Research Councils.

Duflo sagte, sie haben nicht damit gerechnet, schon in ihrem Alter mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet zu werden. Sie hätte gedacht, dass man viel älter sein müsse, um sich den Preis zu verdienen. Der Preis erfülle sie mit Demut und zeige, dass eine Frau erfolgreich sein könne und auch dafür ausgezeichnet werde. Und sie hoffe, dass sie damit viele, viele andere Frauen inspirieren könne, ihre Arbeit weiterzuführen – aber auch viele Männer, dass sie den Frauen den Respekt zollten, den diese verdienten.

Mit der Auszeichnung sind alle Träger der diesjährigen Nobelpreise verkündet worden. In der vergangenen Woche waren in Stockholm bereits die Auszeichnungen in den Kategorien Medizin, Physik, Chemie und Literatur vergeben worden, am Freitag folgte dann die Bekanntgabe des Friedensnobelpreisträgers in Oslo.

Alle Preise sind in diesem Jahr mit neun Millionen schwedischen Kronen (rund 912'000 Franken) dotiert. Dieses Preisgeld bekommen die Geehrten am 10. Dezember, dem Todestag von Dynamit-Erfinder Alfred Nobel, überreicht – zusammen mit einer Medaille und einer Urkunde.

Der Wirtschaftsnobelpreis ist der einzige der Nobelpreise, der nicht auf Nobels Testament zurückgeht. Er wird vielmehr seit Ende der 1960er-Jahre von der Schwedischen Reichsbank gestiftet und gilt somit streng genommen nicht als klassischer Nobelpreis.

Besonders häufig wurden US-Amerikaner ausgezeichnet, darunter auch die vor Duflo bisher einzige Frau, die Professorin Elinor Ostrom. (anf/sda)

Erstellt: 14.10.2019, 11:40 Uhr

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