Weshalb der Bitcoin ein Comeback feiert

Der Einstieg eines US-Vermögensverwalters in das Geschäft mit Bitcoin ist nur ein Treiber des aktuellen Höhenflugs. Experten warnen, dass mit starken Preisschwankungen zu rechnen ist.

Neuer Schub für die wichtigste Digitalwährung: Ein Gold-Bitcoin aus der Produktion des Herstellers
Sakamoto Metal in Tokio. Foto: Tomohiro Ohsumi (Getty Images)

Neuer Schub für die wichtigste Digitalwährung: Ein Gold-Bitcoin aus der Produktion des Herstellers Sakamoto Metal in Tokio. Foto: Tomohiro Ohsumi (Getty Images)

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Enthusiasten frohlocken bereits und sprechen vom Ende des harten und langen Krypto-Winters. Nach einem fulminanten Kursanstieg auf knapp 20'000 Dollar je Bitcoin Ende 2017 fiel der Wert bis im November des Folgejahres auf unter 4'000 Dollar. Dort verharrte er bis vor wenigen Wochen. Seit März verleihen einige erfreuliche Meldungen der wichtigsten Digitalwährung neuen Schub, diese Woche hat der Bitcoin die Marke von 8'000 Dollar geknackt.

Kommen die Profis?

Tatsächlich gibt es einige positive Entwicklungen, die den Bitcoin-Kurs beflügeln. So hat der grosse US-Vermögensverwalter Fidelity kürzlich verkündet, dass er seinen Kunden den Handel mit Kryptowährungen anbietet. Der Einstieg eines grossen Finanzdienstleisters in die Welt der Digitalwährungen ist auch ein Indiz für das Interesse von Profianlegern, die mit grösseren Summen in den Markt einsteigen könnten. Letzteres wird von verschiedenen Seiten als Grund für den Kursanstieg des Bitcoin genannt.

Doch Patrick Heusser, Handelsexperte bei der Crypto Broker AG, differenziert: «Die institutionellen Anleger halten sich bisher mit ihren Engagements noch zurück.» Grosse Fortschritte gebe es aber vonseiten der Finanzdienstleister, «die wie Fidelity jetzt mit soliden Kryptoprodukten auf den Markt kommen, die sich auch für institutionelle Anleger eignen».

Lucas Betschart, Präsident der Bitcoin Association Switzerland, verweist zudem darauf, dass inzwischen Dutzende von Schweizer Finanzinstituten Bitcoin und weitere Kryptowährungen anbieten. «Die Technologie macht Fortschritte – für Anleger wie auch für Anwender wird es zunehmend einfacher, mit Kryptowährungen umzugehen», ergänzt er.

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Dass mit Whole Foods eine Tochter des grossen Internethändlers Amazon nun Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptiert, dürfte bei einigen Anlegern ebenfalls für Zuversicht sorgen. «Manche spekulieren darauf, dass der gesamte Konzern früher oder später folgen könnte», sagt Heusser. Solche Ankündigungen haben eine gewisse Bedeutung, da Bitcoin immer noch in erster Linie der Spekulation dient und als Zahlungsmittel kaum akzeptiert ist.

In den vergangenen Tagen ist der Bitcoin besonders stark gestiegen. Experten führen dafür markttechnische Gründe an. Es gab viele Anleger, die auf einen Kurszerfall des Bitcoin spekuliert hatten. Da aber der Kurs stark zulegte, wurde es für diese Anleger am Ende zu teuer, um ihre sogenannten Short-Positionen weiterhin zu halten.

Kryptowährungen waren immer schon extremvolatil. Und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.

In den vergangenen Tagen lösten sie deshalb mit Verlust relativ grosse Volumen auf, wie Stefan Lütolf, Handelsexperte bei der Krypto-Finanzdienstleisterin Bitcoin Suisse, erläutert. Fachleute sprechen in diesem Fall von einem «Short Squeeze», das die Nachfrage erhöht und damit den Preis weiter hinauftreibt.

Obwohl auch solche markttechnischen Gründe den Bitcoin stärkten, glauben die befragten Experten, dass nun der Krypto-Frühling zurückkehrt. «Doch die Eisheiligen sollten nicht vergessen werden», warnt zugleich Patrick Heusser von der Crypto Broker AG. Kryptowährungen waren immer schon extremvolatil. Und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Heusser sagt, dass kurzfristige Kursrückschläge von 1000 bis 1500 Dollar nicht auszuschliessen seien. In der Vergangenheit reichten verschiedentlich schon einzelne Negativmeldungen von an Kryptobörsen verschwundenen Geldern, um den Kurs des Bitcoin abstürzen zu lassen.

Grosse Preisunterschiede

Bemerkenswert ist schliesslich, dass der Bitcoin seit Jahresbeginn deutlich stärker zugelegt hat als andere Kryptowährungen. Sein Anteil am Total aller Kryptowährungen beläuft sich derzeit auf ein Hoch von über 60 Prozent. Gegenüber dem Dollar sind zwar auch die Altcoins – das sind andere relevante Kryptowährungen wie Ether oder Ripple – gestiegen. Gegenüber dem Bitcoin haben sie aber teilweise deutlich an Wert verloren.

Ein Grund dafür könnte sein, dass Anleger mit ihren Altcoins auf die Rally beim Bitcoin aufspringen wollten. Experten gehen davon aus, dass es früher oder später wieder zu einer Korrektur zugunsten der Altcoins kommt.

Erstellt: 15.05.2019, 22:19 Uhr

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