Die Angst vor Facebook-Währung wächst

Facebooks Gelüste, eine neue Kryptowährung einzuführen, sollen reguliert werden. Das fordert der Chef der weltweiten Finanzaufsicht.

Bereits ab nächstem Jahr will Facebook mit der eigenen Währung namens Libra loslegen. Bild: Getty Images

Bereits ab nächstem Jahr will Facebook mit der eigenen Währung namens Libra loslegen. Bild: Getty Images

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Libra wie auf Lateinisch Waage: So soll eine neue Weltwährung heissen, die Facebook lancieren will. Doch es gibt Widerstand. Nun hat sich der Chef der obersten Aufseher der internationalen Finanzwelt des sogenannten Financial Stability Board (FSB) eingeschaltet. In diesem Gremium sitzen die wichtigsten Notenbanken der Welt, auch die Schweizerische Nationalbank. Es ist nicht der erste Angriff von Regulatoren auf die Facebook-Währung.

Randal Quarles heisst der Chef des FSB. In einem Brief hat er sich im Vorfeld des G-20-Gipfels zu Libra geäussert. Er schreibt, dass eine breitere Verwendung neuer Arten von Kryptowährungen wie Libra für den Massenzahlungsverkehr eine genaue Prüfung durch die Behörden erfordere.

Dies, um sicherzustellen, dass solche Währungen hohen Regulierungsstandards unterliegen. «Das FSB wird die Risiken sehr genau und koordiniert überwachen und bei Bedarf zusätzliche multilaterale Massnahmen in Betracht ziehen», schreibt Quarles im Brief weiter.

Mit seiner Kritik ist Quarles nicht alleine. Auch andere Währungshüter haben sich nach der Verkündigung der Pläne letzte Woche dafür ausgesprochen, dass Libra reguliert werden muss. So etwa Repräsentanten des Internationalen Währungsfonds oder der englischen Notenbank. Von der Bank of England heisst es etwa, dass eine solche Weltwährung den höchsten Standards der Regulierung unterliegen müsste.

Nationalbank bleibt entspannt

Etwas anders sieht es die Schweizerische Nationalbank. Direktor Thomas Moser hatte sich am Dienstag an einer Kryptoveranstaltung in Zug entspannt gezeigt ob der neuen Währung. Das Weissbuch, das die Grundlagen von Libra aufzeigt, sehe professionell aus.

Auch wenn die SNB etwas aus der Reihe tanzt: Die Tatsache, dass sich nun auch der Chef des FSB einschaltet, zeigt, dass Libra von Anfang an eng begleitet werden wird. Zu gross ist die Angst, dass die Währung das Finanzsystem destabilisieren könnte.

Denn mit rund 2,7 Milliarden Nutzern hat Facebook – zusammen mit Whatsapp und anderen Diensten aus dem Hause Zuckerberg – das Potenzial, der Währung zum Durchbruch zu verhelfen. Sie könnte nicht zuletzt das globale Finanzsystem komplett verändern.

Die Behörden tun gut daran, von Anfang an genau hinzuschauen. Das sieht auch UBS-Chef Sergio Ermotti so. An einer Veranstaltung sagte er, dass die Gefahr bestehe, dass die neuen Player sich so schnell im Finanzwesen breitmachen, dass die Regulierer der Entwicklung hinterherzuhinken drohen. Mit Blick auf die geplante Digitalwährung Libra von Facebook sieht Ermotti die Banken durch Regulierung geschützt. «Für einmal sollte Regulierung helfen.»

Bitcoin im Aufwind

Bereits ab nächstem Jahr soll die Währung zur Verfügung stehen. Sie beruht auf der Blockchain-Technologie, soll aber anders als andere Kryptowährungen keinen grossen Schwankungen unterworfen sein. Dies versucht Facebook mit einer Absicherung in anderen Währungen zu erreichen. Die berühmteste Kryptowährung Bitcoin hat im letzten Jahr eine Berg-und-Tal-Fahrt hinter sich. Momentan steigt der Kurs wieder stark an.

Facebook zielt mit seiner Weltwährung unter anderem darauf ab, dass Menschen, die heute kein Bankkonto haben, künftig über Libra Überweisungen tätigen. Hinter den Plänen hat das soziale Netzwerk bereits namhafte Partner vereinen können. So etwa Visa, Paypal oder Mastercard.

Zuerst will Facebook mit Libra vor allem Überweisungen zwischen einzelnen Währungen ermöglichen. Doch in einem weiteren Schritt will man eine weitreichend einsetzbare Währung schaffen. Spätestens dann kämen die Währungshüter und Regulatoren ins Spiel.

Erstellt: 26.06.2019, 17:31 Uhr

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