Wie Steuerämter massiv sparen können

Immer mehr Firmen treiben Geld elektronisch ein – doch die Steuerrechnung kommt immer noch auf Papier. Warum das so ist.

Auf den kantonalen Steuerämtern (unser Bild stammt aus St. Gallen) geht es nach wie vor sehr «papierig» zu und her. Foto: Gaetan Bally (Keystone)

Auf den kantonalen Steuerämtern (unser Bild stammt aus St. Gallen) geht es nach wie vor sehr «papierig» zu und her. Foto: Gaetan Bally (Keystone)

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Es ist einer der Briefe, die wir mit spitzen Fingern aus dem Briefkasten holen: jener, der uns daran erinnert, dass wir bald die Steuererklärung ausfüllen müssen. In fast allen Kantonen lässt sich das mittlerweile elektronisch erledigen, was das Ganze vereinfacht. Doch die Rechnung kommt am Ende meistens noch per Post.

Das überrascht. Denn immer mehr Unternehmen setzen auf die elektronische anstatt die Papierrechnung. Auf die also, die nicht im Briefkasten landet, sondern direkt im E-Banking-Konto. Das koste weniger, sagen die Firmen. Der Unternehmensberater PWC spricht von einem Einsparpotenzial von bis zu 70 Prozent, verglichen mit dem herkömmlichen Papierprozedere. Der ­E-Rechnungs-Anbieter Six schätzt, dass jede Papierrechnung «unnötigen Aufwand» von bis zu 5 Franken verursacht.

Elektronisch wird offenbar auch zuverlässiger bezahlt. Das zeigen Studien, und das sagt auch der Telecomanbieter UPC: Verzug komme bei E-Rechnungen weniger vor, wodurch die Kosten für Mahnungen abnähmen, so ein Sprecher. Ausserdem sei die Kundenzufriedenheit höher. Um die Menschen umzuerziehen, setzen Firmen deshalb auch auf Sanktionen, zum Beispiel Gebühren für Papierrechnungen.

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Erst sieben Kantone dabei

Auch der Bund macht bei der Umerziehung mit. Seit 2016 verlangt die Bundesverwaltung von ihren Lieferanten, dass sie ihre Rechnungen ab einem Wert von 5000 Franken elektronisch einreichen. Sie will damit Effizienzgewinne realisieren, weil sie weniger Dokumente scannen und digitalisieren muss.

Infografik: Welche Kantone die Steuerrechnung auch elektronisch verschicken Grafik vergrössern

Zwischen 2012 und 2014 hat der Bund im Rahmen des Aktionsplans E-Government Schweiz ausserdem mehrere entsprechende Projekte unterstützt. Die Kantone Genf, Graubünden und Neuenburg erhielten insgesamt 50'000 Franken, um die Einführung der E-Steuerrechnung voranzutreiben. Sie gehören neben Schaffhausen, Baselland, Bern und Waadt zu den sieben Kantonen, in denen Steuern auch elektronisch eingefordert werden. Grundsätzlich seien die Kantone in dieser Sache autonom, sagt Philipp Rohr, Sprecher der Eidgenössischen Finanzverwaltung.

In technologischer Hinsicht wären viele Kantone jetzt schon in der Lage, ­E-Rechnungen einzuziehen, sagt ein Mitarbeiter der Softwarefirma KMS. Diese arbeitet mit mehreren Steuerämtern zusammen und hat eine Vision für die Zukunft: Eines Tages soll jeder die Möglichkeit haben, seine Steuerangelegenheiten wahlweise nur noch über ein Onlinekonto abzuwickeln. Dort könnte er etwa sein Einkommen erfassen, Änderungen vornehmen, Rechnungen empfangen oder Fristen verlängern.

In den meisten Kantonen ist dieses Szenario noch weit weg. Erschwert wird die Digitalisierung, weil die Steuerrechnung Verfügungscharakter hat. Das heisst: Der Empfänger muss auch auf digitalem Weg seine Zustimmung geben und Einspruch erheben können.

100'000 Franken sparen

Einzelne Steuerverwalter zweifeln auch daran, dass sich mit E-Rechnungen wirklich Geld sparen lässt. Die Vermittlungsgebühren seien dafür noch zu hoch, sagt einer von ihnen. Auch sei das Interesse bei den Bürgern nicht besonders gross. St. Gallen prüfte vor vier Jahren die Einführung der E-Steuerrechnung und kam zum Schluss, dass sie teurer wäre als die bestehende Papierlösung. Heute sei das Preis-Leistungs-Verhältnis zwar besser, sagt Amtsleiter Felix Sager. «Wir planen aber gerade ein neues kantonales E-Portal mit den Gemeinden und wollen deshalb vorerst ­abwarten.»

In den meisten anderen angefragten Kantonen klingt es ähnlich – ausser bei der Steuerverwaltung des Kantons Bern. Sie ist eine digitale Vorreiterin und kennt die E-Steuerrechnung schon seit 2010. 32'000 der insgesamt 720'000 Steuerpflichtigen nutzen bislang die Möglichkeit. «Es werden monatlich mehr», sagt Yvonne von Kauffungen, Sprecherin der Steuerverwaltung. Die Bürger seien sehr zufrieden, auch für die Behörde lohne es sich. «Pro Jahr sparen wir etwa 100'000 Franken ein, weil wir weniger Couverts, Papier und Porto brauchen.» Würde nur schon jeder Dritte in Bern auf die elektronische Lösung umschwenken, betrüge das Sparpotenzial mehr als 740'000 Franken.

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Erstellt: 19.02.2017, 19:36 Uhr

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