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Wie die Credit Suisse von Ghanas Schokolade-Boom profitieren will

Der ghanaische Präsident Akufo-Addo besucht die Schweiz. Die CS finanziert sein ambitioniertes Wirtschaftsprogramm.

Jorgos Brouzos
Gute Beziehungen zur Schweiz: Ghanas Präsident Nana Addo Dankwa Akufo-Addo (rechts) empfängt Ex-Bundesrätin Doris Leuthard 2017 in Accra. Foto: Alexandra Wey (Keystone)
Gute Beziehungen zur Schweiz: Ghanas Präsident Nana Addo Dankwa Akufo-Addo (rechts) empfängt Ex-Bundesrätin Doris Leuthard 2017 in Accra. Foto: Alexandra Wey (Keystone)

Für einen ganzen Schweizer Industriezweig ist er einer der wichtigsten Entscheidungsträger: Ghanas Präsident Nana Addo Dankwa Akufo-Addo. Ghana ist der Hauptlieferant für den Kakao, der in der Schweizer Schokolade steckt. Und auch wenn der Konsum in der Schweiz zurückgeht, steigt der Export stetig an.

Die Reise Akufo-Addos ist aber auch aus einem anderen Grund speziell: Es ist der erste offizielle Schweiz-Besuch eines afrikanischen Staatsoberhauptes seit 60 Jahren. Der 75-jährige Akufo-Addo folgt damit einer Einladung von Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga. Akufo-Addo ist seit drei Jahren Staatschef und will Ghana zur führenden Wirtschaftsnation auf dem Kontinent machen.

Das Land mit rund 30 Millionen Einwohnern gilt auf dem Kontinent als Vorzeigedemokratie. Der Internationale Währungsfonds stellte kürzlich fest, dass die wirtschaftlichen Aussichten Ghanas sehr gut seien. Das liege an der vorausschauenden Wirtschaftspolitik, der attraktiven Rohstoffindustrie und einem verlässlichen Bankensystem. Von diesem Ruf will die Nation profitieren. Ghana soll der Hub für Exporte aus Afrika in die Welt werden, so Finanzminister Ken Ofori-Atta kürzlich gegenüber Bloomberg.

Staatliche Qualitätskontrolle

In den Plänen der Regierung kommt der Schweiz eine grosse Bedeutung zu – vor allem die Credit Suisse soll bei der Finanzierung helfen. Obwohl die ghanaische Volkswirtschaft relativ klein ist, ist Ghana nach Südafrika der zweitwichtigste Handelspartner der Schweiz in Afrika. Schweizer Firmen beziehen von dort vor allem Gold und Kakao. Der Fokus beim aktuellen Staatsbesuch liegt auf der Kakao-Branche, so Sommarugas Sprecherin Géraldine Eicher. Das zeigt sich auch im Programm: Akufo-Addo soll am Samstag mit seiner Entourage die Halba-Schokoladenfabrik in Pratteln BL besuchen.

Für die enge Beziehung zu Ghana gibt es einen einfachen Grund: «Die Qualität von Kakao aus Ghana ist sehr gut», so Chocosuisse-Direktor Urs Furrer. Das liege an der staatlichen Qualitätskontrolle des Rohstoffs durch die ghanaische Behörde Cocobod. Zudem gilt die Elfenbeinküste, der wichtigste Exporteur von Kakao, für die meisten Schweizer Abnehmer als zu heikel. Laut dem Kinderhilfswerk Unicef ist dort Kinderarbeit noch weit verbreitet.

Es gibt aber auch an Cocobod Kritik: Das Monopol als Grossabnehmer und einziger Exporteur begünstige Korruption. Ein Bericht der Weltbank bemängelte 2017 massive Probleme bei der Behörde: Sie bezahle die Bauern schlecht und sorge so für Armut. Akufo-Addo hat sich zur Aufgabe gemacht, diese Missstände anzugehen.

Erinnerungen an Moçambique

Den wirtschaftlichen Aufschwung in Ghana und die steigende Nachfrage nach Kakao will auch die Credit Suisse nutzen. Die zweitgrösste Schweizer Bank hat kürzlich zusammen mit der Afrikanischen Entwicklungsbank einen Kreditvertrag über 600 Millionen Dollar abgeschlossen, um den Kakao-Sektor in Ghana anzukurbeln.

Nicht nur das: Staatspräsident Akufo-Addo propagiert derzeit eine neue Industrieinitiative für exportorientierte Unternehmen. Zu den wichtigsten Finanzierern zählt die CS, sie hat kürzlich zusammen mit der lokalen Exim-Bank eine Finanzierung über 100 Millionen Dollar abgeschlossen. Schon dieses Jahr sollen dort 20 Exportfabriken fertiggestellt werden, das Wirtschaftsprogramm soll insgesamt 280’000 Jobs schaffen.

«Die CS ist schon lange in Ghana tätig und betrachtet das Land als einen strategischen Schlüsselmarkt für ihr Geschäft in Sub-Sahara-Afrika», so ein Sprecher der Bank. Ghana sei aufgrund der wachsenden Mittelschicht und der zunehmenden Industrialisierung interessant. Die CS sei auch bestrebt, dringend benötigte Kapitalinvestitionen zu arrangieren, um wichtige Infrastrukturprojekte zu finanzieren.

Das Engagement in Ghana weckt Erinnerungen an Moçambique. Dort hätten mit sogenannten Thunfisch-Anleihen mehrere Projekte, unter anderem eine Thunfisch-Fangflotte, finanziert werden sollen. Die CS half ab 2012 zusammen mit der russischen Bank VTB, Kredite an staats­nahe Unternehmen im Umfang von mehr als 2 Milliarden Dollar zu organisieren.

Dann versickerte ein Grossteil des Geldes bei Bankern, Regierungsmitgliedern, Investoren und zweifelhaften Firmen. Die Kredite platzten, die Staatsschulden schossen in die Höhe, und auf den Aufschwung im Land folgte eine schwere Krise. Die Behörden ermitteln. Die Bank gibt die Schuld für den Skandal einigen Ex-Mitarbeitern, von deren Verhalten sie nichts habe wissen können.

Geringer Flächenertrag

Nun will sie sicherstellen, dass sich eine solche Geschichte in Ghana nicht wiederholt. «Wir haben in den letzten fünf Jahren unsere Rahmenbedingungen für die Einhaltung und Kontrolle der Vorschriften erheblich verbessert», so ein Sprecher. Zudem habe man internationale Standards für die Schuldentransparenz mitentwickelt, das verhelfe den Entwicklungsländern zu einem besseren Zugang zu den Kapitalmärkten.

Auch wenn die Vorzeichen für Ghana gut stehen, bestehen für die hiesigen Kakao-Abnehmer noch einige Probleme. Der Schokoladenverband will darauf einwirken, dass sich Ghana zusammen mit den Verarbeitern für bessere Lebensbedingungen der Landbevölkerung einsetzt. «Kinderarbeit ist zwar verboten, doch kommt sie abseits der grossen Zentren noch immer vor», so Furrer.

Besonders in ländlichen Gegenden bleibt der Lebensstandard der Bauern tief. Dies hat auch mit dem tiefen Flächenertrag zu tun, der zu geringen Einnahmen führt. In Ghana beträgt er 400 Kilo Kakao pro Hektare, in Südamerika sind es 1000 Kilo pro Hektare. Es lohnt sich laut Furrer, mit einzelnen Bauern zusammenzuarbeiten und bei deren Betrieben für Verbesserungen zu sorgen. Andere Bauern würden dann nachziehen – und so ihre Ernte steigern.

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