Wie in einem miesen Film

Reporter Mario Stäuble über den 1MDB-Skandal und die Schweizer Banken.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ein solches Skript würde ein Hollywoodproduzent niemals einkaufen – zu unrealistisch. Vier Milliarden Dollar soll eine Seilschaft aus malaysischen Geschäftsmännern und Politikern aus dem Staatsfonds 1MDB abgesogen haben. In der Hauptrolle ein gut 30-­jähriger Investor, der einem Zauberlehrling gleich Hunderte Millionen von Konto zu Konto hext und nebenbei Penthouses in Manhattan und Meisterwerke von Monet zusammenrafft. In den Nebenrollen: ein Premierminister, der ganz offiziell erklären lässt, eine unerklärliche Millionenzahlung auf sein Konto sei ein «Geschenk» eines Royals aus Saudiarabien. Ein Whistleblower, der tot aufgefunden wird, einbetoniert in ein Ölfass. Ein Schweizer Kronzeuge, der unter fragwürdigen Umständen in einem Gefängnis in Bangkok festsitzt. Und mittendrin: der Schweizer Finanzplatz.

Inzwischen ist ein halbes Dutzend Schweizer Geldhäuser ausdrücklich in Justizdokumenten ­genannt. Dabei dachte man doch, die Compliance- Abteilungen seien inzwischen so gross und die Kenne- deinen-Kunden-Regeln so scharf, dass solche Milliarden-Waschaktionen sofort abgeklemmt würden.

Der Fall 1MDB zeigt, dass die Schweizer Banken ein Problem mit Importrisiken ­haben.

Offenbar nicht. Der Fall 1MDB zeigt, dass die Schweizer Banken ein Problem mit Importrisiken ­haben. Sei es ein Kunde aus einem fernen Land, der über eine Offshoregesellschaft ein Konto in der Schweiz hält, sei es ein ausländischer Ableger der Bank selbst, dessen lokale Repräsentanten toxische Kundschaft an Bord holen. In beiden Fällen ist das Problem dasselbe – es ist nicht einfach, herauszufinden, ob der gut dotierte Consultingvertrag, den der vermögende Herr aus einem Schwellenland als Erklärung für eine Überweisung vorlegt, real oder nur gut erfunden ist. Schweizer Banken, besonders auch die kleineren, müssen genügend Ressourcen bereitstellen, um solche Schwindler herausfiltern zu können. Auch wenns auf die Marge drückt.

Denn von Geschichten wie jener des Staatsfonds 1MDB will man abends im Kinosessel bei Popcorn erfahren. Und nicht morgens in der S-Bahn, beim Lesen des Nachrichtenteils.

Erstellt: 29.07.2016, 23:00 Uhr

Mario Stäuble

Artikel zum Thema

Der Kronzeuge sollte schweigen

Der Schweizer Xavier Justo, Schlüsselfigur im 1MDB-Skandal, sitzt in Bangkok im Gefängnis. Seine Ehefrau erhebt schwere Vorwürfe gegen Justos Ex-Arbeitgeber. Mehr...

«Kontrollversagen» bei der UBS

Laut Singapurer Finanzaufsicht funktionierten die Anti-Geldwäsche-Checks der Grossbank im Fall des malaysischen Skandals nicht. Es drohen «strenge Massnahmen». Mehr...

1MDB-Affäre reicht bis in die Langstrasse

Die Geldwäscherei-Affäre um den Staatsfonds 1MDB wuchert – auch in der Schweiz. Nun hat der Bund Kunstwerke im Wert von fast 100 Millionen Dollar konfiszieren lassen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Willkommen auf dem E-Bauernhof

Im Jahr 2050 gilt es, 9,8 Milliarden Menschen zu ernähren. Somit muss bis dann die Nahrungsmittelproduktion weltweit um 70 Prozent erhöht werden.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Klimawand: Andres Petreselli bemalt in San Francisco eine Hausfassade mit einem Porträt von Greta Thunberg. (8. November 2019)
(Bild: Ben Margot) Mehr...