Wir Heimchen am Herd

Die Credit Suisse bemüht sich um Gleichstellung. Und scheitert.

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Frauen verdienen im Schnitt immer noch 600 Franken weniger als Männer. Der Ständerat stritt gestern über die Frage, warum das so sei. Die Unterschiede seien halt «gottgegeben», fand SVP-Ständerat Hannes Germann. Seine Kollegin Anita Fetz von der SP machte unbewusste Rollenbilder verantwortlich.

Was Fetz damit meint, verdeutlicht die Credit Suisse in ihrer neuesten Studie zum Immobilienmarkt. Es ging um Leerstände, Rendite, Baubewilligungen – eine trockene Angelegenheit. Man kann es der Bank nicht verübeln, dass sie etwas Schwung in die Sache bringen wollte. Mit einem Kapitel, das sich der «klaren Rollenteilung zwischen Mann und Frau» beim Hauskauf widmete. Die CS hatte Makler und Finanzierungsspezialisten dazu befragt.

«Sinnliche» und «verspielte» Kampagnen

Das Fazit: «Küche, Nachbarn und Kinderfreundlichkeit sind die wichtigsten Kriterien für sie. Finanzielles, Parkplätze und Technik wichtig für ihn.» Die CS schliesst daraus: Mann und Frau ergänzten sich gut. Sie «unterstützen sich gegenseitig optimal und stellen sicher, dass nichts vergessen geht». Was heisst das nun für gleichgeschlechtliche Paare? Das bleibt offen.

Es ist natürlich denkbar, dass viele Paare, die sich gemeinsam ein Haus kaufen, eine traditionelle Rollenverteilung haben. Denkbar ist aber auch, dass in der Studie vor allem Männer zu Wort kamen. Die Befragung war anonym, die CS kann nicht sagen, wie gross der Frauenanteil war. Gerade beim Thema Gleichstellung müsste man das aber wissen. Sonst läuft man Gefahr, Stereotypen zu verfestigen statt sie bloss aufzuzeigen.

Mit ihrer Stereotypenzementierung ist die CS derzeit in guter – oder eher: schlechter – Gesellschaft. Schweiz Tourismus gab vor kurzem bekannt, Frauen jetzt gezielter ansprechen zu wollen – mit «sinnlichen» und «verspielten» Kampagnen. Was auch immer das heissen soll.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.02.2018, 19:02 Uhr

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