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Wo bleibt der Plan B der Banken?

Die Bankiervereinigung warnt vor den Folgen der Negativzinsen. Doch Alternativen dazu nennt sie keine. Das ist zu wenig.

Wird von der Bankiervereinigung für seine Zinspolitik kritisiert: SNB-Präsident Thomas Jordan. Foto: Keystone
Wird von der Bankiervereinigung für seine Zinspolitik kritisiert: SNB-Präsident Thomas Jordan. Foto: Keystone

Mit ihrer Kritik an den Negativzinsen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) will die Bankiervereinigung eine Debatte um die Geldpolitik ­anstossen. Das ist ein berechtigtes Vorhaben. Doch allein die aktuelle Geldpolitik abzulehnen, wie es die Banken in ihrer gestern vorgelegten Studie tun, das greift zu kurz.

Denn die von den Banken vorgebrachten Argumente gegen die Negativ­zinsen sind hinlänglich bekannt: ­Minuszinsen fördern gefährliche Preis­blasen, etwa im Schweizer Immobilienmarkt, ruinieren auf Dauer die Pensionskassen und enteignen die Sparer. Doch an diesem Punkt fangen die spannenden Fragen erst an: Was, bitte, wäre die Alternative?

Die Schweiz ist geldpolitisch keine Insel. Sie muss das internationale Umfeld beachten, allen voran die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Und die hat klargemacht, dass sie noch sehr lange sehr tiefe beziehungsweise gar negative Zinsen beibehalten will.

Soll sich die SNB weiter emanzipieren und ihre Geldpolitik normalisieren, selbst wenn die EZB damit noch lange zuwartet?

Das heisst nicht, dass die Schweizerische Nationalbank der Geldpolitik der EZB in Frankfurt blind folgen muss. Die SNB hat sich bereits ein Stück weit emanzipiert und den jüngsten Zinsschritt der EZB nicht nachvollzogen. Das ist ein Anfang.

Damit steht die Frage im Raum: ­Soll die SNB sich weiter emanzipieren und ihre Geldpolitik normalisieren, selbst wenn die EZB damit noch Jahre zuwarten will? Und wenn ja, was wären dann die Kosten dieser Politik? Konkret: Welcher Franken-Euro-Kurs wäre auf Dauer für die Schweizer Wirtschaft verkraftbar? Oder wäre die Schweiz bereit, dass sich die Bilanz ihrer Notenbank durch weitere Devisenkäufe noch weiter aufbläht, um den Franken-Euro-Kurs in wirtschaftlich verkraftbaren Dimensionen zu halten? Auf all diese wichtigen Fragen sagt die Bankiervereinigung – nichts. Darauf ­angesprochen, versteckt sich der Verband hinter dem Verweis auf die Unabhängigkeit der Notenbank.

Doch wer A sagt, sollte auch B sagen. Oder besser schweigen.

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