Wo die Schweizer mit dem teuersten Hausrat wohnen

Ein Vergleich der Versicherungssummen in verschiedenen Regionen zeigt, wer am meisten für seine Einrichtung ausgibt.

Blick in die Schweizer Stuben: Gegenüber der Hausratversicherung müssen Versicherte angeben, wie viel Möbel, Fernseher oder eine allfällige Kunstsammlung gekostet haben.

Blick in die Schweizer Stuben: Gegenüber der Hausratversicherung müssen Versicherte angeben, wie viel Möbel, Fernseher oder eine allfällige Kunstsammlung gekostet haben. Bild: Siggi Bucher/Keystone

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Der Luxus ist längst nicht nur an der Goldküste zu Hause: Den teuersten Hausrat in der Schweiz besitzen die Mieter(innen) und Hauseigentümer(innen) des Waadtländer Landbezirkes Gros-de-Vaud.

Der Online-Vergleichsdienst Comparis.ch hat Anfragen für Hausratversicherungen analysiert und festgestellt, dass die Versicherungssumme für 4,5- bis 6-Zimmer-Wohnungen 128'000 Franken im Median beträgt.

Auf Platz zwei folgt nicht etwa die Goldküste, mit je 125'000 Franken rangieren Morges und Nyon. Meilen schafft es immerhin auf den dritten Platz, den sich der Goldküstenbezirk mit dem freiburgischen La Broye teilt. Das Inventar wird dort im Median mit je 120'000 Franken versichert.

89 Schweizer Bezirke analysiert

Insgesamt hat Comparis laut Mitteilung 89 Schweizer Bezirke analysiert. «Es war überraschend, dass neben dem Goldküstenbezirk Meilen nicht auch der Bezirk Horgen auf den vorderen Plätzen rangiert», sagt Comparis-Finanzexperte Frédéric Papp.

Zwar lässt sich kaum jemand gerne von Fremden ins Portemonnaie oder in die eigene Stube schauen, allerdings gibt es Ausnahmen: Versicherungen müssen wissen, was ihre Kunden besitzen. Comparis analysierte die über den eigenen Vergleichsrechner angefragte Hausrat-Versicherungssumme für verschiedene Wohnungsgrössen. «Die Höhe der Versicherungssumme orientiert sich unter anderem an der Wohnungsgrösse, dem Einrichtungsstandard und der Anzahl Personen in einem Haushalt», erklärt Papp, wie die Wertermittlung abläuft. User müssen beispielsweise auch angeben, was ihr Schmuck, Fernseher und die allfällige Kunstsammlung gekostet haben.

Relevant für die Erhebung ist, wie viele Menschen in einer Wohnung oder einem Haus leben. In Gros-de-Vaud betrage die durchschnittliche Haushaltsgrösse im Schnitt 2,52 Personen und zähle damit zur nationalen Spitze. Der Schweizer Schnitt liegt bei 2,23 Personen. In Nyon und Morges liegen die Werte ebenfalls höher als der Landesdurchschnitt.

Den Vergleich zwischen Zürcher Goldküste und Stadt Zürich entscheidet die Goldküste ganz klar für sich, wie der Analyse zu entnehmen ist: Die für eine Hausratversicherung angefragte Versicherungssumme einer 4,5- bis 6-Zimmer-Wohnung im Goldküsten-Bezirk Meilen beträgt demnach 120'000 Franken. Das sind immerhin 20 Prozent mehr als in der Stadt Zürich, wo ein Median von 100'000 Franken ermittelt worden ist.

Meilen kommt zugleich auf den höchsten Wert im Kanton Zürich. «In Meilen liegt der Steuerfuss im Vergleich zu Zürich deutlich tiefer, was vermögende Leute anzieht. Und wer mehr Geld im Portemonnaie hat, leistet sich tendenziell einen teureren Hausrat», sagt Papp. Comparis untermauert das mit Zahlen: Im Bezirk Meilen liegt die Kaufkraft pro Kopf mit 69'208 Franken demnach deutlich über dem Schweizer Schnitt von 45'578 Franken. In der Stadt Zürich beträgt die Kaufkraft pro Kopf zwischen 51'047 und 54'693 Franken, wie es mit Bezug auf eine Kaufkrafterhebung des Marktforschungsinstituts GFK heisst.

In den Städten liegen die Medianwerte teils deutlich unter den Werten der ländlichen Bezirke.

Am unteren Ende bei den 4,5- bis 6-Zimmer-Wohnungen liegt der Kanton Obwalden mit einem Wert von 93'250 Franken. Nur etwas höher versichern die Menschen in Sitten und St. Gallen ihren Hausrat mit 93'500 und 94'000 Franken.

Der Vergleich der Versicherungssummen zwischen ländlichen und städtischen Bezirken sowie steuerlich attraktiven Vorortsgemeinden zeigt: Städte liegen generell tiefer. «Das ist eine Beobachtung, die für die ganze Schweiz gilt», sagt Papp. In Zürich, Luzern, Basel, Genf und St. Gallen liegen die Medianwerte über alle Wohnungsgrössen betrachtet teils deutlich unter den Werten der ländlichen Bezirke, wo die Wohnungen also teurer eingerichtet sind.

Mögliche Gründe: In den Städten gibt es mehr Einpersonenhaushalte bei eher teurerem Wohnraum als auf dem Land. Zudem ziehen junge Leute tendenziell lieber in ein städtisches Umfeld, während Familien eher ländliche Regionen vorziehen.

Der Spitzenwert vom Zürichsee

Bei den analysierten 3- bis 4-Zimmer-Wohnungen liegen Einwohner des Schwyzer Bezirks Höfe am Zürichsee vorne: Diese versichern ihr Hab und Gut demnach mit 80'000 Franken. Höfe hat eine durchschnittliche Pro-Kopf-Kaufkraft von 98'975 Franken. Das ist hierzulande der höchste Wert, wie Comparis schreibt. Das steuergünstige Höfe mit den drei Gemeinden Freienbach, Feusisberg und Wollerau gilt bekanntermassen ein populärer Wohnort für vermögende Personen.

Im Berner Jura BE fällt die Versicherungssumme hingegen mit 58'000 Franken pro Haushalt am tiefsten aus. In zwölf anderen Bezirken, darunter Thun BE, Sissach BL oder La Gruyère FR sind es jeweils nur 62'000 Franken.

Comparis wertete laut Finanzexperte Papp Zehntausende Anfragen im Zeitraum von 2014 bis 2018 aus. Die Analyse umfasst nicht die gesamte Schweiz, da nicht für jeden Bezirk die erforderliche Anzahl von Offerten vorgelegen hätten. Allerdings sei bei allen Wohnungsgrössen jeweils der Grossteil der Schweiz erfasst worden.

Die Analyse stützt sich laut Papp auf den Median als Vergleichswert. Der Median ist jener Wert, der bei einer Auflistung von Daten die Mitte markiert. Der Median ist jener Wert, der bei einer Auflistung von Daten die Mitte markiert. «Es handelt sich im Vergleich zum Durchschnitt um den robusteren Wert, da extreme Schwankungen etwa durch einzelne, sehr teuer versicherte Wohnungen nicht so stark ins Gewicht fallen», sagt Papp.

Erstellt: 02.04.2019, 12:40 Uhr

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