Wo man in der Schweiz am günstigsten lebt

Wohnen, Pendeln, Krippe: Nicht überall kostet das Leben gleich viel. Eine Studie zeigt, für wen sich ein Wohnortswechsel lohnt.

Frei verfügbares Einkommen in den Schweizer Gemeinden: Werte über Null bezeichnen ein höheres, Werte unter Null ein tieferes frei verfügbare Einkommen. Grafik: Credit Suisse

Frei verfügbares Einkommen in den Schweizer Gemeinden: Werte über Null bezeichnen ein höheres, Werte unter Null ein tieferes frei verfügbare Einkommen. Grafik: Credit Suisse

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Mit einem Wohnortswechsel – teilweise bereits in die nahe Umgebung – können Schweizer Haushalte beträchtliche Einsparungen erzielen und ihr Budget optimieren. Dies zeigt eine heute veröffentlichte Studie der Credit Suisse. Sie hat das frei verfügbare Einkommen in rund 2'300 Gemeinden und Quartieren der Grossstädte berechnet, das einem Haushalt nach Abzug sämtlicher wohnortsgebundenen Kosten übrig bleibt.

Wie in der letzten Berechnung im Jahr 2011 erreicht Uri das grösste frei verfügbare Einkommen («Regional Disposable Income», RDI) und damit die höchste finanzielle Wohnattraktivität aller Kantone. Genf und Basel-Stadt sind mit Abstand am unattraktivsten, aber auch Zürich, Neuenburg, Basel-Land und Waadt werden negativ bewertet.

Frei verfügbares Einkommen in den Schweizer Kantonen (RDI-Indikator) 2016. (Grafik: Credit Suisse)

Uri und Glarus belegen die Spitzenplätze, weil sie neben geringen Wohnkosten eine moderate Steuerbelastung und vergleichsweise geringe Krankenkassenprämien bieten. Eine hohe finanzielle Wohnattraktivität resultiert gemäss den Ökonomen der Credit Suisse aus geringen Fixkosten oder geringen obligatorischen Abgaben. In den Kantonen Genf und Basel-Stadt ist dies nicht gegeben. Hier bleibt bei gleichem Einkommen am Ende des Monats weniger Geld für den freien Konsum übrig.

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Mitentscheidend für das Haushaltsbudget sind neben Mieten, Steuern und Krankenkasse auch Immobilienpreise, Pendelkosten und Kinderbetreuung. Insgesamt leben Familien, die ihre Kinder in Krippen betreuen lassen, in den Kantonen Wallis, Jura und Freiburg am günstigsten. Westschweizer Kantone weisen tendenziell höhere Familienzulagen, Krippensubventionen und Betreuungsabzüge auf und sind für Familien mit Fremdbetreuung insgesamt attraktiver als die Deutschschweiz.

«Ein Umzug in ländliche Gemeinden lohnt sich in den meisten Fällen.»Credit Suisse

Insgesamt ist festzustellen, dass Agglomerationen und ländliche Gegenden punkto Wohnen finanziell attraktiver sind als städtische. Trotz höherer Mobilitätskosten lohnt sich laut der Credit Suisse ein Umzug in ländliche Gemeinden in den meisten Fällen – rein finanziell betrachtet. Aufgrund geringerer Wohnkosten lebt es sich dort meist günstiger als im Zentrum.

Dies zeigt sich exemplarisch in Zürich. Während drei Stadtkreise die geringste Wohnattraktivität aufweisen, sind es drei Agglomerationsgemeinden, welche die Spitzenplätze belegen:

Top- und Flop-Wohnorte in der Agglomeration Zürich. (Grafik: Credit Suisse)

Gerade bei wenig Verdienenden (bis 5'021 Franken pro Monat) lohnt sich ein Wohnortswechsel von einer städtischen in eine ländliche Gemeinde. Denn die Wohnkosten machen für sie oft über 30 Prozent des Bruttoeinkommens aus. Die durchschnittliche Monatsmiete für eine 4-Zimmer-Wohnung mittleren Ausbaustandards kostet im Schweizer Durchschnitt 1865 Franken. In einigen Stadtkreisen von Zürich und Genf müssen Mieter für ein vergleichbares Objekt hingegen 3000 Franken hinblättern.

Zudem stellen die Krankenkassenprämien für tiefere Einkommensklassen eine deutlich höhere Belastung dar, als für besser Verdienende. Auch hier zeigt sich: In Zentren und Städten wie Zürich, Bern, Basel oder Genf sind die Prämien teurer.

Erstellt: 13.12.2016, 10:17 Uhr

Das frei verfügbare Einkommen

Die finanzielle Wohnattraktivität einer Gemeinde kann mittels des frei verfügbaren Einkommens dargestellt werden. Es bezeichnet den Betrag, der einem Haushalt unter Berücksichtigung aller Einkommenskomponenten und nach Abzug sämtlicher Zwangsabgaben und Fixkosten für den privaten Konsum zur Verfügung steht.

Da dieser Wert je nach den spezifischen Eigenschaften eines Haushalts variiert, haben die Ökonomen der Credit Suisse das frei verfügbare Einkommen für eine Vielzahl von modellhaften Haushaltstypen in den rund 2'300 Schweizer Gemeinden berechnet und einen Indikator für das frei verfügbare Einkommen in den Schweizer Kantonen und Gemeinden erstellt («Regional Disposable Income» oder RDI-Indikator). Werte über Null bezeichnen ein höheres, Werte unter Null ein tieferes frei verfügbare Einkommen als im Landesmittel.

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