Zackiger Abgang aus dem Banken-Machtzentrum

Bruno Frick, Wirtschaftsanwalt und Ex-Ständerat, tritt von seiner Finma-Position zurück. Spielen Interessenkonflikte eine Rolle?

Mit Interessenkonflikten «sauber und korrekt umgehen»: Anwalt Bruno Frick. Foto: Urs Flüeler (Keystone)

Mit Interessenkonflikten «sauber und korrekt umgehen»: Anwalt Bruno Frick. Foto: Urs Flüeler (Keystone)

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Bruno Frick ist eine illustre Figur, bodenständig, vernetzt, vermögend. Rechtsanwalt mit eigener Kanzlei in Zürich und Schwyz, CVP-Aushängeschild der Zentralschweiz, Langzeit-Ständerat. Und in den letzten vier Jahren Sitz im Verwaltungsrat der Finanzmarktaufsicht Finma in Bern. Diese Woche meldeten Frick und die Bankenaufsicht, dass sie getrennte Wege gehen würden. Der Grund: Fokus auf die Anwaltstätigkeit. «Die Kanzlei läuft so gut, da musste ich mich entscheiden: Finma oder Anwalt», sagt Frick im Gespräch. «Letzteres hat gewonnen.»

In einer Woche feiert Frick seinen 64. Geburtstag. Er wolle nochmals Gas geben im Beruf, meint der Schwyzer. Er habe die letzten vier Jahre gerne bei der Finma im Verwaltungsrat verbracht und finde, er sei «ein wertvolles Mitglied in einer ereignisreichen, schwierigen Zeit» gewesen. Aber der Aufwand sei gross. Pro Monat habe er sicher drei bis vier volle Tage für das Mandat aufgewendet. Irgendwann sei es ihm zu viel geworden, weil es ihm in der Kanzlei gut laufe. Deshalb der Entscheid.

Illustre Klientel

Frick und sein Partner Max Roesle bilden eine regelrechte Paradeplatz-Kanzlei. Roesle Frick & Partner heisst sie, hat ihr Zürcher Hauptbüro am Bleicherweg, in Gehdistanz zum Bankenzentrum. Ein Zweitbüro gibt es in Pfäffikon SZ. Die Mandate von Frick, Roesle und Kurt Langhard, einem ihrer Partner im Büro in Zürich, lesen sich wie ein kleines «Who is who» der momentan spannendsten Fälle: Max Roesle betreut die Geschwister Burkard im epischen Streit um die Vorherrschaft bei der Sika. Roesle ist nichts weniger als der Vertrauensmann der schwerreichen Familie, die ihr Aktienpaket nach Frankreich verkaufen will, von der Sika-Führung aber gebremst wird.

Kurt Langhard, der einst in der Rechtsabteilung der Zürcher Kantonalbank ein aufsteigender Stern war, ist mit der Fifa beschäftigt. Er nimmt die Interessen eines der vielen Beschuldigten im weltumspannenden Korruptionsfall wahr. Langhard spielte auch eine prominente Rolle im ganzen Komplex von Whistleblower Rudolf Elmer und der Zürcher Privatbank Julius Bär. Eine Detektivüberwachung, welche die Bank Bär gegen ihren Ex-Kadermann Elmer angestrengt hatte, endete in einem Debakel. Die Bank musste Elmer über eine halbe Million zahlen, damit Elmer seine Klagen gegen die Verantwortlichen zurückzog.

Bruno Frick schliesslich hatte im ganzen Swissair-Nachlass von Beginn weg eine wichtige Aufgabe. Er wurde in den Gläubigerausschuss gewählt und vertrat dort die Interessen der geschädigten früheren Geschäftspartner der untergegangenen Fluggesellschaft. Zusammen mit Liquidator Karl Wüthrich war Frick zuständig dafür, dass werthaltige Swissair-Tochtergesellschaften verkauft wurden.

«Rechtlich alles sauber»

Ein Verkauf von Mitte 2005 gibt bis heute zu reden. Es geht um Avireal, die Immobiliengesellschaft der Swissair-Gruppe, die unter anderem den Hauptsitz des einstigen Wirtschafts-Aushängeschilds der Schweiz auf dem Klotener Balsberg besass. Avireal wurde an Remo Stoffel und seinen Partner verkauft. Die beiden gerieten sich danach in die Haare, es obsiegte der Bündner Stoffel. Der macht seither mit seinen ehrgeizigen Geschäften wie dem Turm von Vals von sich reden. Eine seiner wichtigsten Geschäftsbanken ist die Bank Bär.

Da schliesst sich der Kreis. Frick-Kanzleipartner Langhard war im «heissen» Fall Elmer für die Zürcher Privatbank tätig, Frick spielte eine Rolle beim Verkauf der Avireal an Stoffel, der seinerseits eng mit der Bär-Bank verbunden ist. Diese wiederum kann bei der Finma zum Thema werden, wenn die Frage auftaucht, welche Risiken die Julius Bär eingeht und ob sie die Vorgaben der Aufsicht einhält.

Tätigkeiten hüben wie drüben und damit auch mögliche Interessenkonflikte, könnte man meinen. Für Bruno Frick lässt sich das in der kleinen Schweiz nicht verhindern. «Wenn man Leute aus der Praxis will, gibt es immer das Dilemma von Interessenkonflikten», führt der Alt-CVP-Politiker aus. Damit, so Frick, müsse man einfach «sauber und korrekt umgehen». Das sei bei ihm selbstverständlich immer der Fall gewesen. Wenn er bei seiner Aufgabe als VR-Mitglied der Finma mit einer Firma in Kontakt gekommen sei, für die er oder seine Kanzlei tätig gewesen sei, dann sei er immer in den Ausstand getreten. Und wenn die Finma eine neue Regulierung oder ein Rundschreiben vorbereitet habe, dann habe er dieses Thema mit den Kollegen in seiner Kanzlei nie aufgebracht.

Schweigen und vor die Tür stehen – das gehöre sich, und daran habe er sich immer gehalten. Vor allem bei Kunden mit heiklen Themen wie Fifa, Bär und Swissair. Er und seine Kollegen hätten «interessante Kunden und Fragestellungen in der Kanzlei», doch bei denen würde «rechtlich alles sauber» laufen.

Erstellt: 24.05.2017, 18:47 Uhr

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