Zu viel oder zu wenig Arbeit

Hunderttausende in der Schweiz haben unfreiwillig mehrere Jobs.

Männer mit hohem Bildungsstand üben häufiger mehrere Beschäftigungen aus als solche mit einem tiefen.

Männer mit hohem Bildungsstand üben häufiger mehrere Beschäftigungen aus als solche mit einem tiefen. Bild: Gaetan Bally/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Rund 400'000 Personen in der Schweiz haben mehrere Jobs – und 344'000 arbeiten unfreiwillig zu wenig. Seit der Finanzkrise haben beide Zahlen stark zugenommen. Wer sind diese Leute, und warum machen sie das?

Zu dieser Frage gibt es wenig Fakten. Neun Jahre alt ist die letzte Studie zu den atypisch-­prekären Arbeitsverhältnissen (Tieflohn, Arbeit auf Abruf, Heimarbeit, temporär).

Damals waren 140'000 Personen in schwierigen Verhältnissen angestellt. Dieser Wert dürfte nun deutlich höher sein, denn die Finanzkrise und die Frankenstärke haben den Arbeitsmarkt beeinflusst.

Es gibt auch Indizien dafür, dass manche diese Arbeitsbedingungen mögen.

Aus einer anderen Analyse aus dem Jahr 2007 geht hervor, dass ein Drittel der Mehrfach­erwerbstätigen ein Vollpensum leisten und zusätzlich auch noch einen Tag pro Woche Teilzeit arbeiten. Überdurchschnittlich oft ist dies bei Männern der Fall: Zwei von drei arbeiten mehr als Vollzeit. Schwer vorstellbar, dass rund 66'000 Männer dies aus Spass tun.

Ausserdem molocht die Hälfte dieser Leute gelegentlich oder regelmässig abends oder nachts. Besonders ausgeprägt ist auch dies bei Männern. Zwei von drei arbeiten, wenn andere feiern oder ruhen. Jeder fünfte Nebenerwerb erfolgt auf Abruf.

Es gibt aber auch Indizien dafür, dass manche diese Arbeitsbedingungen mögen. Deutlich mehr Schweizer als Ausländer haben zwei oder mehr Jobs: 7 Prozent versus 4 Prozent. Auch üben Männer mit hohem Bildungsstand häufiger mehrere Beschäftigungen aus als solche mit einem tiefen. Bei den Frauen sind diese Unterschiede nicht markant: Schweizerinnen haben nur wenig häufiger mehrere Jobs als Ausländerinnen, und das Bildungsniveau hat kaum Einfluss. Dass überdurchschnittlich viele 45- bis 65-Jährige mehrfach arbeiten, dürfte mit ihren Kindern zusammenhängen. 12 Prozent dieser Erwerbstätigen sind Mütter von unter 15-Jährigen. Der Wert ist doppelt so hoch wie bei Vätern. Dass sie es trotzdem tun, ist wohl, weil sie im Teil-Homeoffice flexibler sind als Vollzeit arbeitend. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.07.2017, 19:31 Uhr

Artikel zum Thema

Die «Unterbeschäftigten»

Hunderttausende Teilzeiter in der Schweiz würden ihr Pensum gerne aufstocken – ohne Erfolg. Also helfen sie sich selber. Mehr...

Die interaktive Arbeitslosengrafik

Ist Ihr Kanton, Geschlecht und Alter besonders stark betroffen? Mit dieser interaktiven Grafik können Sie die Entwicklung der Arbeitslosigkeit in verschiedenen Bevölkerungsgruppen vergleichen. Mehr...

«Unser System ist besser als der Durchschnitt»

Interview Marc Stoffel führt ein Unternehmen, bei dem die Angestellten über fast alles abstimmen können: was die Firma macht, wer Chef wird und wer gehen muss. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Wer wird Präsident? Ein traditionell gekleideter Chilene, ein sogenannter Huaso, verlässt nach seiner Stimmabgabe in Santiago die Wahlkabine. (19. November 2017)
(Bild: Esteban Felix/AP) Mehr...