SBB reagieren auf tragischen Tod und passen Abfertigung an

Die Bundesbahnen ändern die Reihenfolge bei der Abfertigung der Unglückswagen. Damit soll die Sicherheit erhöht werden.

Ein SBB-Techniker präsentiert den Einklemmschutz anlässlich eines Point de Presse zur Sicherheit von Zugtüren. (4. August 2019)

Ein SBB-Techniker präsentiert den Einklemmschutz anlässlich eines Point de Presse zur Sicherheit von Zugtüren. (4. August 2019) Bild: Ennio Leanza/Keystone

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Die SBB reagieren auf den tödlichen Unfall von Anfang August. Der Abfertigungsprozess bei den Unglückswagen wird nun doch, anders als zuerst kommuniziert, angepasst. Damit soll die Sicherheit für Personal und Passagiere erhöht werden, heisst es in einer Mitteilung der SBB. Die Änderung wird ab Ende September in Kraft treten und so lange gelten, bis die Türen der betroffenen Einheitswagen IV mit modernen Sicherheitssystemen ausgestattet sind.

Neu sollen die Zugbegleiter erst im Zug drin eine SMS an den Lokführer senden, um anzuzeigen, dass der Zug nun abfahrbereit ist. Bisher lief das Prozedere andersrum ab: Zuerst gab der Zugbegleiter die Abfahrerlaubnis, danach löste er das Schliessen der Türen aus, stieg ein und schloss seine eigene Türe. War auch diese letzte Türe geschlossen, zeigte dies eine Lampe im Führerstand an und der Zug durfte in Bewegung gesetzt werden.

Beim Unfall von Baden im August, bei dem ein Zugbegleiter ums Leben kam, funktionierte der Einklemmschutz nicht richtig. In der Folge wurde der Zugbegleiter eingeklemmt. Trotzdem erlosch im Führerstand die Lampe und zeigte so an, dass die Türe zu sei und der Lokführer abfahren könne. Das neue Abfahrprozedere soll solche Fälle nun verhindern.

Kehrtwende der SBB

Bereits kurz nach dem Unfall hatte die Gewerkschaft SEV darauf gedrängt, den Abfahrtsprozess aus diese Weise anzupassen. Die SBB hingegen sahen noch Mitte August keinen Grund, dieser Forderung nachzugeben. In einer Mitteilung hiess es damals: «Der Abfertigungsprozess ist für Mitarbeitende und Reisende sicher. Er bewährt sich in der Praxis.» Die Zugbegleiter wurden damals noch einmal über das genaue Vorgehen bei der Abfertigung informiert.

Kurz darauf teilten die SBB mit, dass man den Abfertigungsprozess noch einmal genauer anschauen werde. Der Prozess sei sicherheitsrelevant, deshalb gelte Qualität vor Tempo bei allfälligen Änderungen, hiess es Ende August. Nun kommt es also doch noch zu Anpassungen.

Nicht überall möglich

Das neue Abfertigungsprozedere wird nicht an allen Bahnhöfen umgesetzt werden können. An rund einem Fünftel wird die Abfahrerlaubnis an fix installierten Kästen auf den Perrons gegeben. Grossmehrheitlich werden diese Bahnhöfe auch von Kompositionen mit Einheitswagen IV angefahren, wie ein SBB-Sprecher auf Nachfrage sagt. Dort bleibe das Prozedere gleich wie bisher. Die Zugbegleiter erteilen die Abfahrerlaubnis also weiterhin von ausserhalb des Zuges und steigen dann ein.

Der angepasste Prozess ist nicht die einzige Massnahme, welche die SBB nach dem Unfall getroffen haben. So wurde etwa alle Wagen des Typs Einheitswagen IV überprüft. Zum Vorschein kamen Hunderte Mängel, teilweise auch sicherheitsrelevante. Ebenfalls verfügte das Bundesamt für Verkehr, dass die Türen mit einem moderneren Sicherheitssystem ausgestattet werden müssen. Dies soll bis 2024 abgeschlossen sein, wie SBB-Personenverkehrschef Toni Häne Ende August sagte. Die Kosten liegen zwischen 20 bis 30 Millionen Franken.

Erstellt: 23.09.2019, 12:19 Uhr

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