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Zwei Milliardäre streiten sich um einen Mega-Deal

Warren Buffett ist bekannt für seine ehernen Prinzipien. Der Gründer eines aggressiven Hedgefonds will nun testen, wie viel sie ihm wert sind.

Andreas Flütsch
Angriffig: Paul Singer, Chef des Hedgefonds Elliott, hat sich in Warren Buffetts Pläne eingemischt. Fotos: Getty Images
Angriffig: Paul Singer, Chef des Hedgefonds Elliott, hat sich in Warren Buffetts Pläne eingemischt. Fotos: Getty Images

Warren Buffett ist es nicht gewohnt, dass man ihm einen Mega-Deal streitig macht. Am Freitag hatte der legendäre Investor und Grossaktionär von Berkshire Hathaway einen Deal über 18 Milliarden Dollar mit der texanischen Stromfirma Oncor bekannt gegeben. Normalerweise kehrt dann Ruhe ein, weil Buffetts Team die übernommene Firma hinter den Kulissen effizient und unauffällig integriert.

Doch für einmal muss sich Buffet, mit 75 Milliarden Dollar Vermögen einer der reichsten Männer der Welt, auf etwas einstellen, was er bisher wie die Pest ­gemieden hat – Streit in aller Öffentlichkeit, und das womöglich über Jahre. Denn der Angreifer ist ausgerechnet Paul Singer. Ja genau, das ist der US-­Milliardär und Gründer des US-Hedgefonds Elliott Management, der Argentinien 15 Jahre lang vor Gericht bekämpfte, bis die Regierung 2,4 Milliarden Dollar Altschulden beglich. Den Verkauf des italienischen Turbinenbauers Ansaldo an den japanischen Konzern Hitachi bekämpft Singer seit zwei Jahren mit Prozessen und Protesten bei Aufsichtsbehörden.

Verfahrene Ausgangslage

Jetzt wittern Singer und sein Hedgefonds, der 33 Milliarden Dollar von Investoren verwaltet, erneut das grosse Geld. Buffett wolle Oncor und ihr texanisches Stromübertragungsnetz viel zu günstig einheimsen, behauptete Elliott Management diese Woche. Man wolle eine Konkurrenzofferte einreichen und für Oncor 18,5 Milliarden Dollar bieten – eine halbe Milliarde mehr als Buffett.

Durchsetzen wird sich diesmal aber nicht notwendigerweise das höhere Angebot. Dazu sind die Verhältnisse zu kompliziert. Denn Oncor gehört der Holding EFH, die im 2007 von mehreren US-Beteiligungsfirmen für 45 Milliarden Dollar aufgekauft wurde und später unter dem Schuldenberg zusammenbrach. Nach einem langwierigen Konkursverfahren ist klar: Das einzige wertvolle Aktivum von EFH ist ihre Stromnetz-Tochter Oncor, um die sich nun die zwei Milliardäre streiten.

Als Singer im Frühling den Braten zu riechen begann, kaufte sein Hedgefonds im grossen Stil Schulden der Oncor-Mutter EFH auf. Der Preis war günstig, da viele Investoren die Geduld verloren hatten und aussteigen wollten. Inzwischen kontrolliert Elliott Management laut dem «Wall Street Journal» 74 Prozent einer bestimmten Klasse von Schuldpapieren der Holding EFH – und hat damit einen Hebel gegen Buffett in der Hand. Der Verkauf von Oncor muss nämlich von einem Gericht genehmigt werden. Dieser Schritt ist nötig, da die Oncor-Eigentümerin EFH ein Konkursverfahren durchlaufen hat. Das Gericht kann den Verkauf an Buffett nur dann bewilligen, wenn unter anderem genügend Gläubiger der Holding EFH ihre Zustimmung geben.

Dieses Ja dürfte sich Singers Elliott Management als grösster Gläubiger von EFH teuer bezahlen lassen. Der Hedgefonds kann den Deal einfach blockieren, wenn Buffett sein Angebot nicht genügend aufstockt und mehr zahlt als die zuletzt gebotenen 18,5 Milliarden Dollar. Wenn Buffett nicht einlenke, lässt Singer durchblicken, werde sein Hedgefonds Oncor halt selber kaufen, unterstützt von anderen Investoren.

Lieber kein Deal als ein Kampf

Singers Schwachpunkt ist, dass ihm im Markt niemand so recht glaubt, dass er Oncor wirklich will. Und Buffett ist berühmt für sein eisernes Prinzip, sich niemals auf einen Bieterwettstreit einzulassen – und Deals sofort fallen zu lassen, die nach allzu viel Ärger aussehen. Kommt hinzu, dass neben dem Konkursrichter auch noch die texanische Aufsichtsbehörde für den Strommarkt einem Deal ihre Zustimmung geben muss. Bei dieser Behörde geniesst Buffett als langfristig denkender Unternehmer weit mehr Goodwill als ein Finanzinvestor wie Singer, der spätestens nach fünf Jahren Kasse machen will. Buffett hat versprochen, dass Oncor nach einem Kauf intern finanziell abgeschirmt werde, damit deren 10 Millionen Kunden im Süden der USA nichts zu befürchten haben – selbst im höchst unwahrscheinlichen Fall, dass seine hoch solide Beteiligungsfirma Berkshire Hathaway pleitegehen sollte.

Wer am Ende als Sieger vom Platz geht, ist alles andere als klar. Wobei Buffett kein Deal vermutlich lieber ist als ein schlechter. Denn kommt er Singer gross entgegen, muss Buffett befürchten, dass er künftig bei jedem neuen Deal von Trittbrettfahrern kräftig zur Kasse gebeten wird.

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