Starökonom legt sich mit Krypto-Fans an

Einen vernichtenden Befund zu Bitcoin & Co. legt Nouriel Roubini im US-Senat vor. Die Retourkutsche folgt prompt.

Im Fokus der Bitcoin-Fans: Starökonom Nouriel Roubini wehrt sich gegen die Twitter-Angriffe.

Im Fokus der Bitcoin-Fans: Starökonom Nouriel Roubini wehrt sich gegen die Twitter-Angriffe. Bild: Lucy Nicholson/Reuters

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Nouriel Roubini ist sich hitzige Debatten gewohnt. Der in Italien aufgewachsene Starökonom ist bekannt für seine pointierten Meinungen und scheut sich nicht, sie in der Öffentlichkeit zu verteidigen. Doch nun stellt er sich in den sozialen Medien einer Diskussion, die ihm besonders viel abverlangt. Denn Roubini ist vor wenigen Tagen bei einer Anhörung vor dem US-Senat als Experte zu neuen Digitalwährungen wie dem Bitcoin aufgetreten. Dort liess er keine Zweifel aufkommen, dass er nichts von Kryptowährungen hält.

Auf mehr als dreissig Seiten führt Roubini aus, warum das so sei. Es handle sich bei den Kryptowährungen um die Mutter aller Betrugsmaschen und (nun geplatzten) Blasen. Der Bitcoin, als das berühmteste Beispiel der neuen Währungen, werde dominiert von zweifelhaften Kreisen aus Russland und China, somit sei er alles andere als unabhängig.

Für diese Schattenmänner die Zentralbanken aufgeben zu wollen, die Hüter der klassischen Währungen, sei Wahnsinn. Zu allem Übel sei der Energieverbrauch der Währung unnötig gross. Die Blockchain, eine Technologie, die vielen Digitalwährungen zugrunde liegt, sei völlig überschätzt und nichts anderes als eine einfache Tabelle oder Datenbank.

Für seinen vernichtenden Befund wird der Starökonom von der Kryptogemeinde seit Tagen heftig kritisiert. Zahlreiche Nutzer auf dem Kurznachrichtendienst Twitter greifen ihn an. So wird ihm Ahnungslosigkeit vorgeworfen, weil er sich mit den neuen Währungen nicht auskenne. Er sei nur ein alter Mann, der die neuen Technologien nicht verstehe. Zudem sei er befangen, weil er Banken berate. Die hätten wohl kein Interesse an der neuen Konkurrenz und nur Angst um ihre Position.

Fast jeder Kritiker bekommt eine Antwort

Roubini wurde zum Teil auch persönlich attackiert. Er lässt sich aber kaum aus der Ruhe bringen. Diejenigen, die unter die Gürtellinie zielten, stellt er öffentlich bloss. Offenbar gingen Roubinis Gegner sogar so weit, dass sie versuchten, sein Twitter-Konto zu hacken. Aber: Roubini antwortete in den letzten Tagen auch zahlreichen Kritikern und ging auf ihre Argumente ein. Von seiner Meinung abbringen liess er sich aber nicht.

Die gemässigteren Anhänger der Kryptogemeinde fordern, dass sich Roubini öffentlich mit Vitalik Buterin messen soll. Der junge Unternehmer ist der Gründer der Kryptowährung Ethereum und gilt als einer der Vordenker der Krypto-Szene. Ethereum wurde in Zug lanciert, ist aber 2017 weggezogen. Roubini hat Buterin und seine Währung bereits früher kritisiert.

Duell der Koryphäen

Roubini und Buterin haben sich zu einem Treffen bereit erklärt – uneinig sind sie sich aber darüber, wie es abgehalten werden soll. Mehrere Bitcoin-Enthusiasten wollen nun den Anlass finanzieren. Das wiederum ruft Bitcoin-Kritiker auf den Plan, die es falsch finden, dass dies mit Geld aus ihrer Ansicht nach zweifelhaften Quellen geschehen soll.

Die Debatte im US-Senat kommt zum richtigen Zeitpunkt. Denn in den vergangenen Wochen wurde oft über die Folgen der Finanzkrise diskutiert. Sie hat vor zehn Jahren die Welt in Atem gehalten und dazu geführt, dass die Suche nach Alternativen zum bestehenden Finanzsystem angekurbelt wird. Neue digitale Währungen, wie eben der Bitcoin, gewannen in den letzten Jahren an Beachtung.

Doch nicht nur sie profitieren von der Finanzkrise. Sie verhalf auch Ökonom Roubini zu globalem Ruhm. Denn er zählt zu den wenigen Wissenschaftlern, die damals das Aufziehen einer weltweiten Wirtschaftskrise voraussagten. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 16.10.2018, 14:03 Uhr

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