«Das sind unglaubliche Falschaussagen»

In einem Interview mit den AZ-Zeitungen behauptete AZ-Verleger Peter Wanner, dass die Druckauflage der Basler Zeitung unter 50'000 Exemplare gefallen sei. BaZ-CEO Bollmann ist verärgert und widerspricht deutlich.

Die Auflage der BaZ beträgt derzeit 65'000 Exemplare.

Die Auflage der BaZ beträgt derzeit 65'000 Exemplare. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Herr Bollmann, in den AZ-Medien äusserte sich AZ-Verwaltungsratspräsident Peter Wanner heute über die Auflage und die Abonnenten-Zahlen der Basler Zeitung. Er sagt, «gemäss verlässlichen Quellen» sei die BaZ-Auflage auf unter 50'000 Exemplare gesunken. Und die Abonnentenzahlen näherten sich in der Region Basel «dem Vernehmen nach» der 40'000er-Marke. Sind Sie erschrocken?
Gestern betrug die BaZ-Auflage 65'000 Exemplare, davon waren 60'563 zahlende Abonnenten. Dazu kommen noch rund 2000 Exemplare tägliche Kioskverkäufe. Und in der Region Basel, dem WG 31, sind es noch mehr als 55'000 zahlende Abonnenten.

Die von Peter Wanner genannten Zahlen sind also falsch?
Die von Peter Wanner kommunizierten Zahlen sind nicht nur falsch, seine Aussage ist ein absoluter Skandal. Er verwechselt offenbar sein eigenes Wunschdenken mit einer «verlässlichen Quelle». Es ist unglaublich, dass ein Verleger in seiner eigenen Zeitung solche Falschaussagen macht.

AZ-Verleger Wanner sitzt im Verwaltungsrat der WEMF, die für die Beglaubigung der Auflagen der Zeitungen zuständig ist. Hat er möglicherweise aus dem Nähkästchen geplaudert?
Die Zahlen sind aktuell so, wie ich sie soeben gesagt habe. Also auch das Nähkästchen der WEMF könnte keine anderen Zahlen kommunizieren. Aber es ist doppelt schlimm, wenn ein Verwaltungsrat der WEMF solche Falschaussagen verbreitet. Aber es gehört halt zur Strategie von Peter Wanner und seinen Journalisten, immer irgend eine Gelegenheit zu suchen, um die BaZ zu destabilisiern. Dass man dazu aber solche Unwahrheiten verbreitet, ist allerdings eine neue Dimension. Das sind kreditschädigende Aussagen. Unser Konzernanwalt prüft die Einreichung einer Klage wegen unlauteren Wettbewerbs.

Unstrittig ist aber, dass der BaZ viele Abonnenten verloren gegangen sind. Wie hat sich die Auflage entwickelt?
Wir haben im Jahr 2012 viele Abonnenten verloren, das habe ich auch in einigen Interviews gesagt. In diesem Jahr zeichnet sich eine Stabilisierung ab. Wir verlieren zwar immer noch jeden Monat, prozentual aber etwa gleich viel wie alle anderen Abozeitungen der Schweiz.

Geben Sie Gegensteuer? Wenn ja, Wie?
Wir haben eine schwierige Zeit hinter uns, die Sanierungsmassnahmen sind nun grösstenteils umgesetzt, einige kleineren Steine müssen wir noch wegtragen. Ich kann Ihnen aber versichern, die BaZ wird sich noch in diesem Jahr wieder vorwärts bewegen. Die Marke wird gestärkt aus diesem Tief kommen und im Grossraum Basel wieder den Stellenwert erhalten, den diese Qualitätszeitung verdient.

Wanner verweist auf den Erfolg von «Basellandschaftlicher Zeitung» und «bz Basel». Er spricht von 26'000 Exemplaren verkaufter Auflage und einem «Plus von 6000». Bald soll die Auflage 30'000 betragen. Muss sich die BaZ fürchten?
Ich könnte jetzt auch eine «verlässliche Quelle» nennen, die mir gesagt hat, dass die bz Basel noch keinen einzigen Abonnenten in der Stadt Basel hinzugewonnen hat. Wissen Sie, ich habe gelernt, dass sich Qualität früher oder später immer durchsetzt – und das vor allem bei einer Zeitung. Ich habe früher mit Peter Wanner viel über Fussball diskutiert. Deshalb diese Analogie zum Fussball: Bezüglich Qualität bewegt sich die BaZ auf dem Niveau vom FC Basel. Die Titel von Peter Wanner, die «Basellandschaftliche Zeitung» und die «bz Basel» haben nicht einmal das Niveau der unteren Fussball-Ligen.

Die AZ-Zeitungen erscheinen mittlerweile unter der Bezeichnung «Nordwestschweiz». Stört Sie das als Chef der grössten Zeitung, die tatsächlich in der Nordwestschweiz erscheint?
Sehen Sie, heute heisst die Zeitung «Nordwestschweiz», vorher «Mittellandzeitung» noch früher war es die «Aargauer Zeitung» usw. Und überall wird der gleiche Aargauer Mantelinhalt darübergestülpt. Sie glauben doch nicht im Ernst, dass die stolzen Basler vom Aargau gesteuert werden wollen.

Die BaZ ist bei den anderen Medien ein Riesenthema. Kaum ein Tag, an dem «bz Basel», «Tageswoche», «SRF-Regionaljournal» oder «Telebasel» nicht berichten. Zuletzt ging es darum, dass ein Teil der Abonnenten keine aktuellen Sportresultate in ihrer Ausgabe hatten. Ist hier Besserung in Sicht?
Das geht tatsächlich nicht, dass Champions-Leaque-Spiele oder Europacup-Spiele unvollständig in der BaZ vorhanden sind. Wir arbeiten mit der Druckerei an einer Lösung eines späteren Druckbeginns. Das ist für die BaZ sehr wichtig, denn der FCB und die BaZ sind eigentlich ein untrennbares Team.

Was sagen Sie Peter Wanner, wenn Sie ihn das nächste Mal treffen?
Ich sage ihm, dass Zürcher wie ich einen schweren Stand haben in Basel. Aber dass für die Basler eine Einflussnahme durch Wanner der absolute Supergau wäre. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.04.2013, 19:16 Uhr

Artikel zum Thema

Rolf Bollmann wechselt zur «Basler Zeitung»

Der für den «Tages-Anzeiger» verantwortliche Tamedia-Bereichsleiter Rolf Bollmann wird Chef der BaZ-Gruppe. Sein Nachfolger wird neu die Berner und die Zürcher Medien des Unternehmens gemeinsam leiten. Mehr...

BaZ trotz Streik gedruckt und ausgeliefert

Die Mitarbeiter der BaZ-Druckerei streikten bis um 6 Uhr morgens. Sie wehren sich gegen die Schliessung ihres Betriebes. Die Zeitung erschien trotzdem. Nun läuft ein Ultimatum bis morgen für einen Sozialplan. Mehr...

Peter Wanners Aussagen

In der heutigen Ausgabe der «Solothurner Zeitung» ist ein Interview mit deren Verleger Peter Wanner erschienen. Darin äusserte er sich positiv über das Engagement seines Verlags in Basel und erwähnte, die Druckauflage der «Basler Zeitung» sei gemäss verlässlichen Quellen auf unter 50'000 gefallen. Rolf Bollmann, CEO der BaZ-Gruppe, widerspricht und legt nun andere Zahlen vor. Die Onlineausgabe der «Basler Zeitung» ist Newsnet-Partnerin.

Ärgert sich über Peter Wanner: BaZ-CEO Rolf Bollmann. (Bild: Keystone )

Kommentare

Die Welt in Bildern

Sie sind nun keine Kinder mehr: Junge Erwachsene nehmen an einer traditionellen Zeremonie in Seoul teil, bei der sie den Übertritt in ihr 19. Lebensjahr feiern. Sie dürfen nun ihre eigenen Lebensentscheidungen fällen, wählen gehen und Alkohol trinken. (20. Mai 2019)
(Bild: Ed Jones) Mehr...