Streit um Interessenkonflikte bei Meyer Burger

Trotz eines laufenden Strafverfahrens distanziert sich der Verwaltungsrat nicht vom angeblichen Selbstbedienungsladen unter dem früheren Präsidenten.

Ein heftiger Streit tobt zwischen der Unternehmensführung und dem Hauptaktionär Sentis Capital: Abstimmung durch Aktionäre des Solarunternehmens Meyer Burger an einer Generalversammlung 2016. Foto: Peter Schneider (Keystone)

Ein heftiger Streit tobt zwischen der Unternehmensführung und dem Hauptaktionär Sentis Capital: Abstimmung durch Aktionäre des Solarunternehmens Meyer Burger an einer Generalversammlung 2016. Foto: Peter Schneider (Keystone)

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Dem Berner Solarausrüster Meyer Burger steht das Wasser bis zum Hals. Nach einem verlustreichen ersten Halbjahr verfügt das Unternehmen nur noch über 32 Millionen Franken Bargeld. Kommt es nicht schleunigst an namhafte ­Aufträge, geht ihm bald die Luft aus.

Gleichzeitig tobt ein heftiger Streit zwischen der Unternehmensführung und dem Hauptaktionär, der Anlagegesellschaft Sentis Capital des russischen Investors Petr Kondrashev. An der ausserordentlichen Generalversammlung vom 30. Oktober verlangt Sentis die Zuwahl eines Vertreters in den Verwaltungsrat.

Das Gremium stemmt sich mit dem Argument dagegen, es könnte ein Interessenkonflikt entstehen. Verwaltungsratspräsident Remo Lütolf spricht sogar vom ­Risiko von Insiderhandel – ein äusserst schwerwiegender Vorwurf. Und er hegt den Verdacht, Kondrashev könnte schon bald von US-Sanktionen betroffen sein.

Zwei heikle Fälle

Gleichzeitig distanziert sich Lütolf, der das Unternehmen seit dem 2. Mai präsidiert, kaum vom früheren Verwaltungsrat rund um den damaligen Präsidenten ­Alexander Vogel. Dabei ist Vogel, der seit 1999 im Verwaltungsrat sass und diesen ab 2016 präsidierte, gleich in zwei mutmassliche Interessenkonflikte verstrickt. Erstens erteilte Meyer Burger zwischen 2005 und 2018 der Anwaltskanzlei von Vogel Rechtsberatungsaufträge im Wert von 8,3 Millionen Franken. Allein in den vergangenen drei Jahren waren es 1,9 Millionen, was 73 Prozent der gesamten Rechtsberatungsleistungen entsprach.

Zweitens hat die Berner Staatsanwaltschaft für die Verfolgung von Wirtschaftsdelikten im Mai eine Strafuntersuchung gegen unbekannt eröffnet, «wegen des Verdachts auf ungetreue Geschäftsbesorgung». Ausgelöst wurde sie durch eine Strafanzeige des Aktionärs Elysium Capital, der mit Sentis und anderen Anlegern eine Aktionärsgruppe bildet.

Die Anzeige ­richtete sich gegen den gesamten früheren Verwaltungsrat um Alexander Vogel. Elysium wirft ihm vor, er habe sich zulasten der anderen Aktionäre bereichert, als er sich im Zusammenhang mit der Beteiligung von Meyer Burger an der Solarfirma Oxford PV mit 11 Prozent vergünstigten Aktien eindeckte, während andere ­Aktionäre leer ausgingen.

Eine Untersuchung hat Lütolf nicht gestartet. Er möchte sich mit der Zukunft befassen.

Vogel weist diese Vorwürfe als haltlos zurück. Der neue Verwaltungsrat um Remo Lütolf sieht das im Fall des Oxford-Deals ebenso. Über die Mandate an Vogels Kanzlei will Lütolf, der auch den Bundesrüstungsbetrieb Ruag präsidiert, keine Beurteilung abgeben. Die Begründung: Er sei nicht dabei gewesen und habe zu wenig Wissen darüber. Eine Untersuchung dazu hat Lütolf allerdings nicht gestartet. Er möchte sich mit der Zukunft befassen, nicht mit der Vergangenheit, begründet er.

Vorwürfe scharf zurückgewiesen

Sentis kritisiert Lütolfs mangelnde Distanz zum alten Verwaltungsrat. Unter diesem sei ein eigentlicher «Selbstbedienungsladen» entstanden. «Es erstaunt, dass der neue Verwaltungsrat keine Aufklärung will und stattdessen die zweifelhafte Praxis der Vergangenheit verteidigt», sagt der Sentis-­Co-Geschäftsführer Mark Kerekes, der in den Verwaltungsrat von Meyer Burger gewählt werden will.

Gleichzeitig weist er Lütolfs Vorwürfe scharf zurück. «Er verbreitet das Sanktionsrisiko wider besseres Wissen.» Sentis Capital sei zudem kein Mehrheitsaktionär von Meyer Burger, weshalb das angebliche Risiko in keinem Fall entstehen könne. Dass bei seiner Wahl ein Interessenkonflikt vorliegen soll, sei «schon im Ansatz falsch», sagt Kerekes, denn er wäre gesetzlich verpflichtet, kein Insiderwissen weiterzugeben.

Der Streit könnte sich sogar noch zuspitzen. Denn Elysium Capital prüft zurzeit, ob die Mandate von Meyer Burger an Alexander Vogels Anwaltskanzlei ­rechtlich sauber waren. Eine Ausdehnung der Strafanzeige ist denkbar.

Erstellt: 21.10.2019, 11:17 Uhr

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