Die Offshore-Geschäfte von UBS und CS auf den Bahamas

Die zwei Schweizer Grossbanken haben für ihre Kunden auf den Bahamas Tausende von Offshore-Firmen gegründet. Dort gehören sie auch heute noch zu den grössten Playern.

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Die Bahamas sind ein wahres Inselparadies in der Karibik. Nur eine Flugstunde von Miami entfernt bietet der Kleinstaat nicht nur Strand und Palmen – sondern auch Verschwiegenheit und Diskretion. Als Offshore-Finanzplatz haben die Bahamas unter Steuerjägern und Finanz­ermittlern einen schlechten Ruf. In ihrer jüngsten Prüfung von 2014 beanstandete die internationale Organisation gegen Geldwäscherei Gafi etwa Mängel bei der behördlichen Aufsicht des Finanzsektors oder beim Risikomanagement.

Neu gegründete Firmen auf den Bahamas seit 1990 Grafik vergrössern

Nun offenbart ein Datenleck aus dem Firmenregister, welche Finanzdienstleister in dieser Steueroase besonders aktiv sind. Insgesamt gründeten in den letzten 25 Jahren Hunderte verschiedene Banken, Anwaltskanzleien und Treuhänder Briefkastenfirmen auf den Bahamas. Sie agieren dabei als die unerlässlichen Vermittler zwischen den Endkunden und den örtlichen Behörden. Ganz vorne dabei: die zwei Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse.

Seit 1990 wurden über 175'000 Firmen neu in das Firmenregister der Bahamas eingetragen. Fast jede neunte davon geht auf das Konto von UBS und Credit Suisse. Die beiden Schweizer Grossbanken, respektive deren Tochterunternehmen, gründeten auf den Bahamas je etwas mehr als 9500 Firmen. Damit belegen sie Platz zwei und drei der weltweit grössten Nutzer von Briefkasten­firmen auf den Bahamas – gleich hinter Mossack Fonseca, der panamischen Anwalts­kanzlei, die im Zentrum der Enthüllungen der Panama Papers stand.

2004 explodierte die Zahl

Besonders aktiv waren UBS und Credit Suisse 2004 und 2005, als das Zins­besteuerungsabkommen mit der EU in Kraft trat. Viele ausländische Bankkunden überschrieben ihr Vermögen in der Schweiz an Offshore-Firmen, um die neue Steuer zu vermeiden. In diesen Jahren hatten Schweizer Finanzdienstleister bei der Neugründung von Bahamas-Firmen einen Marktanteil von mehr als einem Drittel. Zu den weiteren Schweizer Banken, die – wenn auch auf viel tieferem Niveau – auf den Bahamas aktiv sind oder waren, gehören Julius Bär, Pictet oder Lombard Odier.

Briefkastenfirmen in Ländern wie den Bahamas sind nicht per se illegal und können legitime Zwecke haben, beispielsweise die Verwaltung von Familienvermögen. Jedoch zeigen etliche Fälle, dass sie auch missbraucht werden können, für Steuerbetrug oder Geldwäsche beispielsweise. Die US-Behörden etwa stiessen in ihren Verfahren gegen die UBS und die Credit Suisse wiederholt auf US-Bürger, die ihr Geld mithilfe der Schweizer Grossbanken auf den Bahamas am Fiskus vorbeischleusten.

Verschiedene Schweizer Geldinstitute haben sich in den letzten Jahren vom Geschäft mit Bahamas-Firmen verabschiedet. Dazu gehören etwa die Julius Bär und die Credit Agricole Schweiz. Deren französisches Mutterhaus hat bereits 2010 entschieden, sich ganz aus «nicht kooperativen Steuerparadiesen» zurückzuziehen. UBS und Credit Suisse hingegen gründen auf den Bahamas auch heute noch am zweit- und dritthäufigsten neue Firmen für ihre Kunden.

Die UBS erklärt den Spitzenplatz mit ihrem Trust-Geschäft. «Wir verkaufen nicht aktiv Offshorefirmen», schreibt die Bank. Vielmehr nutze die UBS auf den Bahamas registrierte Gesellschaften «als globalen Standard» für die von ihr angebotenen Trusts. Konkret heisst das: Will ein UBS-Kunde einen Trust einrichten, beispielsweise in Singapur, und soll in diesem Trust ein Bankkonto liegen, dann braucht es eine Firma als Besitzerin des Kontos. Dafür meldet die UBS dann standardmässig eine Gesellschaft auf den Bahamas an. Die UBS beschäftigt im Karibikstaat nach eigenen Angaben etwa 60 Mitarbeitende.

Die Credit Suisse äussert sich nicht zu konkreten Fragen. Allgemein lässt ein Sprecher verlauten: «Credit Suisse hält sich bei Firmengründungen an die geltenden Gesetze, Regeln und Vorschriften der Länder, in denen die Bank geschäftlich tätig ist, und verfolgt eine Politik der Steuerkonformität.» Auch die UBS betont: «Für die gesamte Geschäftstätigkeit gelten strikte Standards bezüglich Due Diligence und Bekämpfung von Geldwäscherei.» Die überwiegende Mehrheit ihrer Trusts werde «zwecks Nachlassplanung» errichtet.

Wirklich nur legitime Zwecke?

Überprüfen lassen sich die Bekundungen der beiden Grossbanken nicht. Die Bahamas sind so intransparent, dass selbst im online zugänglichen und kostenpflichtigen offiziellen Firmenregister des Landes Informationen fehlen. Kritische Beobachter des Offshoregeschäfts hegen Zweifel: «Ich habe Mühe, zu glauben, dass mit Firmen und Trusts in Offshore-Jurisdiktionen wie den Bahamas nur legitime und legale Zwecke verfolgt werden», sagt die Luzerner Bankenprofessorin Monika Roth. Aktuelle Fälle wie der des malaysischen Staatsfonds 1MDB oder der brasilianischen Petrobras zeigten, dass auch heute noch grosse Schweizer Banken schmutziges Geld annähmen und so mithälfen, es zu waschen. «Häufig spielen dabei Konten eine Rolle, die einer Offshore-Firma gehören.» Und Daniel Thelesklaf, Leiter der Liechtensteiner Geldwäschereibehörde FIU, sagt: «Eigentlich dürfte man von den Grossbanken erwarten, dass sie Länder mit den höchsten und nicht mit tiefen Standards nutzen, um die Gesellschaften ihrer Kunden zu registrieren.» Nur in gut regulierten Finanzplätzen werde ehrlichen Kunden die nötige Sicherheit geboten – «auch wenn das mehr kostet».

Erstellt: 21.09.2016, 19:59 Uhr

Das Bahamas-Leck

Dokumente aus Firmenregister

Das neuste Datenleck aus der Offshore-Welt umfasst 1,3 Millionen Dokumente aus dem Firmenregister der Bahamas. Es enthält Informationen zu über 175'000 Gesellschaften, die zwischen 1990 und Anfang 2016 gegründet wurden. Die Dokumente gelangten zur «Süddeutschen Zeitung», welche sie mit dem Internationalen Konsortium für Investigative Journalisten (ICIJ) teilte. Weltweit haben nun Journalisten die Daten ausgewertet, darunter der Recherchedesk von «SonntagsZeitung» und «Le Matin Dimanche». Das Bahamas-Leck ist weniger umfassend, als es die Panama Papers waren, die im Frühling auf dem gleichen Weg publik wurden. Es enthält Informationen über die Direktoren der Firmen und die Dienstleister, welche sie gründeten, jedoch keine interne Korrespondenz oder weitere Firmendokumente. (bro)

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