UBS und CS drohen in den USA Milliarden-Abschreiber

Trumps Steuerreform dürfte für die Schweizer Grossbanken happige Folgen haben. Was paradox tönt, funktioniert so.

Sorgt für Freude bei den Unternehmen in den USA – und für mögliche Verluste bei den Schweizer Grossbanken: Trump zeigte nach den Abstimmungen im Kongross die Faust.

Sorgt für Freude bei den Unternehmen in den USA – und für mögliche Verluste bei den Schweizer Grossbanken: Trump zeigte nach den Abstimmungen im Kongross die Faust. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Nach mehreren Stunden Powerpoint-Schlacht am Investorentag der Credit Suisse vergangenen Donnerstag gingen zum Ende die Ausführungen von Finanzchef David Mathers fast schon unter. Doch was der Mann im beiläufigen Plauderton so sagte, hatte es durchaus in sich: Denn laut Mathers wird die US-Steuerreform von Präsident Donald Trump die Credit Suisse Milliarden kosten. «Wir werden den Wert unserer Steuergutschriften abschreiben müssen», begründete Mathers.

Die geplante US-Steuerreform sieht eine Senkung des Steuersatzes auf Unternehmensgewinne von 35 auf 20 Prozent vor und wurde vom Senat bereits angenommen. Sollte das Vorhaben so Gesetz werden, müsste die Credit Suisse einen Abschreiber auf die Steuergutschriften von 2,1 Milliarden Franken vornehmen.

Auch für die UBS wird die Steuerreform zunächst teuer. Die Grossbank verweist auf Anfrage auf eine Schätzung von Anfang des Jahres; daraus ergibt sich, dass die UBS die Steuerreform rund 3 Milliarden Franken kosten wird.

Wert der Steuergutschriften sinkt

Auf den ersten Blick mag das verwirren: US-Unternehmen freuen sich auf tiefere Unternehmenssteuersätze – und Schweizer Banken soll das Ganze Milliarden kosten?

Der Grund dafür findet sich in den Bilanzen der Banken. Die UBS und auch die Credit Suisse haben in den USA in der Vergangenheit hohe Verluste erlitten. Die UBS zum Beispiel in der Hypothekenkrise, die Credit Suisse durch den Rückbau des US-Investmentbankings. Die Verluste können die Banken jeweils steuerlich geltend machen und dabei auch in die Zukunft übertragen. Daraus ergeben sich sogenannte Verlustvorträge, welche die Steuerlast in der Zukunft drücken.

Sinkt nun die Steuerlast in den USA, sinkt auch der Wert dieser steuerlichen Verlustvorträge. Wie sehr, hängt davon ab, wie stark der Steuersatz für Unternehmensgewinne sinkt. Derzeit sieht Trumps Gesetzesentwurf vor, den Satz von 35 auf 20 Prozent zu senken.


Video: Erste Hürde geschafft

Der US-Senat billigte am Freitag die Steuerreformpläne von Trumps Republikanern.


Das Gesetz befindet sich zwar noch in der Differenzbereinigung zwischen Senat und Repräsentantenhaus. Doch die Senkung des Gewinnsteuersatzes ist dabei kein Streitpunkt.

Die UBS kostet die Reform rund 3 Milliarden Franken

Laut der UBS hatte die Bank Ende vergangenen Jahres 8,2 Milliarden anerkannte Verlustvorträge. Schon in einer Bankpräsentation zu den Ergebnissen des vierten Quartals 2016 präsentierte die UBS eine Hochrechnung, wie stark eine Senkung der US-Steuern den Wert der Verlustvorträge mindert. Demnach sinkt ihr Wert um 200 Millionen Franken mit jedem Punkt, um den der US-Steuersatz sinkt. Da Trump die Steuersätze um 15 Punkte senken will, ergibt sich ein rechnerischer Wertverlust der UBS-Steuerguthaben von 3 Milliarden Franken.

Die Banken haben keine Wahl, wann sie diese Abschreibung buchen. «Wenn Trump noch dieses Jahr die Unterschrift unter das Steuerreformgesetz setzt, müssen beide Grossbanken im vierten Quartal ihre Verlustvorträge teilweise abschreiben», erklärt Andreas Venditti, Banken-Analyst bei der Bank Vontobel. Und genau das ist Trumps Plan – er hofft, noch vor Weihnachten die Steuerreform zu unterzeichnen. Es wäre sein erstes grosses Projekt, das er durch das Parlament bekäme.

Der Credit Suisse droht ein erneuter Jahresverlust

«Das könnte dazu führen, dass die Credit Suisse den dritten Jahresverlust in Folge verbucht», sagt Banken-Experte Venditti. Denn bisher schätzen Analysten, dass die Credit Suisse einen Jahresgewinn von 1,3 Milliarden Franken verbucht. Fällt der Abschreiber an, so würde die Bank einen Jahresverlust von etwa 800 Millionen Franken erleiden.

Die UBS bliebe in den schwarzen Zahlen, der Jahresgewinn würde aber von geschätzt 4,1 Milliarden Franken auf dann wohl rund eine Milliarde schmelzen.

Wer sich die Aktienkurse der beiden Grossbanken anschaut, stellt indes fest, dass Investoren diese Abschreiber offenbar kalt lassen. «Anleger schauen darüber hinweg, denn dieser Abschreiber berührt nicht die Kapitalausstattung aus regulatorischer Sicht», sagt Analyst Venditti. Verluste zehren normalerweise am Eigenkapital einer Bank. Doch die steuerlichen Verlustvorträge werden von den Bankaufsehern nicht als Teil des Eigenkapitals anerkannt. Umgekehrt zehren die Abschreiber auf diesen Guthaben nun auch nicht an der Kapitalausstattung. Und schränken damit CS und UBS nicht in ihrer Fähigkeit ein, Dividenden zu zahlen. Denn ob eine Bank Ausschüttungen vornehmen kann, hängt überwiegend vom operativen Gewinn und von der Eigenkapitalstärke einer Bank ab.

Langfristige positive Effekte

Trotz des schmerzhaften Ergebnis-Tauchers für die Credit Suisse: Laut Analyst Venditti sei die Steuerreform für die Grossbank dennoch eine gute Nachricht. «Denn ab 2018 sinkt die effektive Steuerlast, was den Jahresgewinn um rund 7 Prozent erhöhen kann», erklärt er.

Die UBS dagegen würde weniger profitieren: Denn die Bank habe noch riesige Verlustvorträge aus der Krisenzeit und zahle daher mindestens für die nächsten zehn Jahre in den USA keine Steuern. Die UBS verweist auf die indirekten Effekte: Die Bank profitiere davon, dass das gesamtwirtschaftliche Umfeld positiv von der Steuerreform beeinflusst werde, heisst es von der UBS.

Das gilt indes für alle Banken, vor allem für die US-Institute, die bereits jetzt schon vor Gesundheit nur so strotzen. Laut Finanzkreisen müssten zwar auch US-Banken steuerliche Verlustvorträge im Gesamtwert von geschätzt 20 Milliarden Dollar abschreiben. Doch das dürften die grossen Wallstreet-Häuser locker verkraften. JP Morgan zum Beispiel machte allein im dritten Quartal mit 6,7 Milliarden Dollar mehr Gewinn als die UBS und die Credit Suisse im gesamten laufenden Jahr zusammen.


Am Paradeplatz bleibt es dunkel
In dieser Session werden National- und Ständerat das Bankgeheimnis zementieren. Wie konnte SVP-Banker Thomas Matter einen solchen Triumph erringen?


(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.12.2017, 16:59 Uhr

Artikel zum Thema

Trumps historische Steuerreform mit Randnotizen durchgeboxt

Der US-Präsident schenkt sich auf Weihnachten wohl seinen ersten grossen Erfolg: eine umfassende Steuerreform. Nun müssen aber die zwei Kammern ihre Versionen noch abgleichen. Mehr...

Thiam spart sich neue Sparpläne

Die Credit Suisse will die Gewinne kräftig steigern, ohne weitere gross angelegte Kürzungspläne aufzusetzen. Aktionären stellt der Chef Sonderdividenden und Aktienrückkäufe in Aussicht. Mehr...

Was Ermotti die Champagnerlaune verderben könnte

Analyse Plus 14 Prozent Reingewinn? Hinter den starken Quartalszahlen der UBS stehen drei Fragezeichen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Die Welt in Bildern

Punktlandung: Eine russische Raumkapsel mit drei Raumfahrern der Internationalen Raumstation (ISS) an Bord landet in der Steppe von Kasachstan. Nach fünf Monaten ist die Besatzung wieder auf die Erde zurückgekehrt. (14. Dezember 2017)
(Bild: Dmitry Lovetsky) Mehr...