UBS und CS droht ein Denkzettel der Aktionäre

Stimmrechtsberater empfehlen, die Tätigkeit der Managements abzulehnen und sich gegen die überrissenen Saläre zu wehren.

Ihm soll die Entlastung verweigert werden: UBS-CEO Sergio Ermotti. Foto: Keystone

Ihm soll die Entlastung verweigert werden: UBS-CEO Sergio Ermotti. Foto: Keystone

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Wie jedes Jahr wird an den Generalversammlungen (GV) der Grossbanken die Vergütung des Managements zu reden geben. Dazu sieht sich UBS am 2. Mai einer ganz neuen Baustelle gegenüber. Die weltweit grössten Stimmrechtsberater, ISS und Glass Lewis, empfehlen, die Entlastung von Verwaltungsrat (VR) und Geschäftsleitung (GL) für 2018 zu verweigern. Der Grund: der Gerichtsfall mit möglicher Milliardenbusse in Frankreich.

«Die Aktionäre können nicht sicher beurteilen, ob es in ihrem besten Interesse ist, das Verhalten von GL und VR im vergangenen Jahr gutzuheissen», schreibt Glass Lewis zuhanden der UBS-Aktionäre und empfiehlt ihnen, sich bei der Entlastung (Décharge) zu enthalten. ISS plädiert direkt für die Ablehnung des Traktandums: «Es wäre nicht im Interesse der Aktionäre, sich potenzielle Rechtswege zu verschliessen.» Beide begründen ihre Einschätzung mit dem Rechtsstreit der UBS gegen Frankreich. Ende Februar wurde die Bank in Paris wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung zu einer Strafzahlung von 4,5 Milliarden Euro verurteilt.

Schweizer Berater äussern sich noch kritischer

Bankchef Sergio Ermotti und Präsident Axel Weber halten UBS für unschuldig und glauben, «dass das Urteil aufgehoben werden sollte», wie sie an die Aktionäre schrieben. Sie gehen durch die Instanzen, was bis zu neun Jahre dauern könnte. Das habe «zu erhöhter Unsicherheit auch mit Bezug auf mögliche zukünftige Forderungen während des langen Berufungsprozesses» geführt, schreibt Glass Lewis. Für UBS sei das Risiko grundsätzlich höher als für die Konkurrenz, wegen ihres vergangenen Geschäfts zur Verantwortung gezogen zu werden. Solche Fälle würden weiter «substanzielle Auswirkung auf den Aktionärswert haben».

Die grossen internationalen Stimmrechtsberater erhalten Unterstützung von den Schweizer Dienstleistern Ethos und Inrate, die sich in der Regel noch kritischer äussern. Beide verweigern sogar dem Management der Credit Suisse für den 26. April die Entlastung. Inrate kritisiert «Mängel in der Geschäftsführung und ungenügende Aufsicht». 2018 habe es «Untersuchungen, Rechtsfälle und Bussen» gegeben, die «erhebliche Kostenfolgen und Reputationsschäden» nach sich ziehen könnten. Ethos fordert gar die Abwahl von Verwaltungsratspräsident Urs Rohner.

Alle bis auf ISS lehnen zudem die Vergütung beider Grossbanken für 2018 ab. Die überrissenen und komplizierten Saläre seien nicht gerechtfertigt angesichts negativer Aktienperformance 2018 und erheblicher Geldbussen. Die Banken würden dabei Feingefühl gegenüber den Aktionären und der Schweizer Öffentlichkeit vermissen lassen, schreibt Glass Lewis.

Klagen sind kaum aussichtsreich

«Wir nehmen die Empfehlung zur Kenntnis», teilt CS schlicht mit. UBS kommentiert die Kritik überhaupt nicht. Beide stellen sich dem Vernehmen nach auf kritische Voten an der GV ein. Mit Ablehnung der fraglichen Traktanden rechnen Banken und Experten aber nicht. Die Bedeutung der Stimmrechtsberater habe abgenommen, sagt Barbara Heller, Chefin von Swipra, einem Dienstleister zur Unternehmensführung. Gemäss Informationen dieser Zeitung orientieren sich zwar 73 Prozent des Aktionariats von Credit Suisse an ISS und 43 Prozent an Glass Lewis. Doch nur rund 5 Prozent folgen den Vorgaben strikt, der Rest bildet sich eine eigene Meinung. Der Einfluss von Schweizer Stimmrechtsberatern ist dagegen marginal.

Sollte es dennoch zur Verweigerung der Entlastung für die UBS-Spitze kommen, wäre das ein Misstrauensvotum gegenüber dem eingeschlagenen Frankreich-Kurs. Mit Décharge verzichten Aktionäre auf ein sechsmonatiges Klagerecht bezüglich der vorgetragenen Tätigkeiten des Managements. Das hat allerdings keine Wirkung auf Tatsachen, die vom Management ausgelassen oder bewusst verschwiegen wurden. Dritte haben zudem jederzeit die Möglichkeit zu klagen.

Wie schwer es aber ist, ein Management für vermeintliche Fehler zur Verantwortung zu ziehen, zeigt der Fall Swissair. Der Liquidator der Fluglinie führte bisher fünf Prozesse gegen die Ex-Führung, die alle abgewiesen wurden. Raiffeisen klärt gerade ab, ob und gegen wen Regressansprüche für Verlustgeschäfte aus der Ära Vincenz geltend gemacht werden können. Ein Rechtsgutachten soll Klarheit schaffen. Die Décharge für das Jahr 2017 wurde dabei bis heute nicht erteilt.

(Finanz und Wirtschaft)

Erstellt: 22.04.2019, 09:00 Uhr

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